Auftakt zur Sommersammlung

Weltweite Kürzungen: Caritas Tirol bittet dringend um Unterstützung für Westafrika

„Nicht wegschauen“, lautet der Appell von Bischof Hermann Glettler, der Leiterin der Caritas-Auslandshilfe, Julia Stabentheiner (M.), und Caritas-Direktorin Elisabeth Rathgeb.
© Michael Domanig

In Österreich und international werden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe drastisch gekürzt. Die Caritas der Diözese Innsbruck und Bischof Glettler üben scharfe Kritik – und bitten die TirolerInnen umso dringlicher um Unterstützung für konkrete Projekte in den Schwerpunktländern Mali und Burkina Faso.

Innsbruck – Die Caritas der Diözese Innsbruck startet mit ihrer Sommersammlung für die Menschen in den langjährigen Partnerländern Burkina Faso und Mali – unter schwierigen Vorzeichen. Angesichts massiver Kürzungen von Entwicklungshilfemitteln in Österreich und weltweit ließen Bischof Hermann Glettler, Caritasdirektorin Elisabeth Rathgeb und Julia Stabentheiner, Leiterin der Caritas-Auslandshilfe, am Mittwoch mit einem eindringlichen Appell aufhorchen: „Helfen, nicht wegschauen“.

Denn die Gesamtsituation sei dramatisch, betont Rathgeb, die es mit den Worten „Weniger Hilfe, mehr Not“ zusammenfasst. Zum einen sind über 730 Mio. Menschen weltweit von Unterernährung, also Hunger, betroffen, erklärte die Caritasdirektorin unter Berufung auf Zahlen der UN-Welternährungsorganisation FAO und anderer Institutionen. Zwischen 2019 und 2023 stieg diese Zahl um rund 150 Mio. Menschen.

Gründe seien neben bewaffneten Konflikten und Armut vor allem die Auswirkungen der Klimakrise, „von denen die Länder des Südens noch stärker betroffen sind, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben“, so Rathgeb.

Länder wie Burkina Faso und Mali sind von Dürrekatastrophen und anderen Klimakrisen massiv betroffen. Mit Hilfe aus Tirol kann lokal aber einiges bewegt werden.
© Fatoumata Traore/ Photo Bata

Heftige Einschnitte von den USA bis Österreich

Zugleich werden global wie national die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit dramatisch gekürzt. Rathgeb erwartet „verheerende Folgen für Millionen von Menschen“. So hatten die Vereinten Nationen für 2025 ursprünglich mit 44 Mrd. US-Dollar kalkuliert, um 180 Millionen besonders akut von Hunger bedrohten Menschen in 70 Ländern zu helfen. Stand Juni haben die Geberländer davon aber erst ca. 5,6 Mrd. bereitgestellt, also nicht einmal 13 Prozent. Die US-Entwicklungshilfebehörde USAID wurde von der Regierung Trump überhaupt komplett aufgelöst – sie stellte zum Beispiel in Burkina Faso rund die Hälfte aller humanitären Gelder.

„Wer längerfristig Frieden sichern will, muss auch in Gerechtigkeit investieren“, meint Caritasdirektorin Elisabeth Rathgeb – die Kürzung von Mitteln für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe sei daher der falsche Weg.
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Drastische Einschnitte gibt es aber auch in vielen europäischen Ländern – gerade auch in Österreich: Gemäß Doppelbudget der Bundesregierung für 2025/26 werden die Mittel für den Auslandskatastrophenfonds und die Austrian Development Agency (ADA) bis 2026 von 219,1 Millionen Euro auf dann 148,9 Mio. gekürzt, also um rund ein Drittel.

In Zeiten wachsender globaler Krisen bei der humanitären Hilfe zu sparen, ist so, wie in Zeiten besonders intensiver Waldbrände ein Sparprogramm für die Feuerwehr aufzulegen.
Julia Stabentheiner, Leiterin Caritas-Auslandshilfe

Die Kritik an den politisch Zuständigen fällt seitens der Caritas deutlich aus: „In Zeiten wachsender globaler Krisen bei der humanitären Hilfe zu sparen, ist so, wie in Zeiten besonders intensiver Waldbrände ein Sparprogramm für die Feuerwehr aufzulegen“, warnt Auslandshilfe-Leiterin Stabentheiner.

Die Caritas Österreich habe im Verbund mit anderen Hilfsorganisationen sehr klar auf die Folgen der Kürzungen aufmerksam gemacht, sagt Rathgeb. Leider gebe es von der Bundesregierung „bisher keine Signale, dass sich daran etwas ändert“. Dabei war Österreich vom grundsätzlichen Ziel, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zu investieren, schon bisher weit entfernt.

Hilfe aus Tirol – von Brunnenbau bis zu Schulprojekten

Umso drastischer sei das Missverhältnis angesichts der weltweit massiv steigenden Rüstungsausgaben, ergänzen Rathgeb und Glettler: „Hunger und andere humanitäre Tragödien sind kein unabwendbares Schicksal, sondern auch Menschenwerk“, meint der Bischof. Schon ein Bruchteil der Militärausgaben könnte weltweite Hungerkrisen „zumindest entschärfen“.

Gerade angesichts dieser weltweiten Tendenzen der „Entsolidarisierung“ bitte man die Menschen in Tirol dringend, „nicht gleichgültig zu werden, sondern Solidarität und Verbundenheit zu leben“, sagt Glettler. Es sei möglich, von Tirol aus „kleine Hoffnungsbrücken nach Burkina Faso und Mali zu bauen“.

Angesichts weltweiter „Entsolidarisierung“ brauche es die „kleinen Brücken“, die von Tirol nach Westafrika gebaut werden, umso mehr, meint Bischof Glettler.
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Mit Spenden aus Tirol können in den beiden westafrikanischen Ländern ganz konkrete Projekte umgesetzt werden, betont Stabentheiner: Dazu zählen Bau und Instandsetzung von Brunnen samt landwirtschaftlichen (Klein-)Projekten rundherum, etwa Gemüsegärten, und generell die gezielte Unterstützung von KleinbäuerInnnen, besonders Frauen. So sei es vielfach gelungen, die Ernährungssituation von Familien zu verbessern – etwa auch durch verbessertes Saatgut für dürreresistente Pflanzen.

Ebenso werden aber Schulprojekte gefördert, „um Kindern einen durchgehenden Schulbesuch zu ermöglichen“, Opfer von (häufig geschlechtsspezifischer) Gewalt unterstützt oder Gesundheitsprojekte entwickelt. „Es geht aber auch um humanitäre Nothilfe für Tausende Menschen.“

Landwirtschaftliche Schulungen und Saatgutverteilungen zählen zu den Schwerpunkten der Entwicklungszusammenarbeit in Burkina Faso und Mali.
© Fatoumata Traore/ Photo Bata

Kürzungen treffen auch Caritas-Schwerpunktländer

Im Vorjahr habe die Caritas der Diözese Innsbruck in den beiden Ländern immerhin rund 1,8 Mio. Euro investieren können, davon rund ein Drittel aus Spendenmitteln, berichtet Rathgeb. Die Caritas benötige gewisse Eigenmittel aber auch, um bei öffentlichen Institutionen wie der Austrian Development Agency Ansuchen für weitere Fördermittel stellen und so größere Projekte abwickeln zu können.

Die Auswirkungen der Kürzungen seien vor Ort schon spürbar, betont Stabentheiner. Die Caritas-Partnerorganisation in Burkina Faso habe zuletzt etwa 45 Personen entlassen und teils Projekte stoppen müssen. Burkina Faso wie Mali sind auch von Fluchtkrisen betroffen, die in Europa kaum bekannt sind, obwohl allein die Zahl der Binnenflüchtlinge jeweils in die Hunderttausenden geht.

In Entwicklungspolitik zu investieren, sei daher „nicht nur moralisch geboten, sondern einfach auch vernünftig“, so das Fazit von Stabentheiner – wirtschaftspolitisch „und weil so verhindert werden kann, dass Krisen eskalieren“.

„Entwicklungszusammenarbeit kann verhindern, dass Krisen eskalieren“, betont Julia Stabentheiner – mit hohen Folgekosten durch Flucht und Gewalt.
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Läutende Glocken und Benefizkonzert

Im Zuge der Caritas-Sommerkampagne, die bis Ende August läuft, sind besondere Aktionen geplant: Am 25. Juli werden um 15 Uhr österreichweit fünf Minuten lang Kirchenglocken läuten, um auf die Situation von Millionen hungernder Menschen aufmerksam zu machen. Am 15. August (Hoher Frauentag) findet im Rahmen der Gottesdienste die große Kirchensammlung für die Menschen in Burkina Faso und Mali statt.

Und bereits am Abend des 2. Juli (20 Uhr) spielt die Militärmusik Tirol am Innsbrucker Domplatz zum Benefizkonzert auf.

Spendenkonto

Caritas Innsbruck

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Verwendungszweck: Hungerhilfe Westafrika

Oder online unter: www.caritas-tirol.at/spenden

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