12.000 Häuser verbrannt

Flammeninferno in L.A.: Zahl der Toten steigt auf elf, nächtliche Ausgangssperre verhängt

Seit Dienstag wüten die Brände in Los Angeles. DIe meisten Feuer konnten noch nicht unter Kontrolle gebracht werden.
© AFP/ Fallon, Macon

Die genaue Zahl der Opfer sei weiter unklar. Bis dato sind 15.000 Hektar Land verbrannt. Aufgrund von Plünderungen wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Feuerwehr-Chefin Kristin Crowley übt indes Kritik am Management der Stadt. Auch der künftige US-Präsident Donald Trump mischt sich in das Geschehen ein.

Los Angeles – Bei den katastrophalen Bränden rund um Los Angeles ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens elf gestiegen. Jedoch befürchten die Behörden, dass sich die Zahl weiter erhöhen könnte, sobald Ermittler die teilweise völlig verwüsteten Gebiete gefahrlos erreichen können. Drei Feuer waren weiterhin außer Kontrolle, darunter das besonders heftige „Palisades Fire“ im Stadtteil Pacific Palisades. Die Feuerwehrbehörde weitete dort die Evakuierungsanordnung am frühen Morgen auf weitere Gebiete aus. Der Bezirk Los Angeles rief kurz zuvor wegen der gefährlichen Rauchentwicklung den örtlichen Gesundheitsnotstand aus, wie der Fernsehsender CNN berichtete.

Nach Schätzungen der Behörde wurden bereits mehr als 12.000 Gebäude durch die Brände zerstört oder beschädigt. Rund 58.000 weitere sind gefährdet. Seit Dienstag gingen demnach rund 15.000 Hektar Land in Flammen auf. Für mehr als 100.000 Bewohner galt weiterhin eine Evakuierungsanordnung, Zehntausende weitere Menschen sind gewarnt.

Brände hinterließen Spur der Verwüstung im Großraum Los Angeles

Nur zwei Brände unter Kontrolle

Von derzeit sechs verschiedenen Feuern seien nur zwei – das Hurst-Feuer und das Lidia-Feuer – größtenteils unter Kontrolle, teilte die Brandschutzbehörde Cal Fire mit. Die weitaus heftigsten Brände, das „Palisades Fire“ im Stadtteil Pacific Palisades und das „Eaton Fire“ nahe Pasadena, konnten hingegen bisher nur zu acht beziehungsweise drei Prozent eingedämmt werden.

Unterdessen machte die Leiterin der Feuerwehr von Los Angeles, Kristin Crowley, der Stadtverwaltung schwere Vorwürfe. Die Kürzung der Haushaltsmittel für die Feuerwehr um 17 Millionen Dollar (16,5 Millionen Euro) wirke sich jetzt negativ auf die Fähigkeit ihrer Behörde aus, die Brände zu bekämpfen, beklagte Kristin Crowley im US-Fernsehsender CNN. „Wir können den jetzigen Zustand nicht länger aufrechterhalten. Wir haben nicht genug Feuerwehrleute“, sagte sie.

Sie habe immer wieder bei Budgetanforderungen darauf hingewiesen, dass ihre Behörde unterbesetzt und unterfinanziert sei, beklagte Crowley. Es würden 62 zusätzliche Feuerwachen benötigt. Die Zahl der Einsätze sei seit 2010 um 55 Prozent gestiegen, die Zahl der Feuerwehrleute aber gesunken, erklärte sie. „Zusätzliche Ressourcen werden uns bei der aktuellen Katastrophe helfen“, so Crowley. „Aber in Zukunft kann das überall in der Stadt Los Angeles passieren, und wir müssen vollständig finanziert und unterstützt werden“, forderte sie.

📽️ Video | Brände wüten weiter

Ausgangssperre verhängt

Angesichts der Gefahr durch Plünderer hat die Polizei von Los Angeles eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. „Sie dürfen sich nicht in diesen betroffenen Gebieten aufhalten. Wenn Sie es doch tun, werden Sie verhaftet“, sagte Bezirkssheriff Robert Luna am Freitag.

Vor den Augen der Helfer und Feuerwehrleute spielten sich apokalyptische Szenen ab. „Diese Ausgangssperre wird streng durchgesetzt“, sagte Sheriff Luna. Sie diene der öffentlichen Sicherheit, dem Schutz von Eigentum und der Verhinderung von Einbrüchen und Plünderungen in den evakuierten Gebieten. „Wir tun dies nicht, um jemandem Unannehmlichkeiten zu bereiten“, sagte Luna. Die Ausgangssperre in den betroffenen Gebieten, darunter das Villen- und Prominentenviertel Pacific Palisades, gilt von 18 Uhr bis 6 Uhr.

Bereits erste Festnahmen

Auch tausende Nationalgardisten waren zum Schutz der Häuser in den evakuierten Gebieten im Einsatz. „Wir setzen alles uns zur Verfügung Stehende ein inklusive unserer Nationalgardisten, um die Orte in den kommenden Tagen zu schützen“, erklärte Gouverneur Gavin Newsom. Mindestens 20 mutmaßliche Plünderer wurden mittlerweile festgenommen.

Einigen Betroffenen reichte das nicht. Nicholas Norman bewachte sein Haus in der besonders hart von den Flammen betroffenen Vorstadt Altadena lieber selbst. „Ich habe das klassische amerikanische Ding gemacht: Ich habe mein Gewehr geholt und mich da draußen hingesetzt, ein Licht angemacht, damit die Leute wissen, dass da jemand ist“, sagte er.

Gouverneur lädt Trump nach Kritik ein

Währenddessen hat Gouverneur Gavin Newsom nach heftiger Kritik an seiner Führung, den künftigen US-Präsidenten Donald Trump eingeladen, sich das Ausmaß der Waldbrände in Los Angeles persönlich anzusehen. Dabei könne Trump sich mit eigenen Augen ein Bild von der Verwüstung machen, gleichzeitig den heldenhaften Feuerwehrleuten danken und betroffene Bürger treffen, schrieb der Demokrat in einem Brief, den er auf X (früher Twitter) veröffentlichte.

Trump hatte vor einigen Tagen Newsom für das Ausmaß der verheerenden Feuer in der Westküstenmetropole verantwortlich gemacht. Konkret kritisierte der Republikaner über sein Online-Sprachrohr Truth Social Wassersparmaßnahmen Newsoms und warf ihm vor, dass ihm die Menschen in dem US-Staat egal seien. Trump hatte in der Vergangenheit schon häufiger gegen den prominenten Gouverneur gewettert und dessen Politik als radikal bezeichnet.

Ermittlungen zu Ursachen dauern an

Die Ursachen der Brände sind weiter unklar. „Sollte sich herausstellen, dass einer der Brände vorsätzlich gelegt wurde, werden die Verantwortlichen verhaftet, strafrechtlich verfolgt und im vollen Umfang des Gesetzes bestraft“, sagte Dominic Choi von der Polizeibehörde. Neben Brandstiftung werden defekte Stromleitungen als mögliche Ursache untersucht. (APA, dpa)

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