20.000 Menschen betroffen: Größte Evakuierung seit 1945 in Köln
Mehr als 20.000 Menschen mussten ihre Wohnungen in einem 1000-Meter-Bereich rund um die Fundstelle im Stadtteil Deutz verlassen.
Köln – Leer gefegte Straßen, geschlossene Geschäfte und eine verlassene RTL-Sendezentrale: Die Kölner City hat sich durch die größte Evakuierung seit 1945 in eine Geisterstadt verwandelt. Mehr als 20.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Denn am Abend sollen am Rheinrufer im Stadtteil Deutz drei amerikanische Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden.
Rund um die Fundstelle haben die Behörden einen Sicherheitsradius von 1000 Metern gezogen. Die Ansage lautet: Dieser Bereich muss menschenleer sein, bevor die Bomben entschärft werden können. Wenn es irgendwann soweit ist, sollen sich in der gesamten Evakuierungszone nur noch zwei Experten der Kampfmittelbeseitigung aufhalten.
📽️ Video | Fliegerbomben in Köln
Seit 8 Uhr werden Straßensperren rund um den Sperrbezirk errichtet. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes gehen umher und checken, ob wirklich alles leer ist. Straße für Straße, Haus um Haus. Ein ganzes Stück Arbeit, denn die Kölner Innenstadt ist laut Ralf Mayer, Leiter des Ordnungsamtes, die am dichtesten besiedelte in ganz Europa. Bis zum Mittag verlaufen die sogenannten Klingelrundgänge ohne besondere Vorkommnisse – es gibt keine Verweigerer, die partout nicht aus ihrer Wohnung wollen.
In der Sperrzone liegen ein Krankenhaus, zwei Alten- und Pflegeheime, viele Museen und der Fernsehsender RTL: Der sendet nun stattdessen vorübergehend aus dem Außenbezirk Köln-Ossendorf und aus Berlin.
Große Auswirkungen im Verkehr
Die Sperrung des Zentrums der viertgrößten Stadt Deutschlands mit insgesamt 1,1 Millionen Einwohnern strahlt weit ins Umland aus. Der Hauptbahnhof befindet sich zwar nicht im Evakuierungsbereich, wohl aber die auf ihn zuführende Hohenzollernbrücke, die meistbefahrene deutsche Eisenbahnbrücke. Personenzüge dürfen nach 8 Uhr zunächst weiter über die Brücke fahren, halten aber nicht im Bahnhof Köln Messe/Deutz. Mit Beginn der Entschärfung soll die Hohenzollernbrücke gesperrt werden – dann wird der Hauptbahnhof vorübergehend zum Kopfbahnhof. Auch die Schifffahrt auf dem Rhein muss vorübergehend pausieren. Und sogar der Luftraum wird gesperrt. (APA, dpa, TT.com)