Investieren und informieren: Wie Minister Totschnig den Hochwasserschutz pushen will
Rund 800.000 Personen in Österreich sind von Hochwasserrisiken betroffen. Das Landwirtschaftsministerium will mit einer Infokampagne für mehr Schutz, Vorsorge und Aufklärung sorgen. Mit dem altbekannten „Helmi“ sollen gezielt auch Kinder angesprochen wurden.
Wien – Das letzte große Hochwasser in Österreich ist noch nicht so lange her: Vergangenen September suchten gewaltige Wassermassen den Osten des Landes heim. Um in Zukunft besser für Starkregen, lokale Unwetter und in Folge Hochwasser gerüstet zu sein, investiert das vom Tiroler Minister Norbert Totschnig (ÖVP) geführte Landwirtschaftsministerium nun in ein 10-Punkte-Aktionsprogramm und eine eigene Info-Kampagne.
Milliarden-Investments
Seit 2002 wurden in Österreich mehr als 2,2 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert, jährlich können mit rund 100 Mio. Euro rund 600 Schutzprojekte umgesetzt werden. Durch den Klimawandel müssten diese Anstrengungen kontinuierlich weitergeführt werden, hieß es bei der Präsentation am Freitag.
Laut einer aktuellen Risikobewertung nach der EU-Hochwasserrichtlinie wurde für 719 von 2093 österreichischen Gemeinden ein signifikantes Hochwasserrisiko festgestellt, das entspricht rund 800.000 potenziell betroffenen Personen.
Das neue Aktionsprogramm sieht unter anderem folgende Punkte vor:
- Evaluierung der Schutzsysteme und entsprechende Anpassung, etwa an Dammbruchszenarien.
- Wiederaufbau beschädigter Schutzmaßnahmen
- Restrisiko berücksichtigen und kommunizieren
- Hochwasserschutz weiter ausbauen: Etwa bei Wildbächen und Uferrückbauten
- Klimabezogene Risiken verstärkt in die Planung integrieren: Neue Forschungsschwerpunkte in Zusammenarbeit mit Universitäten
- Eigene Info-Kampagne für die Bevölkerung
- Neues hydrographisches Datenmanagement für Hochwasserprognosen
- Hochwasser gemeinsam üben – Trainings für Bevölkerung und Einsatzkräfte
Nur jeder Zweite fühlt sich ausreichend informiert
Laut einer aktuellen Umfrage des Landwirtschaftsministeriums halten 88 Prozent der ÖsterreicherInnen Hochwasserschutz für wichtig, aber nur knapp die Hälfte (52 Prozent) fühlt sich ausreichend informiert. Die Kampagne soll – mit Flyern, Postern und digital – das Bewusstsein für persönliche Schutzmaßnahmen stärken. Dazu hat man auch das Sicherheits-Maskottchen Helmi an Bord geholt.
Helmi wer? „Augen auf, Ohren auf, Helmi ist da“ – ältere Semester dürften davon immer noch einen Ohrwurm haben, dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) sei Dank. Kinder & Schulen sind neben den Gemeinden die zweite Zielgruppe der Kampagne.