Keine gemeinsame Betriebssprache

Brenner-Basistunnel: ArbeitnehmerInnen fordern mehr Mitsprache

Gerhard Tauchner ist Vorstandsmitglied der Sektion Eisenbahn der Europäischen Transportarbeiter Föderation, die als anerkannter „europäischer Sozialpartner“ mehr eingebunden werden sollte, so die Gewerkschaft.
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Der Brenner-Basistunnel ist Europas größtes Infrastrukturprojekt. Die Gewerkschaft kritisiert, dass jene, die täglich auf der Schiene arbeiten, nicht in wichtige Prozesse – etwa zur gemeinsamen Betriebssprache – eingebunden werden.

Innsbruck – Überall dort, wo grenzüberschreitend oder international gearbeitet wird, braucht es eine gemeinsame Betriebssprache. So auch beim Brenner-Basistunnel. Dass just jene, die täglich an der Schiene arbeiten, nicht zu einem Workshop zur gemeinsamen Betriebssprache eingeladen wurden, sorgt nun für scharfe Kritik der Gewerkschaft vida Tirol. „Während sich die Brenner-Corridor-Platform die europäische Zusammenarbeit und das Zusammenwachsen des wichtigsten Transportkorridors im Herzen Europas auf die Fahnen schreibt, werden den ArbeitnehmerInnenvertretungen gezielt Mitsprachemöglichkeiten verweigert“, so Herbert Frank, Landesvorsitzender der vida Tirol.

Herbert Frank, Landesvorsitzender der vida Tirol, fordert mehr Mitsprache - nicht zuletzt im Sinne der Sicherheit.
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Trotz mehrfacher schriftlicher Aufforderung zur Einbindung sowie Gesprächsangeboten seitens der Europäischen Transportarbeiter Föderation (ETF) sei man von der Koordinierungsplattform des Brenner-Basistunnels (BCP) übergangen worden, so Frank. „Es reicht nicht aus, den Sozialpartnern als einzige Form der Zusammenarbeit einen schriftlichen Austausch oder nachträgliche Informationen anzubieten. Mit diesem Verhalten verfehlt die Plattform die dringend notwendige Transparenz und sozialen Dialog“, so die Gewerkschaft vida Tirol.

„Betriebssprache zentral für Sicherheit“

Die Betriebssprache sei ein zentrales Element für die Sicherheit der Beschäftigten und Fahrgäste im Bahnbetrieb. Auf automatische Übersetzungstools zu vertrauen, sei unverantwortlich. „In Notfällen zählt jede Sekunde – Verzögerungen oder Missverständnisse durch fehlerhafte oder nicht funktionierende Übersetzungen können Menschenleben kosten“, heißt es vonseiten der Gewerkschaft vida. Hintergrund ist, dass es im Eisenbahnwesen keine länderübergreifende Betriebssprache gibt.

„Die ArbeitnehmerInnenvertretung muss die Chance haben, bei dem größten Eisenbahnprojekt Europas die richtigen Weichen zu stellen – für Mitbestimmung, Sicherheit am Arbeitsplatz und eine zukunftsfähige Verkehrspolitik. Der Erfahrungsschatz unserer KollegInnen ist eine Bereicherung, auf die zugegriffen werden muss, wenn das System Eisenbahn funktionieren soll. Genau aus diesem Grund müssen die Gewerkschaften aus Italien, Deutschland und Österreich, unter dem Dach der ETF als anerkannter europäischer Sozialpartner aktiv eingebunden werden“, bekräftigt Gerhard Tauchner, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn der Gewerkschaft vida und Vorstandsmitglied der Sektion Eisenbahn der ETF.

Klare Forderungen der Gewerkschaft

„Insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr stehen wir vor Herausforderungen, die von großer Relevanz für die Sicherheit am Arbeitsplatz von EisenbahnerInnen sind. Neben der Betriebssprache sind klare Regelungen zu Arbeits-, Lenk- und Ruhezeiten, ein Notfallkonzept, sowie harmonisierte Betriebsvorschriften dringend notwendig“, so Frank. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft vida die Schaffung von Infrastruktur für das Personal an geeigneten Bahnhöfen zur Abhaltung der Ruhepausen oder Ruhezeiten wie auch klare Rahmenbedingungen zur Ausbildung, allgemeine Kompetenzanforderung und Sprachkompetenz. (TT)