„Tragen wir gemeinsam das Unerträgliche“: Hunderte trauern in Graz um die Opfer
Am Grazer Hauptplatz versammelten sich Trauernde, um den Todesopfern des Amoklaufs zu gedenken. Auch vor der betroffenen Schule wurden unzählige Kerzen entzündet. Bei einem Gedenkgottesdienst waren Hunderte Menschen anwesend.
Graz – Nach dem Amoklauf in einer Grazer Schule mit elf Toten und einem Dutzend teils Schwerverletzten ist am Dienstagabend im Grazer Dom ein Gedenkgottesdienst abgehalten worden. Auf dem Hauptplatz haben sich Hunderte tief erschütterte Menschen für ein Lichtermeer versammelt.
Viele zündeten Kerzen an. Unter den trauernden Menschen waren besonders viele Jugendliche, doch auch Pärchen in Abendkleidung waren zu sehen. Manche umarmten sich und spendeten sich so Trost. Andere brachten Kerzen zu den bereitgestellten, flachen Metallwannen, in denen bereits Hunderte Lichter brannten. Junge Menschen halfen beim Platzieren der Kerzen.
📽️ Video | Trauer und Gedenken in Graz
Auch Kriseninterventionsteam vor Ort
Eine Schülerin sprach in der Menge zu ihren Freunden: „Das ist so schlimm“, und drückte damit wohl das Gefühl vieler anderer aus, die großteils leise trauernd auf die Kerzen starrten, begleitet von den Kirchenglocken, die um 22 Uhr läuteten. Hinter den Trauernden hing die schwarze Flagge am Grazer Rathaus und vereinzelt standen Betreuerinnen und Betreuer vom Kriseninterventionsteam bereit, um bei Bedarf den Menschen beizustehen.
Eine spürbar bedrückte Stimmung erinnerte an das Lichtermeer 2015 nach der Amokfahrt durch die Grazer Herrengasse. Damals folgten Tausende Menschen einem Facebook-Aufruf zu einem „Kerzenmeer“. Auch vor der Schule, in der der mutmaßliche Amokläufer zehn Menschen erschoss, wurden Kerzen angezündet und an die Opfer gedacht.
📽️ Video | Große Anteilnahme vor der Schule
„Tragen wir gemeinsam das Unerträgliche“
Hunderte Menschen waren zuvor auch der Einladung gefolgt, bei einem Gottesdienst der Opfer zu gedenken. „Wir sind gekommen, weil uns die Gedanken an die jungen Leute und auch die Eltern der getöteten Jugendlichen, die nun nie mehr nach Hause kommen, nicht aus dem Kopf gehen“, sagte ein Ehepaar nach der Messe. „Graz erschien mir wie eine heile Welt, aber heute ist ein Stück davon verloren gegangen“, schilderte eine Dame.
Viele trugen schwarze Kleidung. Manche, die spontan beschlossen hatten, sich dem Gedenkgottesdienst anzuschließen, waren im Freizeitlook dabei. Nicht alle fanden einen Sitzplatz in der Kirche und nahmen stehend an der Messe teil. Auch zahlreiche PolitikerInnen waren anwesend.
„Viele sind fassungslos nach dieser unerträglichen Tat. Tragen wir gemeinsam das Unerträgliche“, gab Weihbischof Johannes Freitag den BesucherInnen mit. Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft gedachte in den steirischen Moscheen der Opfer im Anschluss an das tägliche Abendgebet. (APA, TT.com)
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