ÖSV-Athlet Seidl wurde wegen Dopings verurteilt: „Ein Justiz-Irrtum im Sport“
Zuletzt kämpfte ÖSV-Kombinierer Mario Seidl um sein Comeback im Weltcup nach Kniescheibenbruch. Jetzt bekommt er auf einer anderen Front unliebsame Nachrichten. Der Salzburger sieht sich mit einer Verurteilung wegen Blutdopings konfrontiert.
Das gab der 32-Jährige am Freitag in den Sozialen Medien bekannt. „Aus meiner Sicht ist das ein Fehlurteil. Ein Justiz-Irrtum im Sport, der aus einer falschen Grundhypothese der verantwortlichen Anti-Doping-Behörden entstanden ist und in fünfeinhalb Jahren Untersuchungen voller Verfahrensmängel und Pannen nicht auszuräumen war“, schrieb der Olympia-Bronze-Gewinner (Team) von 2018.
Er als Athlet habe sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Die auffälligen Parameter in seinem Blutbild seien auf seine seltene Immunkrankheit (Hypogammaglobulinämie) zurückzuführen. Das hätten auch medizinische Experten bestätigt. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hielt es dennoch für wahrscheinlicher, dass der ÖSV-Athlet manipuliert hat.
„Als Athlet mit dem Begriff Doping in Verbindung gebracht zu werden, ist der absolute Super-GAU“, schreibt Seidl. Seit fünfeinhalb Jahren habe er versucht, den Irrtum aufzuklären. „Ich habe einen Albtraum im Wachzustand durchlebt, inklusive polizeilicher Ermittlungen mit Telefonüberwachung, Observation und Hausdurchsuchung. Sämtliche strafrechtliche Ermittlungen sind längst eingestellt worden“, betont der Kombinierer.
Wenn es in der Causa etwas gebe, was er sich vorzuwerfen habe, dann sei es das: „Ich hätte viel früher aktiv an die Öffentlichkeit gehen sollen. Dass ich das nicht getan habe, tut mir leid.“ Das Verfahren habe ihn mental und finanziell an den Rand der Belastbarkeit gebracht.
Ob der A-Kader-Athlet seine Karriere fortsetzen wird, ist noch nicht klar. Die rückwirkende Dopingsperre sei bereits vor eineinhalb Jahren abgelaufen. Fix sei auf jeden Fall: „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass auch in meinem Fall am Ende die Gerechtigkeit siegen wird.“
Verfahren läuft seit 2020
Laut ÖSV habe das Verfahren bereits im Jänner 2020 begonnen. „Da die Sperre mit der Urteilsverkündung bereits abgelaufen ist, wird der ÖSV gemeinsam mit Mario Seidl über das weitere Vorgehen beraten. Zudem wurde das Urteil dem unabhängigen ÖSV-Disziplinarausschuss übermittelt“, teilte der Verband am Abend mit.
Weiters wurde bekräftigt: „Der ÖSV bekennt sich zu fairem Sport. Doping und andere unlautere Mittel zur Leistungssteigerung werden kategorisch abgelehnt. Mit dem Eintritt in einen ÖSV-Kader hat sich Mario Seidl vertraglich zu sauberem Sport verpflichtet. Der Österreichische Skiverband hat deshalb das Urteil des CAS mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen.“ (TT.com)