Tipps von „Rat auf Draht“

Nach Amoklauf an Grazer Schule: Wie rede ich mit meinem Kind über die Geschehnisse?

Am Dienstag wurden bei einem Amoklauf an einer Grazer Schule mehrere Menschen getötet. Auf Jugendliche prasseln solche Schreckensmeldungen auch via Social Media ein.
© APA/Scheriau, canva

Expertinnen von „Rat auf Draht“ geben Tipps, wie Eltern ihre Kinder in der Zeit nach herausfordernden Geschehnissen wie dem Amoklauf in Graz am besten begleiten können.

Nach dem Amoklauf an einer Grazer Schule am Dienstagvormittag herrscht große Bestürzung. Ein Schüler soll mit einer Waffe in Klassenräumen das Feuer eröffnet, mehrere Personen getötet und zahlreiche schwer verletzt haben.

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Gerade für junge Menschen sind derartige Taten belastend, schwer zu begreifen und können viele Gefühle auslösen. „Erfahrungsgemäß bekommen wir auf der Notrufnummer 147 einige Anrufe von Jugendlichen, die Angst haben, dass so etwas auch bei ihnen in der Nähe oder an ihrer Schule passieren könnte“, wird Brigit Satke, Leiterin des Beratungsteams von Rat auf Draht am Dienstag in einer aktuellen Aussendung zitiert. Auch für Eltern sei ein extremes Erlebnis wie dieses keine einfache Situation. Viele fragen sich, wie Sie ihre Kinder am besten unterstützen können.

>> Die Expertin empfiehlt folgendes Vorgehen:

Reden Sie faktenbasiert darüber!

Man sollte auf keinen Fall versuchen, das Ereignis oder den Grund dafür vor seinen Kindern zu verheimlichen oder zu verharmlosen, so Satke. Unsicherheit erzeuge noch mehr Angst. „Sprechen Sie mit Ihrem Kind ehrlich, faktenbasiert und altersentsprechend darüber, ohne zu beschönigen oder zu dramatisieren“, sagt die Expertin.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind ehrlich, faktenbasiert und altersentsprechend darüber, ohne zu beschönigen oder zu dramatisieren.
Brigit Satke, Rat auf Draht

Auch Eltern selbst können und sollen ihre eigene Betroffenheit äußern. Die eigenen Ängste zu verstecken sei kontraproduktiv und erzeuge bei Kindern nur Unsicherheit und das Gefühl, dass die Eltern nicht ehrlich seien. „Das ist für Kinder am schlimmsten“, heißt es.

Eltern können auch ihre eigenen Gefühle äußern, ohne schutzlos und ausgeliefert zu wirken. Satke rät dazu, bei den Fakten zu bleiben, den aktuellen Erkenntnisstand der Polizei zu verfolgen und keinesfalls unbestätigte Gerüchte zu verbreiten.

Alle Gefühle sind erlaubt

Jedes Kind gehe mit derartigen Ereignissen individuell um und zeige seine Emotionen anders. „Lassen Sie alle Gefühle zu: Trauer, Angst, Wut, Frustration, Ärger – alles darf sein und ist völlig normal“, so die Beraterin. Und weiter: „Nehmen Sie diese Gefühle ernst und spielen Sie diese auf keinen Fall herunter. Wenn Kinder spüren, dass jemand für sie da ist, können Sie besser zur Ruhe kommen und die Ereignisse verarbeiten.“

Fragen Sie nach!

„Fragen Sie, wie es Ihrem Nachwuchs im Speziellen damit geht bzw. was sie oder er wissen möchte. Lassen Sie Ihr Kind auch selbst sagen, was es gerade braucht, um sich besser zu fühlen“, rät Satke. Fragen solle man unbedingt wahrheitsgemäß beantworten. Wer keine Antwort hat, soll das auch ehrlich zugeben.

Mit Jugendlichen sollten Sie sich die Berichterstattung gemeinsam ansehen, zeigen Sie ehrlich Ihre Gefühle und tauschen Sie sich aus.
Brigit Satke, Rat auf Draht

Kinder unter zehn Jahren sollten nicht allein Nachrichtensendungen ansehen. Hier empfiehlt es sich laut Satke, gemeinsam kindgerechte Informationen einzuholen. Viele Medien bieten mittlerweile speziell für Kinder aufbereiteten Content zu derartigen Themen. Eine Google-Suche lohnt sich.

„Mit Jugendlichen sollten Sie sich die Berichterstattung gemeinsam ansehen, zeigen Sie ehrlich Ihre Gefühle und tauschen Sie sich aus. Bei Fragen können Sie auch gemeinsam recherchieren“, rät die Expertin.

Kann so etwas auch an meiner Schule passieren?

Die mediale Berichterstattung bzw. die Omnipräsenz des Themas in den Medien löse bei Kindern oft die Angst aus, dass ein Amoklauf auch an ihrer Schule passieren könne. „Zum Glück sind Ergebnisse wie diese die Ausnahme. Wenn Kindern diese Berichte dennoch Angst machen, ist es ganz wichtig, auch darüber zu sprechen. Das hilft oft schon, die Angst ein wenig abzubauen“, so Satke.

Auch könnten Kinder ihren LehrerInnen in der Schule vorschlagen, das Thema in einem Projekt zu behandeln. Satke: „Die gemeinsame Auseinandersetzung mit einem Thema kann helfen, seine Angst besser bewältigen zu können“.

Bewusst Nachrichtenpausen einlegen!

Derartige Geschehnisse sind in den Medien und der Öffentlichkeit meist über einen längeren Zeitraum hinweg präsent. Es sei wichtig und richtig, sich darüber zu informieren und ganz normal, dass man davon betroffen und mitgenommen ist.

Ganz wichtig sei aber auch – nicht nur für Kinder und Jugendliche – sich dazwischen bewusst eine Pause von der Berichterstattung zu gönnen, um zur Ruhe zu kommen und den Overload an Nachrichten zu verdauen. Auch Ablenkung und Zerstreuung durch eine gemeinsame Aktivität, wie etwa einen Spaziergang, ein Brettspiel, etc. tun in solchen Momenten gut.

Holen Sie sich Unterstützung!

In derartigen Ausnahmesituationen seien Ängste, Ohnmachtsgefühle oder Unsicherheiten ganz normal – auch für Erwachsene. Wer das Gefühl hat, allein damit nicht zurecht zu kommen, soll nicht zögern und sich Hilfe holen: elternseite.at bietet individuelle Video-Beratung für Eltern und Bezugspersonen. Für alle jungen Menschen stehen die Expertinnen der Notrufnummer 147 rund um die Uhr, kostenlos und anonym zur Verfügung. (TT.com)

📞 Hier finden Sie Hilfe

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