Warteliste ist gigantisch

Nicht mehr Schlusslicht: Bei Pflegebetten vom letzten auf vorletzten Platz Tirols gewandert

Ein großer Zubau zum Seniorenzentrum Reutte, "Haus zum guten Hirten", wurde feierlich eröffnet. Auch Landeshauptmann Anton Mattle (l.) war gekommen. Mit am Bild v.l. Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, Dekan Franz Neuner, Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf, Pflegedienstleiterin Sarah Friedle, Heimleiter Wolfgang Broll und Bürgermeister Günter Salchner.
© Helmut Mittermayr

Der Aufholprozess bei stationären Betten im Außerfern freut Reuttes Bürgermeister – bedingt. Der Landeshauptmann möchte hier ohnehin nicht schwarzmalen.

Reutte – „Der Druck auf die Heime war gigantisch. Bis zu drei Jahre Wartezeit. Bei den stationären Betten lag der Bezirk Reutte im Tirolvergleich an letzter Stelle.“ Reuttes Bürgermeister Günter Salchner zog Vergleiche, die Landeshauptmann Toni Mattle gar nicht so gut gefielen. Bei der Feier zum abgeschlossenen Ausbau des Seniorenzentrums Reutte gab es unterschiedliche Beurteilungen.

Es ging um das Einhegen von Zahlen in einen Kontext. Für den Stadtchef war die Außerferner Kennzahl der letzten Jahre von 54,3 stationären Pflegebetten pro 1000 Einwohner für Menschen, die 75 und älter sind, eine halbe Bankrotterklärung. Der Landesschnitt betrage 107.

89 Zimmer stehen im Seniorenzentrum Reutte nun zur Verfügung.
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Mit der Eröffnung des zweiten Hauses im Ehenbichler Bezirkspflegeheim vor knapp einem Jahr und dem nunmehrigen Abschluss des Ausbaus des Reuttener Pflegeheims ist die Zahl laut Salchner auf 92 geklettert. Man habe Druck aus dem Kessel nehmen können. „Immerhin stehen wir nun auf dem vorletzten Platz, nicht mehr auf dem letzten“, zeigte sich Salchner halb erfreut, aber auch halb verständnislos.

Zu den Feierlichkeiten war auch Landeshauptmann Toni Mattle in den „Guten Hirten“ gekommen. Er ging auf die Vorhaltungen ein, wollte aber nicht nur in stationären Betten denken. Das erweiterte Angebot im Bezirk von Tagespflege, mobiler Pflege, betreuenden Angehörigen und vieles mehr müsse gesehen werden. Und da ist das Außerfern laut Mattle gut aufgestellt.

Tirols Geburten gingen in 60 Jahren um 40 Prozent zurück

Der Landeshauptmann sah in der demografischen Entwicklung den Hauptgrund der Pflege- und Mitarbeiterproblematik im Land. „Ich bin Jahrgang 63. 1964 gab es 11.400 Geburten, im vergangenen Jahr nur noch 6900. Das sind mehr als 4000 weniger als vor 60 Jahren.“

Heimleiter Wolfgang Broll und Pflegedienstleiterin Sarah Friedle schilderten dann den fordernden Umbau bei laufendem Betrieb. Täglicher Staub sei schon zur Gewohnheit geworden. Nun seien alle über eine Pause froh, bevor weitere Bauarbeiten anstehen würden.

In den Zimmern bleibt viel Platz, um eigenes, persönliches Mobiliar aufzustellen.
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Das „Haus zum guten Hirten“ wurde um 26 Betten auf nunmehr 89 erweitert. Betten entsprechen hier de facto auch Einzelzimmern. Die Räume sind groß genug, dass auch eigenes Mobiliar mitgebracht werden kann. Entstanden ist auch eine Großküche, die 500 Mahlzeiten pro Tag bewältigen kann. Die Kapazität soll künftig für Kindergarten, Horte, Kinderbetreuung und Seniorentische reichen.

Auch Dekan Franz Neuner trug zu lebendigen Vorträgen bei. Er zitierte den bekannten Tesla-Chef. „Elon Musk sieht eine grundlegende Schwäche der westlichen Welt in der Empathie. Für mich verstörend“, so der Geistliche. Es brauche ein ganzes Dorf, um ein Kind ins Leben hineinzubegleiten. Das gelte auch für den Lebensabend. Man stehe immer auf den Schultern der anderen.

Interreligiöse Ansprachen mit katholischer, evangelischer und muslimischer Beteiligung deckten die Reuttener Realitäten ab.
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Beim Danken nannte die Heimleitung mit Friedle und Broll auch explizit Bauleiter Erich Schlichther, der großes Verständnis für die Belange des laufenden Heimbetriebes gezeigt habe. Sein zeitgleicher Aufstieg zum Bauamtsleiter der Stadtgemeinde habe ihm ein riesiges Arbeitsaufkommen beschert, wusste dann der Bürgermeister. Nicht unerwähnt lassen wollte Salchner neben dem engagierten Personal auch 39 Ehrenamtliche, die im Seniorenzentrum tätig sind.

Samstagnachmittag wurde der „Gute Hirte“ dann von der Bevölkerung regelrecht gestürmt – die Gemeinde hatte zum Tag der offenen Tür geladen.