175 österreichische Blauhelme

Erneut UNO-Truppen im Libanon beschossen: Zwei weitere Soldaten verletzt

Zwei Blauhelm-Soldaten in einem Bunker im Südlibanon (Archivfoto).
© APA/AFP/ANWAR AMRO

Naqoura, New York – Das israelische Militär hat am Freitag erneut einen Beobachtungsposten der UNO-Friedensmission UNIFIL bei deren Hauptquartier im südlibanesischen Naqoura beschossen. Dabei wurden Blauhelmsoldaten aus Sri Lanka laut Medienberichten verletzt. Mehrere Staaten, darunter Österreich, verurteilten den Beschuss. UNO-Generalsekretär António Guterres bezeichnete den Vorfall als „unerträglich“. Trotz der aktuellen Lage wollen die Friedenssicherungskräfte aber weiter vor Ort bleiben.

Die UNO-Blauhelme müssten beschützt und nicht beschossen werden, sagte Guterres am Rande eines ASEAN-Gipfels in Laos in Richtung Israel. Eine Eskalation des Nahost-Konflikts sei eine „ernste Gefahr für die globale Sicherheit“, es müsse alles dafür getan werden, um einen „totalen Krieg“ im Libanon zu vermeiden, forderte der UNO-Chef.

Vier Vorfälle in dieser Woche

In dieser Woche wurden UNO-Kreisen zufolge vier Mal Stellungen der UNIFIL von israelischen Truppen beschossen und vier Blauhelm-Soldaten verletzt. Es waren die ersten Opfer in den Reihen der UNIFIL-Mission seit Beginn von Israels Bodenoffensive im Libanon gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz vor rund einer Woche. Am Freitag durchbrachen israelische Streitkräfte dem UNO-Insider zufolge auch den Umkreis einer weiteren UNIFIL-Stellung. Auf diese hätten die israelischen Soldaten bereits am Donnerstag geschossen.

Der amtierende libanesische Ministerpräsident Najib Mikati bezeichnete den jüngsten Angriff als „angekündigtes Verbrechen“. Er habe mit US-Außenminister Antony Blinken über die Bemühungen um eine Waffenruhe gesprochen. Blinken äußerte sich zwar besorgt über die Eskalation im Nahost-Konflikt, nahm aber nicht öffentlich zu den Angriffen auf die UNIFIL Stellung. Die USA sind der engste Verbündete Israels.

Israels Militär hatte am Donnerstag erklärt, es habe die UNIFIL-Soldaten in der Gegend von Naqoura angewiesen, sich an sichere Orte zu begeben. Dann habe man das Feuer eröffnet, denn Hisbollah-Kämpfer agierten auch in Gebieten, die bei UNIFIL-Stützpunkten lägen. Der UNO-Mission empfahl der israelische UNO-Botschafter Danny Danon eine Verlegung um fünf Kilometer nördlich. Damit könnten angesichts der sich intensivierenden Kämpfe „Gefahren vermieden werden“.

Etwa 175 Soldaten aus Österreich

Die UNO-Beobachtermission überwacht das Grenzgebiet seit Jahrzehnten. Daran sind mehr als 10.000 UNO-Soldaten aus rund 50 Ländern beteiligt, darunter aktuell 175 Personen aus Österreich. Die Bundesheer-Soldatinnen und Soldaten waren von den Angriffen nicht betroffen. Sie sind vor allem für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur und Fahren von und nach Beirut verantwortlich. Diese wurden angesichts der aktuellen Situation schon vor einiger Zeit eingeschränkt, erklärte Bundesheersprecher Michael Bauer auf APA-Anfrage. Ein Abzug sei derzeit „kein Thema“ und stehe nicht im Raum, betonte er.

Die deutsche Bundeswehr reduzierte ihr Kontingent bereits in den vergangenen Wochen und Tagen und wolle es „kontinuierlich leicht abschmelzen lassen“, erklärte ein Sprecher. Den Beschuss verurteilte die Regierung in Berlin als „in keiner Weise akzeptabel und hinnehmbar“. Der Vorfall müsse genau aufgearbeitet werden.

Schallenberg „extrem alarmiert“

Das Außenamt in Wien verurteilte den neuerlichen Beschuss am Freitag. Alle seien verpflichtet, die Sicherheit der UNO-Blauhelme zu jeder Zeit zu garantieren. Man habe diese Position den israelischen Partnern nochmals „sehr klar“ gemacht, hieß es auf „X“. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) hatte sich am Donnerstagabend „extrem alarmiert“ gezeigt.

„Das ist völlig inakzeptabel und muss sofort aufhören!“ Auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) verurteilten den Angriff. Er sei „in keiner Weise zu rechtfertigen“, so Kogler in einer Stellungnahme für die APA. Es sei „unverzichtbar“, dass sofort Gespräche auf bilateraler sowie auf UNO-Ebene stattfinden, um die Angriffe zu beenden.

UNIFIL-Truppen wollen auf Posten bleiben

Ungeachtet des Beschusses zeigten sich die UNIFIL-Truppen entschlossen, auf ihrem Posten zu bleiben. „Wir sind dort, weil der Sicherheitsrat uns darum gebeten hat“, sagte ihr Sprecher Andrea Tenenti. „Wir bleiben also, bis die Lage uns einen Einsatz unmöglich macht.“ Die Gefechte zwischen dem israelischen Militär und Hisbollah-Kämpfern im Südlibanon seien eines der gravierendsten Ereignisse der vergangenen zwölf Monate. Die UNIFIL-Truppen haben vom UNO-Sicherheitsrat das Mandat, der libanesischen Armee dabei zu helfen, den Süden des Landes von Waffen und bewaffneten, nicht staatlichen Gruppen frei zu halten. Das hat zu Spannungen mit der vom Iran unterstützten Hisbollah geführt, die das Gebiet de facto kontrolliert.

Tenenti sagte weiter, die Angriffe auf den Wachturm, die Kameras, die Kommunikationsausrüstung und die Beleuchtung des UNIFIL-Hauptquartiers hätten die Überwachungsmöglichkeiten der Blauhelm-Soldaten eingeschränkt. UNO-Insider befürchten nun, dass israelische Angriffe es unmöglich machen, Verstöße gegen das Völkerrecht in der Zone zu überwachen. Tenenti zufolge hat die Truppe noch immer wichtige Aufgaben zu erfüllen. „Sie muss lokale Nichtregierungsorganisationen und UNO-Organisationen dabei unterstützen, all diese Dörfer mit dringend benötigter Nahrung und Wasser zu versorgen. Tausende Menschen haben das Land verlassen, aber Tausende sitzen noch immer in der Gegend fest. Daher ist es sehr wichtig, Konflikte zu vermeiden.“

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