„Historisches“ Unwetter in Spanien: Bis zu 95 Tote bei Überflutungen in Valencia
Nach ungewöhnlich starken Niederschlägen und Überschwemmungen in Spanien sind allein in der Region Valencia mindestens 92 Menschen ums Leben gekommen. Auch andere beliebte Urlaubsgebiete wie Andalusien sind von den Unwetterfolgen betroffen.
Madrid – Nach den heftigen Unwettern in weiten Teilen Spaniens stieg die Zahl der Toten weiter. Besonders schlimm ist die Lage in der bei Urlaubern sehr beliebten Region Valencia, wo 92 der insgesamt 95 bisher bestätigten Todesopfern geborgen wurden. „Es wurden Tote gefunden, aber aus Respekt vor den Angehörigen werden wir keine weiteren Angaben machen“, hatte der Regierungschef der Region, Carlos Mazón, bereits zuvor bekannt gegeben.
Dutzende Menschen galten als vermisst. In Cuenca in der Region Kastilien-La Mancha wurde zudem eine 88-jährige Frau Medienberichten zufolge tot geborgen.
📽️ Video | Dutzende Tote durch Starkregen und Überschwemmungen
Schwer betroffen sind aber auch andere Regionen am Mittelmeer wie Andalusien und Murcia sowie Kastilien-La Mancha. Vielerorts wurden Häuser und Felder überschwemmt. Flüsse traten über die Ufer, vielerorts wurden Häuser überschwemmt. Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse und rissen Autos und Bäume mit. In einigen Orten wie Turis und Utiel wurden Niederschlagsmengen von bis zu 200 Millimetern gemessen.
Im Süden und im Osten Spaniens mussten zahlreiche Autobahnen und Landstraßen gesperrt werden. Auch der Flug- und Bahnverkehr wurde beeinträchtigt. An vielen Schulen und Universitäten fiel der Unterricht aus. Wegen eines Steinrutsches geriet ein AVE-Hochgeschwindigkeitszug auf dem Weg von Málaga nach Madrid kurz nach Beginn der Fahrt mit 291 Passagieren an Bord nahe der Gemeinde Álora aus den Gleisen. Dabei habe es aber keine Verletzten gegeben, teilte die spanische Bahngesellschaft Renfe mit.
Hilfe teils nur per Hubschrauber möglich
Zahlreiche Kräfte ringen in der besonders betroffenen Mittelmeerregion Valencia darum, zu den betroffenen Orten vordringen zu können. Vieles könne wegen überschwemmter oder anderweitig blockierter Straßen nur per Hubschrauber geleistet werden, sagte José Miguel Basset von der Feuerwehr der Provinz Valencia der Nachrichtenagentur Europapress. Der Containerhafen in Valencia schrieb auf X, er bleibe bis mindestens 14.00 Uhr geschlossen.
Der Regierungschef der Region, Carlos Mazón, rief Einwohner dazu auf, sich in höhergelegene Gebiete zu begeben. In einigen Gebieten waren Anrainerinnen und Anrainer in ihren Häusern eingeschlossen und setzten in sozialen Medien Notrufe ab, wie die Zeitung El País berichtete.
Radio- und Fernsehsender erhielten Hunderte Hilferufe von Bürgerinnen und Bürgern, die in überschwemmten Gebieten eingeschlossen waren oder nach Angehörigen suchten. „Wenn die Rettungsdienste nicht eingetroffen sind, liegt das nicht an fehlenden Mitteln oder mangelnder Bereitschaft, sondern an einem Zugangsproblem“, erklärte Mazón. Es sei derzeit „absolut unmöglich“, bestimmte Gebiete zu erreichen. Die lokalen Rettungsdienste haben die UME, eine auf Rettungseinsätze spezialisierte Militäreinheit, um Unterstützung gebeten.
„Historisches Unwetter“
Das Regengebiet, über das schon seit Tagen viel berichtet worden war, soll heute gen Nordosten weiterziehen. Für große Teile des Landes gilt aber weiter eine Unwetterwarnung. Erst am Donnerstag werde sich die Lage in ganz Spanien wieder komplett entspannen, teilte der Wetterdienst Aemet mit.
Aemet sprach in einer ersten Bilanz von einem „historischen Unwetter“. Es habe sich um den schlimmsten „Kalten Tropfen“ (gota fría) dieses Jahrhunderts in der Region Valencia gehandelt, schrieb Aemet auf X. Diese Wettererscheinung tritt in der spanischen Mittelmeerregion in den Monaten September und Oktober häufig auf, sie basiert auf stark schwankenden Temperaturen von Meer und Luft und entsteht, wenn sich die ersten atlantischen Tiefausläufer mit feuchtkalter Luft über das warme Mittelmeer schieben.
Über Mallorca und den anderen Balearen-Inseln war das Unwetter mit Starkregen bereits am Montag gezogen. Inzwischen hat sich die Situation dort wieder beruhigt, obwohl für einige Gebiete – darunter auch auf Mallorca – noch die Unwetterwarnung Gelb galt.
EU bietet Hilfe an
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bot Spanien Hilfe der Staatengemeinschaft an. „Wir haben unser Copernicus-Satellitensystem aktiviert, um bei der Koordinierung der Rettungsteams zu helfen. Und wir haben bereits angeboten, unseren Katastrophenschutz zu aktivieren“, sagte von der Leyen in Brüssel. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, den Familien und ihren Freunden, aber auch bei den Rettungsteams.“ (APA/dpa/Reuters, TT.com)