Chaos und blutige Tumulte: Der brutale Kampf ums Überleben im Gazastreifen
Mit einer neuen von den USA unterstützten Stiftung will Israel die Hilfslieferungen nach Gaza kontrollieren. Chaos brach aus.
Gaza – Die Arbeit der neu installierten Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) im Gazastreifen begann mit Chaos und blutigen Tumulten. Im Süden des Gazastreifens wurden bei der Eröffnung eines neuen Verteilerzentrums laut dem UNO-Menschenrechtsbüro eine Person getötet und 47 weitere verletzt. Tausende offenbar hungrige Palästinenser stürmten Dienstagabend das Gelände in Rafah. Es war von Plünderungen die Rede. Die israelische Armee teilte mit, Soldaten hätten außerhalb des Zentrums Warnschüsse abgegeben. Die Situation sei wieder unter Kontrolle gebracht worden. Auch gestern herrschte noch Chaos. Die Fortsetzung der Hilfslieferungen in den Gazastreifen verzögerte sich. Unruhen wurden als Begründung angegeben.
Die Vereinten Nationen und andere internationale Hilfsorganisationen boykottieren die Stiftung der umstrittenen Organisation GHF, die im Auftrag der USA den Menschen im Gazastreifen helfen soll. Die Stiftung untergrabe laut den Hilfsorganisationen den Grundsatz, dass humanitäre Hilfe unabhängig von den Konfliktparteien und nach Bedarf verteilt werden sollte. „Humanitäre Hilfe darf nicht politisiert oder militarisiert werden“, sagte Christian Cardon, Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.
Israel will Kontrolle ausüben
In New York erklärte der Sprecher der Vereinten Nationen, Stéphane Dujarric, dass die UNO und ihre Partner einen soliden Hilfsplan hätten, „um der verzweifelten Bevölkerung Hilfe zukommen zu lassen“, und dass Israel ihnen zwar erlaube, Hilfe zu leisten, allerdings mit vielen Hindernissen. Das US-Außenministerium wies jegliche Kritik zurück.
Angesichts einer monatelangen Blockade von Hilfsgütern durch Israel, die zuletzt etwas gelockert wurde, hat sich die Lage vieler Menschen im Gazastreifen weiter verschlimmert. Die UNO warnt bereits seit Wochen vor einer bevorstehenden Hungersnot. In dem von rund zwei Millionen Palästinensern besiedelten Gebiet, das zu weiten Teilen zerstört ist, fehlt es an Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und nahezu allen Dingen des täglichen Bedarfs.
Mit der neuen Strategie für die Verteilung von Hilfsgütern will Israels Regierung nach eigenen Angaben verhindern, dass die Hamas Lieferungen für ihre eigenen Zwecke abzweigt und weiterverkauft, um damit Kämpfer und Waffen zu bezahlen. Kurz vor dem Anlaufen der Hilfe war der GHF-Vorsitzende Jake Woods – ein US-Militärveteran – zurückgetreten. Berichten zufolge hielt er es nicht für möglich, „die humanitären Prinzipien der Menschlichkeit, Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit“ zu wahren. Die vier GHF-Verteilungszentren im Süden und im Zentrum des Gazastreifens sollen von US-Sicherheitsfirmen betrieben werden.
Aktion in Wien
Unterdessen haben Caritas und Ärzte ohne Grenzen die „systematische Verletzung des humanitären Völkerrechts durch die israelische Regierung“ angeprangert. Bei einer Aktion vor dem Außenministerium in Wien legten Vertreter der beiden Hilfsorganisationen am Mittwoch symbolisch eine Rote Linie aus, die sie im Gaza-Krieg längst überschritten sehen. Angesichts der „humanitären Katastrophe ungeahnten Ausmaßes“ wurde mehr Druck auf Israel gefordert. Die Lage sei nicht nur für die palästinensische Zivilbevölkerung lebensgefährlich, sondern auch für Helfer, sagte Laura Leyser, Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich. (TT, APA, AFP, dpa, Reuters)
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