Landeschefs erstellen in Traunkirchen Wunschzettel an Bund
Angesichts der laufenden Koalitionsverhandlungen werden sich die Landeshauptleute bei ihrer Konferenz am Dienstag und Mittwoch in Traunkirchen wohl lautstark mit ihren Forderungen an den Bund zu Wort melden. In einem Positionspapier werden die LĂ€nder ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung formulieren, kĂŒndigte der aktuelle Vorsitzende, Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ĂVP), im Vorfeld an. U.a. wird man sich Standort- und Energiefragen widmen.
FĂŒr Stelzer steht vor allem die Frage, wie man den Standort Ăsterreich sichern und weiterentwickeln kann, auf der Agenda, ebenso die KIM-Verordnung. GesprĂ€chsbedarf sieht er auch, nachdem die wesentlich schlechtere Prognose der Ertragsanteile fĂŒr 2025 erst zum Ende des Budgeterstellungsprozesses an die LĂ€nder weitergegeben worden sei: "Die Kommunikation zwischen Bund und LĂ€ndern muss verbessert werden." Generell wollen die LĂ€nder in Verhandlungen stĂ€rker eingebunden werden, Stichwort Renaturierungsverordnung.
Der steirische Landeshauptmann Christopher Drexler (ĂVP), der vor der Konferenz noch eine Landtagswahl zu schlagen hat, will einen Antrag fĂŒr eine bundesweite verpflichtende Suspendierungsbegleitung fĂŒr SchĂŒler einbringen. Zudem hofft er sich mit den anderen LĂ€nder-Chefs auf einen gemeinsamen Nenner bei Sanktionen fĂŒr Eltern auffĂ€lliger Jugendlicher zu einigen, die empfohlene Beratungstermine nicht wahrnehmen. Er spricht sich hier fĂŒr eine KĂŒrzung der Familienbeihilfe aus, was der Bund einleiten mĂŒsste. Auch sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen bei JugendkriminalitĂ€t und der Ausbau der Schulsozialarbeit stehen auf seiner Liste. Zudem will er eine VerlĂ€ngerung der Strompreisbremse und weitere Fragen im Zusammenhang mit den Energiepreisen thematisieren.
Auch Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ĂVP) will das Thema Energiekosten auf das Tapet bringen: "Es mĂŒssen MaĂnahmen getroffen werden, die die Netzkosten abfedern. Es gilt, das aktuelle Regelwerk der NetzgebĂŒhren insgesamt zu hinterfragen und eine Lösung im Sinne der Menschen in unserem Land zu finden", kĂŒndigte er in einer gemeinsamen Aussendung mit ArbeiterkammerprĂ€sident Erwin Zangerl (ĂVP) an. Netzinfrastruktur sei wesentlich, um die Energiewende zu schaffen. Die Kosten dafĂŒr mĂŒssten aber "fair aufgeteilt werden". Konkret solle die ElektrizitĂ€tsabgabe auf dem derzeitigen Niveau belassen und die Erneuerbaren Förderpauschale sowie der Erneuerbaren Förderbetrag weiter ausgesetzt werden.
Der KĂ€rntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPĂ) pocht auf die frĂŒhzeitige Einbindung der LĂ€nder in die anstehenden Verhandlungen zur Ausgestaltung der EU-KohĂ€sionspolitik 2028+. Ohne die Einbindung der Regionen könnten die dafĂŒr vorgesehenen Mittel - immerhin rund 1,2 Billionen Euro - nicht dort wirken, wo sie am meisten gebraucht werden, warnte er.
Die Landeshauptleute tagen diesmal im Waldcampus Traunkirchen. Am Dienstag, dem 26. November, stehen abends erste Beratungen und ein gemeinsames Essen auf dem Programm, am Mittwoch startet nach dem traditionellen "Familienfoto" der Hauptteil der Tagung.