Auto raste in Menschenmenge: Zwei Tote und zahlreiche Verletzte in Mannheim
Am Rosenmontag raste ein Lenker mit einem Kleinwagen in eine Menschenmenge in Mannheim. Mindestens zwei Personen wurden getötet, mehrere liegen mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Der Fahrer, ein 40-jähriger Deutscher, wurde festgenommen.
Mannheim – In der Mannheimer Innenstadt ist am Montag ein Autofahrer in eine Menschengruppe gefahren und hat zwei Personen getötet. Es wurden außerdem mehrere Passanten verletzt. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen 40-jährigen Deutschen mit Wohnsitz in Rheinland-Pfalz. Die Ermittler gehen nicht von einem politischen Hintergrund aus.
Das Landeskriminalamt habe mit der Staatsanwaltschaft Mannheim die Ermittlungen übernommen, teilten die Ermittler mit. Unklar ist bisher, ob es sich um einen Unfall handelt oder ob der Fahrer psychisch erkrankt ist. Nach Augenzeugenberichten soll der Mann mit seinem Wagen vom Friedrichsring kommend in die mehrere Hundert Meter lange Haupteinkaufsstraße gerast sein und auf Höhe des Paradeplatzes mehrere Passanten an- oder umgefahren haben. Auf den Planken und rund um den Wasserturm findet derzeit ein Fasnachtsmarkt mit Dutzenden Imbissbuden und Fahrgeschäften statt.
Trümmer in der Einkaufsmeile
Trümmer lagen am Ort des Geschehens. Auf Fotos war zudem der völlig demolierte schwarze Kleinwagen des mutmaßlichen Fahrers zu sehen.
Die Polizei bat Menschen, die Innenstadt zu meiden und großräumig zu umfahren. Um Betroffene zu versorgen, wurde eine psychologische Betreuung vor Ort eingerichtet. Die Uniklinik Mannheim setzte nach eigenen Angaben einen Katastrophen- und Einsatzplan um, mit dem die Versorgung von Verletzten vorbereitet wird. Es seien insgesamt acht Traumateams bereitgestellt worden, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Derzeit würden dort zwei Erwachsene und ein Kind mit hoher medizinischer Dringlichkeit versorgt.
Fastnachtsumzüge abgesagt
Nach der Mannheimer Todesfahrt sind mehrere für Dienstag geplante Fasnachtsumzüge in Baden-Württemberg abgesagt worden. In Mannheim wurden nach Angaben der Stadt die für Dienstag geplanten Fasnachtsumzüge in den Vororten Feudenheim, Neckarau und Sandhofen abgesagt. Der sogenannte Fasnachtsmarkt am Wasserturm sei geschlossen, die Straßenfasnacht in der Innenstadt finde nicht statt, berichtete die Stadt.
Betroffen sind auch die Städte Heidelberg und Schwetzingen im Rhein-Neckar-Kreis. In Weinheim an der Bergstraße (ebenfalls Rhein-Neckar-Kreis) fällt der sogenannte Marktplatzfasching aus, wie die Kommune bestätigte. In Heidelberg verständigten sich die im Heidelberger Karneval Komitee zusammengeschlossenen Vereine und die Stadt in einer Krisensitzung auf den Schritt. Schwetzingen liegt westlich von Heidelberg.
In Gedanken bei den Opfern und ihren Familien
"Die schrecklichen Bilder aus Mannheim sind erschütternd und wir sind in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien. Unsere Nachbarstadt muss zum zweiten Mal binnen eines Jahres so eine furchtbare Gewalttat erleiden - in so einer Situation war es für uns unvorstellbar, bei uns in Heidelberg einen fröhlichen Fastnachtszug zu feiern", so Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner.
Wie der Festausschuss Karlsruher Fastnacht mitteilte, findet der Fastnachtsumzug in der badischen Metropole am Dienstag statt. "Eine Absage ist bisher nicht geplant", teilt das Gremium auf Anfrage mit.
Die Bevölkerung wurde aufgerufen, das Stadtgebiet zu meiden. Die Bürger sollten sich in geschlossenen Räumen aufhalten. Der Innenstadtbereich sei weiträumig geräumt worden. Vom Innenministerium Baden-Württemberg wurde ein Notfallalarm ausgelöst.
Die Universitätsklinik setzte den Katastrophen- und Einsatzplan um, mit dem die Versorgung von Verletzten vorbereitet wird. Es seien insgesamt acht Traumateams bereitgestellt worden, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. „Verschiebbare Operationen, die noch nicht begonnen hatten, wurden umgehend vom Operationsplan genommen, um zusätzliche Operationskapazitäten zu schaffen“, teilte die Uniklinik mit. Es seien auch die Kapazitäten auf den Intensivstationen verstärkt worden.
Politiker bekunden Trauer
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte den Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl ausgedrückt. "Ich verfolge die Entwicklung in Mannheim, soweit das hier möglich ist, sehr aufmerksam." Den Verletzten wünschte Steinmeier rasche Genesung. Der Bundespräsident dankte außerdem der Polizei und den Rettungskräften für ihren Einsatz.
Ähnlich äußerten sich Bundeskanzler Olaf Scholz und Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz. Scholz schrieb auf X: "Erneut trauern wir mit den Angehörigen der Opfer einer sinnlosen Gewalttat und bangen um Verletzte. Damit können wir uns nicht abfinden." CDU-Chef Merz erklärte ebenfalls auf X: "Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Der Vorfall - wie auch die schrecklichen Taten der vergangenen Monate - mahnt uns eindringlich: Wir müssen alles tun, um solche Taten zu verhindern." Deutschland müsse wieder ein sicheres Land werden.
Fall weckt Erinnerungen
Der Fall weckt Erinnerungen an mehrere Anschläge, bei denen in den vergangenen Wochen Fahrzeuge in eine Menschenmenge gefahren waren. Im Dezember kamen in Magdeburg sechs Menschen ums Leben, als ein inzwischen 50 Jahre alter Arzt über den Weihnachtsmarkt gerast war. Mitte Februar war ein Mann mit seinem Fahrzeug in eine Gruppe von Demonstranten in München gefahren. Dabei kamen eine junge Frau und ein Kind ums Leben.
Ende Mai vergangenen Jahres hatte zudem auf dem Mannheimer Marktplatz der mutmaßliche Islamist Sulaiman A. fünf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzt. Der 29 Jahre alte Polizist Rouven Laur erlag später seinen Verletzungen. Ein anderer Beamte schoss den Angreifer nieder.
Die Bundesanwaltschaft geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der Angeklagte Sympathien für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hegt. Der mutmaßliche Täter steht derzeit in Stuttgart vor Gericht.
Mannheim liegt im Norden Baden-Württembergs an der Grenze zu Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Stadt ist mit rund 320.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs. (TT.com, APA/dpa)
Polizei richtet psychologische Betreuung ein
Im Zusammenhang mit dem Großeinsatz der Polizei in Mannheim soll eine psychologische Betreuung vor Ort eingerichtet werden. Diese soll die unmittelbar Beteiligten versorgen, wie ein Polizeisprecher in Mannheim mitteilte. Man richte zudem ein Hinweistelefon ein und eine Zeugensammelstelle.