Zehn Tote durch Hitze und Waldbrände, Eltern ließen Zweijährigen in Auto zurück
Die außergewöhnlich frühe und massive Hitzewelle ebbt zumindest in Südeuropa leicht ab – zugleich werden aber ihre dramatischen Auswirkungen bekannt.
In Frankreich, Spanien und Italien sind mindestens zehn Menschen im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen gestorben, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. Unter ihnen war ein zwei Jahre altes Kind, das die Eltern in der spanischen Region Katalonien mehrere Stunden allein im Auto in der prallen Sonne zurückgelassen hatten. Der Bub starb vermutlich an einem Hitzschlag.
In Frankreich sind bei der aktuellen Hitzewelle mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Es gebe zwei Tote nach hitzebedingten Beschwerden, sagte die französische Umweltministerin Agnès Pannier-Runacher. Mehr als 300 Menschen seien von Rettungskräften notversorgt worden. Nähere Details nannte die Ministerin zunächst nicht. Wie der Sen der France Info später berichtete, starb außerdem ein Bauarbeiter bei Arbeiten am Fußballstadion von Auxerre.
Am Dienstag waren weite Teile Frankreichs von Hitze überzogen worden. Für 16 Departements einschließlich der Millionenmetropole Paris galt die höchste Warnstufe Rot. Im Süden und in Zentralfrankreich kletterten die Temperaturen örtlich teils auf mehr als 41 Grad Celsius, in Paris wurden 38 Grad gemessen. Medienberichten zufolge war es an manchen Orten in Frankreich am Dienstag so heiß wie noch nie in einem Juli seit Messbeginn.
Opfer wollten noch mit Auto fliehen
Zu dem in Katalonien verstorbenen Kleinkind nahm die spanische Justiz am Mittwoch Ermittlungen auf, um die genauen Umstände des Todes zu klären. Ebenfalls in Katalonien fand die Feuerwehr in der Nacht zum Mittwoch die Leichen zweier Menschen im Gebiet eines Waldbrandes, bei dem 1800 Hektar Vegetation in Flammen aufgingen. Nach Angaben der Feuerwehr waren sie von den Flammen eingeschlossen worden, nachdem sie vergeblich versucht hatten, im Auto zu fliehen.
Die Behörden riefen etwa 14.000 Menschen in der Region auf, wegen der Waldbrände ihre Häuser nicht zu verlassen. „Die Brände von heute sind nicht wie die früheren“, sagte Regionalpräsident Salvador Illa. „Es sind äußerst gefährliche Brände, die sehr ernst genommen werden müssen.“
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Zwei Hitze tote auf Sardinien
Auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien sind zwei Männer am Strand infolge der Hitze ums Leben gekommen. In der Nähe der Gemeinde Budoni an der Ostküste erlitt ein 75 Jahre alter Mann einen Schwächeanfall, von dem er sich nicht mehr erholte, wie die Rettungsdienste mitteilten. An einem Strand bei San Teodoro, ebenfalls an der Ostküste, starb ein 60-jähriger Mann. Auf Sardinien, der Nachbarinsel von Korsika, überschritten die Temperaturen in den vergangenen Tagen mehrfach die Grenze von 40 Grad.
Italien leidet seit mehr als einer Woche unter der Hitze. Am Mittwoch wurde in 18 Städten Hitze alarm ausgelöst. In Städten wie Florenz und Bergamo brach mehrfach die Stromversorgung zusammen. Auch in der Hauptstadt Rom waren Haushalte vorübergehend ohne Strom. Die Rettungsdienste kamen auch immer wieder Touristen zu Hilfe.
Weiterhin „höchste Vorsicht“
Wie die spanischen Behörden weiter mitteilten, starben bereits am Samstag zwei Menschen in Cordoba und in Barcelona vermutlich an den Folgen eines Hitzeschlags. Umweltministerin Sara Aagesen rief die Bevölkerung zu „höchster Vorsicht“ auf. Mit Blick auf die Waldbrände sei mit einem „sehr problematischen“ Sommer zu rechnen.
Nach Angaben der Wetterbehörde erlebte Spanien den heißesten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Am Samstag waren in Huelva im Süden des Landes 46 Grad gemessen worden, eine neue Höchsttemperatur für den Monat Juni.
Bis zu einer umfassenden Bilanz der Hitzetoten dürften mehrere Monate vergehen. Die bislang schlimmsten Hitzewellen in den Jahren 2003 und 2022 führten nach Einschätzung von Experten in Europa zum vorzeitigen Tod von 70.000 beziehungsweise 62.000 Menschen.
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Schulen in Frankreich geschlossen
In Frankreich galt in vier Départements im Landesinneren am Mittwoch weiter die höchste Hitzewarnstufe. Das extreme Wetter löste eine politische Debatte über die Ausstattung der Schulen aus, die in vielen Fällen nicht auf solche hohen Temperaturen vorbereitet sind. Am Dienstag hatten in Frankreich etwa 2000 Schulen landesweit geschlossen, manche Lehrer unterrichteten ihre Klassen auf dem Schulhof.
Die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) forderte, öffentliche Einrichtungen landesweit mit Klimaanlagen auszustatten. Die Grünen warfen dem RN vor, die Ursachen des extremen Wetters zu übersehen und nichts gegen den Klimawandel unternehmen zu wollen.
Der Juni war der zweitheißeste in Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Wetterdienst rechnete am späten Mittwochabend und am Donnerstag mit starken Gewittern im Osten des Landes. In den Alpen hatten Unwetter infolge der Hitze am Montag zu Schlammlawinen geführt, die unter anderem die Bahnstrecke von Paris nach Mailand lahmlegten. Diese bleibt noch bis mindestens Mitte Juli geschlossen.
Atomium in Belgien geschlossen
In Belgien sollte wegen der Hitze am Mittwochnachmittag erneut das Atomium geschlossen bleiben. Die Niederlande meldeten die erste „tropische“ Nacht des Jahres, in der die Temperaturen nicht unter 20 Grad gesunken sind. Ein spanischer Fernsehsender zeigte unterdessen, dass sich in Sevilla ein Ei kochen ließ, indem der Topf direkt auf die Straße gestellt wurde.
Nach Einschätzung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist die derzeitige Hitzewelle nur ein Vorbote künftiger Wetterereignisse. „Durch den vom Menschen verursachten Klimawandel werden extreme Hitzewellen häufiger und intensiver. Damit müssen wir lernen zu leben“, sagte WMO-Sprecherin Clare Nullis in Genf.
Waldbrände in der Türkei unter Kontrolle
Dafür sind die hitzebedingten Waldbrände im Westen und Süden der Türkei nach Angaben des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft weitgehend unter Kontrolle. Die Brände in der Provinz Izmir an der Ägäisküste, die seit Sonntagabend wüteten, seien „teilweise unter Kontrolle gebracht“ worden, erklärte Landwirtschaftsminister Ibrahim Yumakli in einem Lagebericht am Dienstagabend. „Die Abkühlungsbemühungen werden die ganze Nacht und in den kommenden Tagen fortgesetzt“, fügte er hinzu.
Auch in Hatay und Antakya im Süden der Türkei würden im Zusammenhang mit den dort wütenden Bränden „keine besonderen Schwierigkeiten“ erwartet, betonte er. Das Gebiet war 2023 von einem schweren Erdbeben verwüstet worden. (APA, AFP, dpa, TT.com)