Aufladbare Granate

Elektrisierender Freudenspender vereint zwei Welten

Breiter, länger, tiefer, schärfer: Die Ioniq-Karosserie wurde für die 5N-Version bishin zu zusätzlichen Schweisspunkten gründlich überarbeitet.
© Reinhard Fellner

Der Hyundai 5N wurde nicht umsonst zum World Performance Car 2024 gewählt. Die aufwendig konstruierte Elektrofahrmaschine eröffnet mit bis zu 650 PS neue Dimensionen im Bereich der Stromer. Verbrenner-Freunde erfreut sie zudem.

Im Hyundai-Konzern wird durchwegs mit letzter Konsequenz gearbeitet. Vom Verbrenner bis zum Wasserstoffauto findet sich jegliche Antriebsart in der Palette. Geht es um Sportmodelle, haben sich die Südkoreaner mit den lustvollen N-Modellen schon lange einen Namen gemacht. An der Spitze dieser Entwicklung steht nun der Ioniq 5N.

Aus dem bestehenden Ioniq heraus hat Hyundai mit dieser N-Variante alle möglichen Register in Richtung Fahrspaß gezogen. Vorgabe: Entwicklung eines fahrdynamische E-Sportwagens, der auch Verbrenner-Liebhaber in seinen Bann zieht. Eine verbreiterte Karosserie mit 42 zusätzlichen Schweißpunkten (Stabilität) beherbergt dazu an Vorder- und Hinterachse E-Motoren, die es zusammen auf 650 PS bringen. Ein elektronisch und mechanisch ausgeklügeltes Fahrwerk samt Sperrdifferenzial sorgt auf dem Asphalt für eine Inszenierung von Längs- und Querbeschleunigung der Sonderklasse. Längsdynamisch geht es in 3,4 Sekunden ohne Traktionsprobleme auf 100 km/h.

Der Inneraum des 5N ist praktisch vollausgestattet und glänzt Hyundai-typisch mit logischer Bedienung.
© Reinhard Fellner

Beeindruckend, aber nichts gegen die Gier und Souveränität, die der 5 N in Kurven zeigt. In die verbeißt er sich förmlich und zeigt auch bei hohen Tempi oder engem Kurvengeschlängel kaum Lastwechsel. Die Lenkung zeigt sich dabei gefühlvoll und präzise. Auch Kuppen oder Unebenheiten meistert der N 5 dank 2275 Kilo Leergewicht und dem schweren 84-kWh-Akku am Wagenboden souverän. Feine Sport-Schalensitze halten die vorderen Insassen beim Raketenritt in ihrer Sitzposition. So geht Sportwagen!

Exzellente Schalen-Sportsitze halten die Insassen auch bei hoher Querbeschleunigung in den Sitzen.
© Reinhard Fellner

Langweilig, da linearer Schub und null Klang? Mitnichten! Der Emotionslosigkeit vieler E-Autos hat Hyundai geradezu rigoros entgegengewirkt. So haben sich die Koreaner akustische Anleihen beim i30N genommen. Dessen Klang imitiert der 5N auf Wunsch so gut, dass man stutzig wird. Drehzahl, Sound, Lautstärke – alles stimmt da bis hin zum Schalt-Spratzln aus dem nicht existenten Auspuff zusammen. Schalten? Ja! So hat Hyundai ein achtstufiges Getriebe simuliert, das über die zwei Schaltwippen am Lenkrad Schaltrucken und Schleppmoment vorgibt. N e-Shift heißt dieses Wunderwerk der Illusion, das weit weg ist von peinlichen Akustik-Programmen und auch so manchen Autoliebhaber über das wahre Antriebswesen dieses Ausnahmefahrzeugs täuschen könnte.

Das extra für den 5N konstruierte Lenkrad beinhaltet Schaltwippen und den roten NGB-Schalter, der zusätzliche 41 PS freigibt.
© Reinhard Fellner

Aber bitte nicht verbundenen Augen ausprobieren! Wer will, kann aber auch lautlos oder mit zwei futuristischen Tonlagen über eine 770 Newtonmeter-Welle surfen. Diese bäumt sich mitsamt 650 PS auf, wenn man den roten N-Grin-Boost-Schalter am Lenkrad betätigt. Wer dies nicht tut, verzichtet auf 41 PS, kommt aber auch noch vom Fleck.

Die wunderschönen 21-Zoll-Felgen trägt der 5 N serienmäßig. Große Bremssättel stehen für hohe Verzögerung.
© Reinhard Fellner

Für das Gebotene blieb der Verbrauch mit 23 kWh im Rahmen – ohne ernste Sparabsichten kamen wir gut 350 Kilometer weit. Geladen wurde dafür mit bis zu 240 kWh - passend zum Auto - rasant. Hyundai gibt unter idealen Bedingungen eine Ladung von 10 bis 80 Prozent in 18 Minuten an.

Den zumindest nach außen lautlosen Freudenspender gibt's ab 74.590 Euro.

Rakete im Schafspelz: Von hinten gleicht der 5N noch am ehesten den normalen Ioniq-Geschwistern.
© Reinhard Fellner