Sportler wächst gegen den Trend und setzt auf Secondhand
Der Sportartikelhändler Sportler hat ein Pilotprojekt mit gebrauchter Ware in Mailand laufen. Sportler-Chef Jakob Oberrauch plant so eine Abteilung auch in Innsbruck.
🎧 Podcast | Jakob Oberrauch (Sportler) im Gespräch
Jüngste Zahlen belegen, dass der Sporthandel in Österreich zu kämpfen hat. Sie betreiben drei Standorte ihres Südtiroler Unternehmens Sportler in Tirol. Wie haben sich die Geschäfte bei Ihnen entwickelt?
Jakob Oberrauch: Diese negativen Zahlen muss man relativieren. Während Covid gab es einen Boom im Sporthandel. Jeder wollte sich in der Natur bewegen. Das führte damals zu einer explodierenden Nachfrage. Die hat nun einen Dämpfer erhalten. Wir als Sportler konnten uns von dem negativen Effekt abkoppeln. In den vergangenen Jahren steigerten wir unsere Umsätze, auch im letzten Geschäftsjahr konnten wir um fünf Prozent zulegen.
Worauf führen Sie das zurück?
Oberrauch: Wir erklären uns das mit der Spezialisierung auf wenige Sportarten und unsere Servicedienstleistungen. In diesem Bereich verzeichneten wir zweistellige Wachstumsraten. In den Sortimenten haben sich die Bereiche Bike und Ski-Alpin sehr gut entwickelt. Gerade das alpine Skifahren scheint trotz Teuerung keine Krise zu kennen.
Sportler hat sich auf die Bereiche Berg- und Wintersport sowie Bike und Running spezialisiert. Welche neuen Trends machen Sie aus?
Oberrauch: Das Thema Fitness ist stark im Kommen. Gerade Social Media treibt diesen Trend bei jungen Menschen an. Daher haben wir uns entschlossen, in unserem Flagship-Store am Innsbrucker Grabenweg eine eigene Fitnessabteilung einzurichten. Das rundet unser Sortiment perfekt ab.
Sie setzen auch sehr stark auf den Online-Handel. Kann man als Mittelständler neben Branchenriesen wie Amazon bestehen?
Oberrauch: Unser Ziel ist es den Kunden ein perfektes Einkaufs-Erlebnis zu bieten. Uns hat in all den Jahren Mut gemacht, dass online bei uns sehr gut funktioniert. Grund ist erneut die Spezialisierung. Im Sportler-Onlineshop findet man viele Produkte, die auf anderen Plattformen kaum oder nicht verfügbar sind. Die Kunden kaufen bei uns gerne, da sie auch online die passende Beratung dazubekommen. Die Kombination aus stationärem Geschäft und online ist unsere große Stärke. Auch die Servicedienstleistungen können wir so bestens vernetzen.
Wie ist das Umsatzverhältnis zwischen stationärem und Online-Handel?
Oberrauch: Derzeit erwirtschaften wir 20 Prozent über Online, das Segment legt permanent zu.
Welche Ziele haben Sie mittelfristig für den Sportler?
Oberrauch: Bis 2030 möchten wir der beste Sport-Einzelhändler mit Spezialisierung auf unsere fünf Sportarten im Alpenraum sein, der sowohl stationär als auch online mit einem ganzheitlichen Service auftritt.
Ist Nachhaltigkeit im Sporthandel Thema?
Oberrauch: Ja, gerade läuft an unserem neuen Standort in Mailand ein Pilotprojekt mit einer eigenen Abteilung für Secondhand-Artikel. Kunden verkaufen uns gebrauchte Produkte, wir bringen sie auf Vordermann und verkaufen diese wieder weiter. Das Produkt bekommt so ein zweites Leben. Dieses Secondhand-Sortiment wollen wir ausbauen, es wird auch am Grabenweg so eine Abteilung geben.
Leiden Sie ebenso unter dem Fachkräftemangel?
Oberrauch: Die richtigen Menschen zu finden ist ein großes Thema. So gibt es beispielsweise sehr wenige Fahrradmechaniker. Wir haben deshalb eine Sportler-Akademie für Mechaniker ins Leben gerufen, über die das Unternehmen Lehrlinge und Mitarbeiter: innen weiterbildet.
Sportartikelhändler Sportler
Das Südtiroler Sportfachhandelsunternehmen Sportler wird in zweiter Generation vom 36-jährigen Jakob Oberrauch geführt. Im Alter von 24 Jahren hat er die Geschäftsführung übernommen. In den 25 Sportler-Stores in Oberitalien, Südtirol und Nordtirol sowie dem Online-Handel werden 750 Menschen beschäftigt.
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