Auch Tiroler vor Ort

Papst Franziskus in Basilika Santa Maria Maggiore beigesetzt, rund 400.000 nahmen Abschied

Der Sarg des verstorbenen Papstes Franziskus wird von Sargträgern in die Basilika Santa Maria Maggiore getragen.
© PIERO CRUCIATTI

Die Welt nahm Abschied von Papst Franziskus: Hunderttausende Pilger und 200 Staatsgäste waren am Samstag beim großen Papst-Begräbnis auf dem Petersplatz in Rom mit dabei. Milliarden Menschen in aller Welt verfolgten das historische Ereignis live im Fernsehen oder Internet.

Rom – Nach einer Strecke von rund sechs Kilometern ist der Sarg von Papst Franziskus in einem umgebauten Papamobil bei seiner letzten Ruhestätte in der Basilika Maria Santa Maggiore in der Nähe des römischen Hauptbahnhofs angekommen. Dort wurde Franziskus bei einer 30-minütigen Zeremonie bestattet, teilte der Vatikan am Samstagnachmittag mit. Die Beisetzung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Franziskus hatte verfügt, dass er nicht im Vatikan, sondern in der Marienkirche begraben wird. Vom Straßenrand jubelten während des Trauerzugs Tausende dem Konvoi zu.

Der Trauerzug führte durch die Innenstadt Roms an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei - etwa dem Forum Romanum und dem Kolosseum. Zahlreiche Menschen warteten in den Straßen Roms auf das im Schritttempo vorbeifahrende Papamobil, das den Sarg transportierte.

400.000 Menschen sollen sich am Begräbnis von Papst Franziskus beteiligt haben. "Es war ein außergewöhnlicher Tag, an dem sowohl die Bürger Roms als auch die Gläubigen aus aller Welt unter großer Anteilnahme Abschied von Papst Franziskus genommen haben. 400.000 Menschen erlebten einen historischen Moment und dank des Engagements aller verlief der Tag feierlich und ruhig, ohne Zwischenfälle", betonte der Leiter des Zivilschutzes, Fabio Ciciliano.

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Trauerfeier mit Hunderttausenden für Franziskus auf Petersplatz

Die Trauerfeier für Franziskus auf dem Petersplatz war zuvor nach gut zwei Stunden zu Ende gegangen. Der Sarg mit dem Pontifex wurde vom großen Altar im Freien wieder zurück in den Petersdom getragen. Zuvor hatten die Träger den Sarg auf dem Petersplatz noch kurz am Kopfende leicht aufgerichtet. Nach der kirchlichen Tradition könne der Papst so noch einmal auf Rom blicken – ein Pontifex ist zugleich auch immer der Bischof von Rom.

Dabei applaudierten viele der Hunderttausenden Menschen auf dem Platz und in den umliegenden Straßen. Neben 224 Kardinälen und 750 Bischöfen nahmen rund 50 Staats- und Regierungschefs an der Trauerfeier teil.

📽️ Video | Franziskus als „Brückenbauer“

Die Trauermesse erinnerte an Franziskus als Brückenbauer. "'Brücken bauen und keine Mauern' ist eine Aufforderung, die er (Franziskus) mehrfach wiederholt hat", sagte der Dekan des Kardinalskollegiums, Giovanni Battista Re, in seiner Predigt auf dem Petersplatz. Franziskus habe angesichts der Kriege während seines Pontifikats immer wieder zu "ehrlichen Verhandlungen" aufgerufen. Der Papst habe "unaufhörlich seine Stimme erhoben, um Frieden zu erbitten und zur Vernunft anzurufen", sagte Battista Re. In Franziskus' Augen habe Krieg bloß den Tod von Menschen, die Zerstörung von Häusern, Krankenhäusern und Schulen bedeutet.

"Er hat die Herzen berührt", sagte Battista Re. "Unzählig sind seine Gesten und Ermahnungen zugunsten von Flüchtlingen und Vertriebenen. Und auch in seinem Einsatz für die Armen war er unermüdlich", sagte der Dekan des Kardinalskollegiums. Battista Re leitete schon die Trauerfeier für Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. 2023.

Top-Politiker in Rom, auch Selenskyj dabei

Der Gottesdienst und damit verbunden die Ankunft von mehr als 160 Delegationen sorgte in Rom für einen Ausnahmezustand. Unter anderem wegen US-Präsident Trump, der am Freitagabend mit seiner Frau Melania in der Air Force One auf dem Flughafen Fiumicino landete, herrschten extreme Sicherheitsvorkehrungen.

Etliche Straßen waren in der italienischen Hauptstadt gesperrt. Rund 10.000 Einsatzkräfte wurden aufgeboten, um einen reibungslosen Ablauf der Großveranstaltung zu gewährleisten.

📽️ Video | Diese Staatsgäste kamen zur Papst-Beerdigung

Die vielen Staatsgäste nahmen seitlich des Altars Platz. Ganz vorne saß Präsident Javier Milei aus Franziskus' Heimatland Argentinien. Daneben saßen die Italiener mit Präsident Sergio Mattarella und Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

Entgegen seiner eigenen Andeutung kam auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er hatte gesagt, dass er es möglicherweise nicht nach Rom schaffe, als er am Freitag in Kiew einen Stadtteil besuchte, den Russland zuvor heftig bombardiert hatte.

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Österreich durch Van der Bellen und Stocker vertreten

Die österreichische Delegation wird von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) geleitet. Auch mehrere österreichische Bischöfe, darunter der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, sind bei den Feierlichkeiten dabei. „Sein Name wird immer für Nähe und Menschlichkeit stehen“, teilte Van der Bellen im Anschluss an die Messe auf X mit.

Massive Sicherheitsvorkehrungen

Als das Requiem bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen begann, standen die Menschen bis ans Ende der zum Vatikan führenden Via della Conciliazione. Auf der etwa 500 Meter langen Prachtstraße und bis hin zur Engelsburg am Tiber verfolgen sie über riesige Monitore die Trauerfeier. An mehreren Orten der Stadt waren Leinwände aufgebaut.

Das gesamte Gebiet rund um den Vatikan wird strengstens bewacht, es gelten die höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Scharfschützen, Hundestaffeln, Patrouillen auf dem Fluss Tiber, Polizisten und Soldaten mit Anti-Drohnen-Technologie und andere Spezialeinheiten waren im Einsatz. Das italienische Heer ist zudem mit Kampfjets in Bereitschaft.

Die Menschen standen bis ans Ende der zum Vatikan führenden Via della Conciliazione.
© APA/AFP/JEFF PACHOUD

„Stadt ist voller Pilger“

Rund 250.000 Gläubige haben laut dem Vatikan seit Mittwoch im Petersdom Abschied von Papst Franziskus genommen. Damit kamen bis zur Schließung des Sarges um 19 Uhr am Freitag mehr Gläubige als erwartet, wie der Heilige Stuhl mitteilte. Den offenen Sarg von Benedikt XVI. hatten rund 195.000 Gläubige besucht. „Die Stadt ist voller Pilger. Viele beten auch in unserer deutschsprachigen Kirche Santa Maria dell'Anima. Das Requiem für Papst Franziskus war am Donnerstag stark besucht. Das hat mich sehr gefreut“, betonte „Anima“-Rektor, der Salzburger Michael Max.

Auch Tiroler Pilger vor Ort

Auch Pilger aus Tirol wohnten den Trauerfeierlichkeiten für Papst Franziskus bei. Schwester Elisabeth Senfter und Vikar P. Anthony Raj von der Universitätspfarre Innsbruck berichteten von „tiefen Eindrücken“, aber auch von einer „lebendigen Gemeinschaft“ in diesen Tagen.

Schwester Elisabeth Senfter (r.) von der Universitätspfarre Innsbruck reiste nach Rom, wo am Samstag das Papst-Begräbnis (l.) stattfindet.
© Universitätspfarre Innsbruck

„Papst Franziskus ist mein Vorbild. Seine Einfachheit und Klarheit des Denkens“, sagte Pater Anthony, der aus dem südindischen Tamil Nadu kommt. Franziskus erinnere ihn an die Worte von Mahatma Gandhi. Dieser gab auf die Frage „Was ist dein Lebenszweck?“ die Antwort: „Einfachheit und hohes Denken sind der Weg des Lebens.“

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„Tiefe Eindrücke“

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„Franziskus stand für ein einfaches Leben, aber hohes Denken. Wie Gandhi stand er stets für Gerechtigkeit und Frieden ein. Umso mehr engagierte er sich für die Ungeborenen, die Alten, die Kranken, die Armen und die Migranten. Er hatte großen Respekt vor dem menschlichen Leben und der Menschenwürde. Ohne Zweifel würde ich sagen: Er ist der Mahatma Gandhi der katholischen Kirche“, so Anthony über den Heiligen Vater.

Trauerzug durch Rom mit Sarg im Papamobil

Nach der Trauermesse wurde der Sarg zunächst wieder in den Petersdom gebracht. Anschließend wurden die sterblichen Überreste für die Beisetzung in die Basilika Santa Maria Maggiore gebracht. Der Trauerzug fuhr rund sechs Kilometer durch die Innenstadt Roms an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei – etwa dem Forum Romanum und dem Kolosseum.

Der Sarg von Franziskus wurde in einem umgebauten Papamobil gefahren.
© APA/AFP/HENRY NICHOLLS

Einen solchen Trauerzug hat auch die Ewige Stadt schon lange nicht mehr gesehen. Als erster Papst seit mehr als 120 Jahren wird Franziskus nicht im Petersdom in den Vatikanischen Grotten begraben, wie noch seine Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Nur sieben seiner Vorgänger liegen in Santa Maria Maggiore, zuletzt wurde Clemens IX. dort beigesetzt – im Jahr 1669. (TT.com, APA/AFP/dpa)

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