Nach Raketenangriff: Israel droht Houthi-Miliz mit hartem Gegenschlag
Die Rakete schlug in der Nähe des internationalen Flughafens Ben Gurion bei Tel Aviv ein. Die AUA cancelt nun Flüge nach Tel Aviv.
Tel Aviv, Sanaa – Nach dem Einschlag einer aus dem Jemen abgefeuerten Rakete am Flughafen von Tel Aviv hat der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu der jemenitischen Houthi-Miliz mit einer mehrstufigen Reaktion gedroht. Israel habe in der Vergangenheit gehandelt und werde dies auch „in der Zukunft tun“, sagte Netanyahu in einer am Sonntag veröffentlichten Videobotschaft. Die Reaktion werde in mehreren Schritten erfolgen. Die AUA stornierte am Sonntag Flüge nach Tel Aviv.
„Wer uns angreift, gegen den werden wir siebenfach zurückschlagen“, erklärte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz in Anlehnung an die Bibel. Der Vorsitzende des sogenannten Obersten politischen Rates der Houthi-Miliz, Mahdi al-Mashat, drohte unterdessen mit einer Ausweitung der Angriffe, sollte der Krieg im Gazastreifen weiter andauern. Er kündigte „weitere Eskalationsoptionen“ an, falls die israelischen Angriffe nicht eingestellt würden, wie der Houthi-nahe TV-Sender Al-Masirah meldete.
📽️ Video | Mehrere Verletzte bei Raketenangriff
Die Houthi hatten ihre Raketenangriffe auf Israel am Sonntag am dritten Tag in Folge fortgesetzt. Die Rakete konnte trotz mehrerer Versuche nicht von der Raketenabwehr gestoppt werden. Nach Militärangaben gab es einen Einschlag in der Nähe des internationalen Flughafens. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurden acht Menschen verletzt. Videos in Onlinemedien zeigten, wie Menschen panisch reagierten. In zahlreichen Gebieten Israels heulten während des Angriffs Warnsirenen, darunter auch in Tel Aviv und Jerusalem.
Houthi reklamieren Angriff für sich
Die Houthi-Miliz im Jemen reklamierte den Angriff für sich. Sie hätte mit einer Hyperschallrakete auf den Flughafen Ben Gurion gezielt, hieß es in einer Erklärung. Die Houthi forderten internationale Airlines auf, den Flughafen aus Sicherheitsgründen zu meiden. Der von den Houthi eingesetzte Raketentyp ließ sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.
Der israelische Ministerpräsident Netanyahu setzte angesichts des Angriffs eine dringende Sicherheitsberatung für den Nachmittag an.
Auswirkungen auf Flugverkehr
Der Flugverkehr wurde zeitweilig unterbrochen, und die Zufahrtsstraßen zum Flughafen wurden vorübergehend gesperrt. Die Fluglinie Austrian Airlines, Tochter der Lufthansa, hat alle drei für Sonntag geplanten Flüge von Wien nach Tel Aviv und zurück aus Sicherheitsgründen gestrichen. Ob die für Montag geplanten AUA-Flüge stattfinden, ist noch nicht klar. Die AUA prüfe derzeit die Lage, hieß es auf Anfrage des Luftfahrtmagazins Austrian Wings bei der Pressestelle. Die israelische Fluglinie El Al dagegen führt die angesetzten Flüge planmäßig durch. Später hieß es von der Austrian Airlines, alle Flüge der gesamten Lufthansa Group blieben bis inklusive Dienstag (6. Mai) ausgesetzt. Auch Wizz Air und Ryanair haben die Flugverbindungen nach und von Israel vorerst gestoppt.
Israels Armee hatte zuletzt selbst keine Ziele im Jemen mehr angegriffen – offenbar in Abstimmung mit den USA, deren Militär seit fast zwei Monaten immer wieder Ziele der Houthi-Miliz bombardiert. Seitdem Israels Armee die Angriffe im Gazastreifen am 18. März wieder aufgenommen hat, feuert auch die Houthi-Miliz aus Solidarität mit der militanten Palästinenser-Organisation Hamas wieder regelmäßig Geschoße Richtung Israel. Am Samstag und Freitag hatte die israelische Armee bereits mehrere aus dem Jemen abgefeuerte Raketen abgefangen.
Hamas-Zivilverteidigung meldet 16 Tote bei israelischen Angriffen
Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen wurden indes nach Angaben des von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Zivilschutzes mindestens 16 Menschen getötet, darunter mindestens drei Kinder. Die Angriffe ereigneten sich laut Zivilschutz in der Nacht auf Sonntag in Khan Younis im Süden des Palästinensergebiets.
Die israelische Armee erklärte, innerhalb von zwei Tagen seien „mehr als 100 terroristische Ziele“ getroffen worden. Israelische Soldaten hätten im südlichen Gazastreifen mehrere Waffenverstecke ausgehoben und „Terroristen“ getötet.
Geplante Verschärfung der Gaza-Offensive
In Bezug auf den Gaza-Krieg soll Regierungschef Netanyahu bereits vor einer geplanten Sitzung des Sicherheitskabinetts Plänen für eine Ausweitung der Angriffe grundsätzlich zugestimmt haben. Der israelische Generalstabschef Eyal Zamir bestätigte unterdessen die massive Mobilisierung von Reservisten für eine Ausweitung der Angriffe im Gaza-Krieg. „Diese Woche versenden wir Zehntausende Einberufungsbefehle an unsere Reservisten, um unsere Operation im Gazastreifen zu verstärken und auszuweiten“, sagte der Militärchef bei einem Besuch in einer Marinebasis südlich von Haifa.
Das israelische Nachrichtenportal ynet berichtete, eine größere Offensive im Gazastreifen könnte bereits in den kommenden Tagen beginnen. Ziel ist es demnach, den Druck auf die islamistische Hamas zu erhöhen, um die Freilassung weiterer Geiseln zu erzwingen.
Humanitäre Lage verschlechtert sich weiter
Eine Ausweitung der Angriffe dürfte die ohnehin prekäre humanitäre Lage im Gazastreifen weiter verschärfen. Hilfsorganisationen sprechen von katastrophalen Zuständen. Seit gut zwei Monaten lässt Israel keine Hilfslieferungen mehr in das abgeriegelte Gebiet, in dem rund zwei Millionen Palästinenser leben.
Das Nachrichtenportal Axios berichtete zuletzt, die USA und Israel planten, mit Hilfe einer privaten US-Firma Hilfsgüter an der Hamas vorbei in den Gazastreifen zu bringen.
Nach israelischen Angaben werden derzeit noch 24 Geiseln sowie die Leichen von 35 Verschleppten im Gazastreifen festgehalten. Angehörige von Geiseln demonstrierten am Samstagabend in Tel Aviv erneut für eine Waffenruhe.
Der Gaza-Krieg wurde durch den Terrorangriff der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023 im israelischen Grenzgebiet ausgelöst. Dabei wurden etwa 1200 Menschen getötet und über 250 Israelis verschleppt. Seitdem sind laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium im Gazastreifen mehr als 52.500 Menschen getötet worden. (APA/dpa/Reuters/AFP)