Kritik wächst auch in Israel: Endloser Krieg und Hunger im Gazastreifen
Hilfslieferungen der UNO sind erstmals nach über zwei Monaten bei den Menschen im Gazastreifen angekommen. Erneute Evakuierungen gibt es im Norden des Küstenstreifens.
Gaza, Tel Aviv – Nach zweieinhalb Monaten völliger Blockade hat die UNO in der Nacht auf Donnerstag mit der Verteilung von Hilfsgütern für den Gazastreifen begonnen. Am Mittwoch seien „rund 90 Lastwagenladungen mit Gütern am Kerem-Shalom-Übergang abgeholt worden“, erklärte UNO-Sprecher Stéphane Dujarric. Am Donnerstag teilte Israel mit, dass rund 100 weitere Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern der UNO im Gazastreifen eingetroffen seien. Hilfsorganisationen hatten in den vergangenen Monaten wiederholt die katastrophalen humanitären Bedingungen im Gazastreifen angeprangert und vor einer drohenden Hungersnot gewarnt.
Israels Offensive geht weiter
Unterdessen geht die militärische Offensive Israels im Gazastreifen unvermindert weiter: Am Donnerstag rief die israelische Armee die Bewohner von 14 Gebieten im Norden des Gazastreifens zur Evakuierung auf. Unter dem wachsenden internationalen Druck erklärte Israels Premier Benjamin Netanjahu am Mittwoch zwar, er sei zu einer befristeten Waffenruhe im Gazastreifen bereit, um die Rückkehr der dort noch festgehaltenen Geiseln zu ermöglichen. Gleichzeitig hielt er an dem Ziel fest, die vollständige Kontrolle über den Gazastreifen zu übernehmen.
Israels Opposition übt laute Kritik
Bisher war Israels Opposition zurückhaltend mit ihrer Kritik an der Kriegsführung im Gazastreifen. Hohe Wellen schlug nun ein Interview des linksliberalen Politikers Yair Golan im Radio des Kan-Senders. Dort sagte er, Israel laufe Gefahr, zu einem international geächteten „Paria-Staat“ zu werden. „Ein vernünftiges Land führt keinen Krieg gegen Zivilisten, es tötet keine Babys als Hobby und zielt nicht auf die Vertreibung der Bevölkerung“, sagte er. Israels Ex-Premier Olmert sagte der BBC, dass das, was Israel „jetzt im Gazastreifen tut, einem Kriegsverbrechen sehr nahe kommt“. (TT, APA, dpa, Reuters, AFP)