Berliner Theatertreffen

Höhere Weihen für den Opern-Aufreger „Sancta“

„Sancta“ war unter anderem bei den Wiener Festwochen zu sehen.
© Nicole-Marianna-Wytyczak

Florentina Holzingers aufsehenerregende Hindemith-Fortschreibung zählt zu den „zehn bemerkenswerten Inszenierungen im deutschen Sprachraum“. Auch die Wiener Virtual-Reality-Installation „[EOL] – End of Life“ wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Berlin – Die besonders bemerkenswerten Theaterarbeiten der vergangenen und laufenden Spielzeiten seien „Zeugnis einer mitunter toxischen Gegenwart“, sagt die Leiterin des Berliner Theatertreffens Nora Hertlein-Hull. Acht Kritikerinnen und Kritiker aus dem deutschen Sprachraum haben die ausgewählt. Von 2. bis 18. Mai sind sie in Berlin zusehen. Das Theatertreffen versteht sich als Leistungsschau des Gegenwartstheaters. 738 Produktionen in 88 deutschen, österreichischen und Schweizer Theatern wurden gesichtet.

62. Berliner Theatertreffen: Die Nominierten im Überblick

  • „Unser Deutschlandmärchen“. Regie: Hakan Savas Mican; Maxim Gorki Theater, Berlin.
  • „[EOL]. End of Life“. Regie: Kollektiv darum; brut, Wien.
  • „Double Serpent“. Regie: Ersan Mondtag; Hessisches Staatstheater, Wiesbaden.
  • „Die Maschine oder: Über allen Gipfeln ist Ruh“. Regie: Anita Vulesica; Deutsches Schauspielhaus, Hamburg.
  • „Sanca“. Regie: Florentina Holzinger; Mecklenburgisches Staatstheater, Schwerin, in Koproduktion u.a. mit den Wiener Festwochen.
  • „Blutbuch“. Regie: Jan Friedrich; Theater Magdeburg.
  • „Die Gewehre der Frau Carrar / Würgendes Blei“. Regie: Luise Voigt. Residenztheater, München.
  • „ja nichts ist ok“. Regie: René Pollesch; Volksbühne, Berlin.
  • „Bernarda Albas Haus“. Regie: Katie Mitchell; Deutsches Schauspielhaus, Hamburg.
  • „Kontakthof – Echoes of '78“. Regie/Choreografie: Maryl Tankard; Sadler's Wells, Pina Bausch Foundation und Tanztheater Wuppertal.

Ausgewählt wurden Arbeiten bekannter Regisseurinnen und Regisseure, Katie Mitchell Inszenierung von „Bernarda Albas Haus“ aus Hamburg zum Beispiel oder „ja nichts ist ok“, das letzte Stück des im Februar 2024 verstorbenen René Pollesch.

Auch Florentina Holzingers mancherorts als skandalös empfundene Hindemith-Bearbeitung „Sancta“ – eine Koproduktion der Wiener Festwochen – wurde für das Theatertreffen nominiert. Die zweite Produktion aus Österreich ist die performative Installation oder installative Performance „[EOL]. End of Life“, die das Kollektiv darum (Victoria Halper & Kai Krösche) im Wiener brut zur Uraufführung brachte.

Auch Luise Voigts Inszenierung von Björn SC Deigners Brecht-Fortschreibung „Die Gewehre der Frau Carrar/Würgendes Blei“ (Residenztheater München) wurde zum Berliner Theatertreffen, das heuer zum 62. Mal stattfindet, eingeladen.