Puppen auf der Opernbühne
Sie sind eine jahrhundertealte Kunstform und waren lange vor der Erfindung des modernen Theaters auf den Bühnen dieser Welt zu finden: Puppen. Bei den Innsbrucker Festwochen 2025 werden sie in zahlreichen Erscheinungsformen auf der Opernbühne zum Leben erweckt.
In Antonio Caldaras „Ifigenia in Aulide“ verleiht die katalanische Puppenkompanie Per Poc den Sänger*innen faszinierende Alter Egos. Die Oper wird zu einem magischen Schauspiel, in dem der Cast rund um Marie Lys in der Titelrolle und den Countertenor Carlo Vistoli ihre Rollen mittels Puppen doppelt zum Leben erwecken. „Ein einfaches Objekt mag für sich alleine wenig imposant wirken. Doch in der Verbindung mit der Präsenz des Sängers entsteht eine neue Dimension von Ausdruck“, erklärt Anna Fernández, Regisseurin und eine Hälfte von Per Poc: „Das Magische liegt in der Bewegung.“ Die doppelte Darstellungsebene ermöglicht den Sänger*innen neue Ausdrucksmöglichkeiten und eine vertiefende Interpretation ihrer Rollen. Per Pocs Kunstwerke sind vielfältig, von abstrakt bis realitätstreu gestaltet, lebensgroß oder kleine Objekte.
Barocke Bildwelten
Die Magie dieser Inszenierung wird durch das aufwendig gestaltete Bühnenbild von Per Poc noch verstärkt: Wie einst in Barocktheatern wird auf der Bühne eine Welt wachsen, die Wirklichkeit und Traum in fließenden Übergängen vereint. Handgemalte Kulissen und tiefe Bühnenräume schaffen eine Welt zwischen Illusion und Wirklichkeit, in der sich die Geschichte Ifigenias entfaltet: Sie wird zum Opfer für die Göttin Diana auserkoren, damit die griechische Flotte günstigen Wind für den Aufbruch nach Troja erhält. In letzter Sekunde wird sie jedoch gerettet und auf die Insel Tauris gebracht – ein göttlicher Eingriff, der ihr Schicksal grundlegend verändert.
Nach seinem gefeierten Einstand vergangenes Jahr verspricht der Musikalische Leiter der Festwochen, Ottavio Dantone, mit dem Orchester in Residence, der Accademia Bizantina, erneut Höchstleistungen. Die Oper kommt dabei das erste Mal seit 300 Jahren wieder auf die Bühne.
Termine „Ifigenia in Aulide“
Fr., 8. August, 19 Uhr
So., 10. August, 16 Uhr
Di., 12. August, 19 Uhr
Fortsetzungsoper
Eine Besonderheit der diesjährigen Festwochen: Die Geschichte Ifigenias endet nicht mit dem Schlussapplaus am 12. August, sondern findet ihre Fortsetzung in Tommaso Traettas „Ifigenia in Tauride“. Nach ihrer wundersamen Rettung lebt Ifigenia nun als Priesterin auf Tauris mit der grausamen Aufgabe, jeden Fremden, der die Insel betritt, zu opfern. Als zwei Fremde – einer davon ihr unerkannter Bruder – an der Küste landen, gerät Ifigenia in einen Konflikt zwischen Auftrag und menschlichem Mitgefühl und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand.
Unter der musikalischen Leitung von Christoph Rousset und seinen Les Talens Lyrique entfaltet sich Traettas selten aufgeführtes Meisterwerk in einer Inszenierung der renommierten Regisseurin Nicola Raab, die eine Brücke zwischen dem Mythos und der Moderne schafft. Warteräume, Handlungsräume und auch die eine oder andere Anspielung auf die erste Inszenierung erwarten die Besuchenden Ende August.
Termine Fortsetzungsoper „Ifigenia in Tauride“
Mi., 27. August 19 Uhr
Fr., 29. August 19 Uhr
Countertenöre bei den Festwochen
Ob in Klassik oder Popkultur, an einer Entwicklung kommt man derzeit nicht vorbei: dem Höhenflug der Countertenöre.
Was lange als Nischenphänomen der Alten Musik galt, hat spätestens mit dem ESC-Sieg von JJ die breite Masse erreicht. Auch bei den Festwochen begeistert die Klangwelt hoher Männerstimmen jeden Sommer aufs Neue.
Von 25. Juli bis 31. August bieten sich bei den Festwochen gleich mehrere Gelegenheiten, die Virtuosität dieses Stimmfachs zu erleben. Eine kleine Auswahl: Der international gefeierte Carlo Vistoli gibt mit expressiver Tiefe sein lang erwartetes Debüt in der Oper „Ifigenia in Aulide“. In der Barockoper:Jung „Il Giustino“ entfaltet Maximiliano Danta sein Können, der nach seinem Sieg beim Cesti-Wettbewerb im Vorjahr mit klarer Stimme Vivaldis Musik interpretiert.
Den krönenden Abschluss bildet ein Konzert mit Andreas Scholl, der als einer der „Väter der Countertenöre“ bezeichnet wird. 2005 als erster Countertenor-Solist bei den Last Night of the Proms in London, stand er in den 1990er Jahren bereits am Anfang der Countertenor-Begeisterung auf der Bühne und ist bis heute in fast allen Musikrichtungen zu Hause. Am 30. August ist er im Spanischen Saal von Schloss Ambras beim Konzert „Ottavio plus“ zu hören.
Eines ist klar: Die Innsbrucker Festwochen sind ein Festival aller Stimmen. Sämtliche Stimmfächer – von Sopran und Alt bis hin zu Tenor und Bass – sind mit Künstler*innen vertreten, die zu den Besten ihres Fachs zählen.
Freie Veranstaltungen
Wie jedes Jahr laden die Festwochen nicht nur in Konzert- und Opernsäle ein, sie kommen auch in den öffentlichen Raum und bespielen Innsbruck mit zahlreichen freien Veranstaltungen. Bei Musica montana geht es zur Umbrüggler Alm und nach Heiligwasser, bei den Lunchkonzerten gibt es zur Mittagszeit gratis Musik im Pavillon des Hofgartens. Das Concerto mobile spielt an verschiedensten Orten in der Innenstadt und viermal erklingen „Pauken & Trompeten“ vom Goldenen Dachl. Ein Publikumsliebling darf natürlich auch nicht fehlen: Das Schlossfest Ambras am 15. August mit Gaukler*innen, Musik und Spielen.
Der Festwochen-Freundeskreis
Hinter die Kulissen blicken, die Stars vor dem großen Auftritt treffen, die Begeisterung für Alte Musik teilen – all das kann man beim Freundeskreis der Festwochen! Hier treffen sich Gleichgesinnte, um exklusive Erlebnisse rund um die Festwochen zu genießen. Mitglieder unterstützen nicht nur junge Talente durch den Publikumspreis beim Cesti-Wettbewerb, sondern erhalten als erste Neuigkeiten rund um die Festwochen. Zahlreiche weitere Vorteile wie Ermäßigungen auf alle Tickets, kulturelle Ausflüge, Premierenfeiern und vieles mehr erwarten alle, die sich dieser herzlichen Runde anschließen. Mehr Infos: www.altemusik.at