Windkraft für Einsteiger

Kitesurfen und Segeln in Tirol

Steuern, bremsen, beschleunigen: Über die Bar und die Leinen werden die Lenkbefehle an den Kite weitergegeben.
© easykite.at

Früh übt sich, wer der Herrscher über die Winde werden will. Beim Kitesurfen und Segeln geht es auch recht flott zur Sache.

Natürlich ist das nur ein Gerücht, dass die Tiroler mit Windkraft nichts am Hut hätten. Es ist schlicht eine Frage des Wie. Und wer einmal staunend verfolgt hat, wie Kitesurfer über das Wasser fliegen und sich bei Sprüngen hoch in die Lüfte erheben oder wie Boote mit prall geblähten Segeln über einen See schießen, der bekommt eine Idee, welche Kräfte hier am Werk sind – die Könner auch lustvoll auskosten.

Die Kunst, den Wind zu beherrschen, kann man schon früh lernen. Ab sechs Jahren dürfen Kinder einen Segelkurs belegen, sofern sie gut schwimmen können. Acht Jahre sind das empfohlene Alter am Achensee, „weil hier der Wind ein bisschen stärker ist“, erklärt Georg Wietzorrek, der Präsident des VTS (Verband Tiroler Segelvereine).

Auf den glitzernden Wellen wird nicht nur geschaukelt: Zum Ende des Jugendkurses wird die erste Regatta gesegelt.
© SCTWV (Werner Gstrein)

Optimist nennt sich das gängige Einstiegsboot, eine Art Seifenkiste mit Segel, die etwas unförmig wirkt, aber erstaunlich schnell und fehlertolerant ist. Luv und Lee, Backbord und Steuerbord – ein paar Begriffe und etwas Theorie sind schon zu büffeln. Dann geht es aber „möglichst schnell ins Wasser“ – mit Schwimmweste und zumindest am kalten Achensee im Neoprenanzug. Den selbstständigen Umgang mit dem Wind zu lernen, das darf man wörtlich nehmen: „Die Kinder sitzen immer allein im Boot“, erklärt Wietzorrek. Der Trainer fährt im Motorboot daneben und weist sie an. „Kinder sind eh so mutig, vor allem die Mädchen“, meint Wietzorrek. „Die Kinder lernen auch nicht nur zu segeln, sondern schnell zu segeln“, betont er den sportlichen Hintergrund. Das Kentern gehört dazu: Wenn der Trainer das Boot umwirft, muss man es selbst wieder aufrichten können – oder zumindest den Kontakt zum Boot halten, bis Unterstützung kommt. „Verlasse nie dein Boot, bevor es dich verlässt“, lautet die Regel.

Ein Nachwuchskapitän am Steuer seines Optimisten.
© SCTWV am Achensee (Werner Gstrein)

Kurse für die Jungen

Drei Tiroler Segelvereine bieten laut Wietzorrek im Sommer Jugendkurse für Einsteiger und Fortgeschrittene an. Am Achensee der SC TWV (7. bis 11. Juli) und der Yachtclub Achenkirch (16. bis 20. Juli), am Plansee der SV Reutte/Sektion Segeln (22. bis 25. Juli). Die Ausrüstung kann man auch ausleihen. Am Ende des Kurses winkt der erste Segelschein. Zudem bestreiten die Nachwuchskapitäne bereits ihre erste Regatta.

Windrichtungen, Sicherheitseinrichtungen, Vorfahrtsregeln und Co. – etwas einschlägige Theorie muss man sich auch für das Kitesurfen aneignen. Und mindestens 14 Jahre alt sein, erklärt Harry Tusch von der Kitesurfschule easyKite. Das hat mit der Stabilität der Wirbelsäule und der Koordinationsfähigkeit zu tun – und dem Sportgerät: „Man braucht ca. 40 Kilogramm und auch eine gewisse Größe, damit man die Bar bewegen kann.“ Das ist die Lenkstange des Kites, mit der man steuert, bremst und beschleunigt. Unterm Strich brauche man aber „mehr Technik als Kraft“.

Im Schnitt erreichen Kitesurfer 20 bis 30 km/h, Prallschutz und Helm sollten da nicht fehlen.
© easykite.at

Training im Stehrevier

Sicherheit ist oberstes Gebot, Stürze sind am Anfang unvermeidlich: Zum Neoprenanzug sollten Prallschutz und Helm getragen werden. Neopren schützt auch „vor Hitze bzw. Sonnenstrahlen und hat Auftrieb“, erläutert Tusch. Erste Versuche mit Lenkdrachen und Wind kann man an Land starten, meist geht es aber flott ins Wasser. „Am Achensee geht’s nur bei Nordwind“, betont Tusch. Trainiert wird im flachen Stehrevier beim Seespitz in Maurach, anfangs ohne Brett. Vier bis sechs Stunden empfiehlt Tusch für Einsteiger. „Da kann man schon gut was lernen. Kinder sind auch meist schneller als alle anderen.“ Wenn es erst einmal mit dem Board klappt, winken „grenzenlose Freiheit der Fahrt, Erholung, Spaß und Action“.