Amokläufe und Drohungen: Tiroler Bildungsdirektion arbeitet eng mit Polizei zusammen
Nach der Attacke an einem Grazer BORG mit mehreren Toten und Verletzten zeigt sich auch Bildungsdirektor Paul Gappmaier erschüttert. Bei Drohungen werde auf die Sicherheitskräfte gehört. An die Schulen erging am Dienstag bereits ein Ablaufschema für „akute Bedrohungen“.
Am ersten Tag nach dem Amoklauf mit elf Toten sitzen in Tirol Tausende Schüler in den Klassen, der Unterricht geht weiter, aber die Gedanken sind oft in Graz. Um zehn Uhr wurde in den rund 600 Tiroler Schulen – wie auch im Rest Österreichs – eine Gedenkminute für die Opfer abgehalten. Laut den Rückmeldungen der Schulqualitätsmanager ist der Tag „ruhig abgelaufen an den Schulen“, heißt es aus der Bildungsdirektion. Freilich war das Attentat Thema Nummer eins, das auch in den Bildungseinrichtungen aufgearbeitet wird. Wie, das entscheiden die Schulen selbst. „Wir verlassen uns hier auf das Fingerspitzengefühl der Lehrpersonen“, erklärt Bernhard Deflorian, Pressesprecher der Tiroler Bildungsdirektion.
Bildungsdirektor Paul Gappmaier zeigt sich „zutiefst erschüttert“ nach dem tragischen Vorfall. Gerade in letzter Zeit habe es vermehrt Ankündigungen von Amokläufen oder Anschlägen auch in Tiroler Schulen gegeben. „Tatsache ist, in den letzten Monaten gab es vermehrt Androhungen von Amokläufen. Erst letzte Woche gab es eine Drohung vom ‘Islamischen Staat’. Diese Drohungen sind eine schwierige Situation für uns alle.“
Zusammenarbeit mit der Polizei
„In der Bildungsdirektion verlassen wir uns auf die Beurteilung von Experten der Polizei“, sagt Gappmaier. Zum aktuellen Fall in Graz könne er nichts sagen, denn „es ist nicht bekannt, ob die Tat angekündigt war oder nicht“.
Es werde aber mit Bedacht agiert, erklärt Gappmaier: „Von den Sicherheitsbehörden wird meist vorsichtig argumentiert: Gibt es eine Drohung, dann soll meist Chaos produziert werden. Ob es zu Schulschließungen kommen soll, muss von Fall zu Fall analysiert und nach Einschätzung der Experten der Polizei entschieden werden.“
Vorgegangen werde „je nach Einzelfall“ und „es wird kurzfristig entschieden“. Ein Leitfaden, wie in Schulen mit Amokläufen oder anderen Bedrohungen umgegangen wird, ist nun gemeinsam mit dem Land erarbeitet worden. Noch am Dienstag wurde dieser per Mail an alle Tiroler Schulen geschickt.
Das Ablaufschema, in dem dargestellt wird, wie die Alarmierung erfolgen und wie weiter vorgegangen werden soll, habe sich in der Praxis bewährt. Und weiters heißt es in dem Schreiben von Bildungslandesrätin Cornelia Hagele und Bildungsdirektor Paul Gappmaier: „Wir bitten Sie, dieses Schema stets griffbereit zu halten und mit dem Kollegium zu teilen.“
In derselben Nachricht, die an die DirektorInnen und LehrerInnen gerichtet ist, wird außerdem auf die Möglichkeit hingewiesen, sich auf einer eigenen Webseite über Krisenintervention an Schulen informieren zu können.
Zusätzlich richten die Bildungslandesrätin und der Bildungsdirektor in dem gemeinsamen Schreiben einen Appell an das Kollegium: „Solche Ereignisse lösen bei vielen – ob Kinder, Jugendliche oder Lehrpersonen – Ängste, Sorgen und Unsicherheiten aus. Bitte nehmen Sie diese Gefühle ernst. Sprechen Sie offen darüber – in Konferenzen, in Klassenvorstandsstunden oder anderen geeigneten Settings. Ermutigen Sie zur Aussprache und nutzen Sie bei Bedarf die Unterstützungsangebote der Schulpsychologie, des Pädagogischen Dienstes und der Schulsozialarbeit.“
Lichtermeer und Gedenkmesse
„Tragen wir gemeinsam das Unerträgliche“: Hunderte trauern in Graz um die Opfer
Nach Amoklauf in Graz
Tiroler Notfall-Psychologin Verena Wolf über den Umgang mit Ausnahme-Situationen
Pläne für Anschlag gefunden
Polizei veröffentlicht Details zu Amoklauf in Graz: Schüsse fielen während Maturaprüfungen
Ex-Schüler eröffnete Feuer