Bei VW drohen Streiks, in deutscher Autobranche wackeln 140.000 Jobs
Harte Sparpläne sorgen für Unmut bei der Volkswagen-Belegschaft. In Deutschland wird auch 2025 kein Wachstum erwartet.
Wolfsburg – Bei Volkswagen stehen die Zeichen auf Sturm. Der Konzern plant laut Betriebsrat mindestens drei Werke in Deutschland zu schließen, zudem wackeln Zehntausende Jobs und es drohen massive Gehaltskürzungen. Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo warnte den Vorstand bereits vor einer Eskalation und kündigte Widerstand gegen die Sparpläne an. Die Friedenspflicht endet bei VW Ende November, danach sind auch Streiks möglich.
Schon heute kommen Konzern und die Gewerkschaft IG Metall zu ihrer zweiten Verhandlungsrunde über den VW-Haustarif zusammen. Bereits in der ersten Runde im September hatte VW die Forderungen der IG Metall nach sieben Prozent Erhöhung zurückgewiesen und stattdessen auf Einsparungen gedrängt.
Umbau zur E-Mobilität
Aber nicht nur bei VW kriselt es. Der Umbau zur Elektromobilität kostet einer Studie zufolge in den kommenden zehn Jahren in der deutschen Autobranche weitere 140.000 Arbeitsplätze. Betroffen seien zahlreiche Berufe, etwa in der Metallbearbeitung oder im Maschinenbau, teilte der Branchenverband VDA zu einer aktuellen Prognos-Studie mit. Seit 2019 seien schon etwa 46.000 Arbeitsplätze gestrichen worden.
„Die Transformation unserer Industrie ist eine Mammutaufgabe“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Die geringere Beschäftigung sei nicht Ausdruck einer Krise, sondern ein Teil der Transformation. „Entscheidend ist aber, dass die politischen Rahmenbedingungen diesen Wandel unterstützen und begleiten.“ Derzeit werde immer deutlicher, dass Europa und Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit einbüßten, sagte sie. Immer mehr Unternehmen verschöben eigentlich geplante Investitionen in Deutschland oder strichen sie ganz.
Kein Wachstum 2025
Laut einer Deloitte-Umfrage sehen 74 Prozent unter 185 Finanzvorständen aus den Kernindustrien Automobil, Chemie und Maschinenbau ihren Investitionsschwerpunkt heute noch in Deutschland, mit Blick auf die nächsten fünf Jahre aber nur noch 54 Prozent.
Der deutsche Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte angesichts dieser düsteren Befunde gestern zu einem Industriegipfel geladen. Auch für 2025 wird in Deutschland kein Wachstum erwartet. (dpa, TT)
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