Strafprozess beginnt

Schauspieler Gérard Depardieu drohen bis zu fünf Jahre Haft und 75.000 Euro Strafe

Gérard Depardieu ist ein beliebter Schauspieler. Seit den sich häufenden Anschuldigungen nehmen jedoch immer mehr Menschen Abstand zu ihm. Vor dem Gerichtsprozess vergangenen Herbst kam es außerdem zu lauten Protesten.
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Wegen Verdachts sexueller Belästigung zweier Frauen bei Dreharbeiten muss Schauspieler Gérard Depardieu kommende Woche vor Gericht. Sein Anwalt möchte mit neuen Zeugenaussagen beweisen, dass alles auf einer Lüge basiere.

Paris – Der Prozess gegen Gérard Depardieu wird mit viel Spannung erwartet – noch mehr als beim letzten Mal. Im Oktober 2024 wurde er aus gesundheitlichen Gründen verschoben. Nun soll der 76-Jährige verhandlungsfähig sein. Der Schauspieler wird am 24. und 25. März vor dem Pariser Strafgericht erwartet. Sein Anwalt will mit neuen Zeugenaussagen beweisen, dass alles auf einer Lüge basiert. Es geht um den Vorwurf von Übergriffen gegen Frauen.

Möglicher Vorfall bei Dreharbeiten

Depardieus mutmaßliche Taten sollen sich 2021 während der Dreharbeiten zum Film „Les volets verts“ (Die grünen Fensterläden) von Regisseur Jean Becker ereignet haben.

Eine der Klägerinnen, eine über 50-jährige Dekorateurin, gibt an, Depardieu habe sie in einem Korridor an sich gezogen, mit seinen Beinen fixiert und sie dabei über der Kleidung an Brust, Gesäß und Intimbereich berührt. Dies sei begleitet von obszönen Bemerkungen gewesen. Im Februar 2024 erstattete sie Anzeige wegen sexueller Übergriffe, Belästigung und sexistischer Beleidigungen.

Die französische Filmset-Designerin Amelie (links) ist eine der beiden Klägerinnen in dem aktuellen Strafprozess gegen Gérard Depardieu.
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Die zweite Klägerin, eine Regieassistentin, wirft dem Schauspieler vor, sie am Filmset unsittlich an Brust und Gesäß berührt zu haben. Bereits zuvor soll er ihr auf der Straße nachgestellt haben. Sie zeigte ihn im März 2024 an. Depardieu könnten bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug und zusätzlich 75.000 Euro Geldstrafe ­drohen.

Schwere Geschütze aufseiten des Angeklagten

Dies will Depardieus Anwalt Jérémie Assous abwenden. Mit ihm hat sich Depardieu einen der prominentesten und streitlustigsten Anwälte Frankreichs genommen. Der 48-Jährige erlangte durch aufsehenerregende Fälle in Politik und Medien Aufmerksamkeit.

Eine Kostprobe lieferte er im vergangenen Herbst, als er mit Nachdruck die Verschiebung des Prozesses gegen Depardieu durchsetzte. Er sprach von völlig erfundenen Anschuldigungen und betonte, dass es keinen einzigen direkten Zeugen gebe – trotz der vielen Menschen und Kameras am Drehort, einem kleinen Appartement in Paris.

Provokatives Plädoyer erwartet

Assous kritisierte die Methoden der Ermittler und den bewussten Ausschluss zahlreicher entlastender Zeugen durch Polizei und Staatsanwaltschaft. Zudem stellte er infrage, ob es den Anklägerinnen tatsächlich um Gerechtigkeit gehe oder nur um Geld. Ihm zufolge sollen die Klägerinnen Forderungen von 6.000 bis 30.000 Euro gestellt haben.

Er versicherte, dass nicht weniger als 18 Zeugen den Schauspieler entlasten könnten. Mehrere von ihnen wolle er in den Zeugenstand bringen.

Depardieus gesundheitliche Probleme

Im vergangenen Oktober wurde der Prozess gegen Depardieu wegen dessen gesundheitlichen Gründen verschoben. Nach Informationen des Fernsehsenders BFMTV soll nun eine Anhörung möglich sein, an der er teilnehmen kann. Diese sei jedoch auf sechs Stunden festgelegt worden, die zwingend durch eine 15-minütige Pause unterbrochen werden müsse.

Vor dem geplanten Prozess letzten Herbst war es zu einer Demonstration verschiedener Organisationen vor dem Strafgericht gekommen. Übersetzung des Schilds der abgebildeten Demonstrantin: „Charlotte, alle Opfer von Depardieu, wir glauben dir, du bist nicht allein, stoppt die Straflosigkeit“.
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Das Gericht verzichtete auf ein psychiatrisches Gutachten, ordnete jedoch ein medizinisches an, das vor dem 4. März 2025 vorgelegt werden musste. Depardieu leidet seit über 25 Jahren an Diabetes und erhielt einen vierfachen Bypass.

Weitere schwere Vorwürfe

Seit Jahren melden sich immer mehr Frauen zu Wort, die dem Darsteller sexuelle Übergriffe vorwerfen. So hat ihn 2018 die Schauspielerin Charlotte Arnould geklagt. Seit 2020 wird in diesem Fall ermittelt. An Arnould soll er sich in seiner Wohnung zweimal vergangen haben. In dem Fall könnte ihm der nächste Prozess drohen.

Die französische Schauspielerin Charlotte Arnould (links) erstattete als erste Strafanzeige gegen Depardieu.
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Die Online-Zeitung Mediapart, die regelmäßig mit Enthüllungsgeschichten für Aufsehen sorgt, veröffentlichte im April 2023 einen Artikel, in dem 13 Frauen ihn sexueller Übergriffe oder unangemessener sexueller Äußerungen beschuldigten. Sie prangern Vorfälle an, die sich hauptsächlich bei Dreharbeiten von Filmen zwischen 2004 und 2022 ereignet haben sollen.

Über die Person

Gérard Depardieu hat in über 200 Filmen gespielt, viele sind zu Klassikern des Kinos geworden, wie „Die Ausgebufften“ (1974), „Die letzte Metro“ (1980) und „Cyrano von Bergerac“ (1990). In mehreren Asterix-Filmen spielte er den Obelix.

Der Schauspieler bestreitet unterdessen alle Vorwürfe gegen ihn. In einem in der Zeitung Le Figaro Anfang Oktober 2023 veröffentlichten Brief bezeichnet er sich als Opfer einer „medialen Lynchjustiz“. Er sei sein ganzes Leben lang provokativ, anmaßend und manchmal unhöflich gewesen. „Aber ich bin weder ein Vergewaltiger noch ein Raubtier“, schrieb er darin.