Anklage nach Brandanschlag auf jüdischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs
Hakenkreuz-Schmierereien und Feuer in der Zeremonienhalle. Der 27-jährige Angeklagte war vorher nicht aufgefallen. Er bestreitet dem Vernehmen nach die Täterschaft.
Wien – Ein 27-jähriger Österreicher wird wegen nationalsozialistischer Betätigung angeklagt. Er soll in der Nacht auf den 1. November 2023 einen Brandanschlag auf den jüdischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs verübt haben. Der Vorraum der Zeremonienhalle beim Tor IV brannte aus. Die Außenmauern des Gebäudes wurden mit Hakenkreuzen und Schriftzügen verunstaltet.
Der Mann war bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten und dürfte auch nicht in einschlägigen antisemitischen Kreisen verkehrt haben. Der Verfassungsschutz hatte ihn nicht am Radar. Der Mann bestreitet dem Vernehmen nach den nächtlichen Anschlag, bei dem ein Brandbeschleuniger eingesetzt wurde. Spuren am Tatort, ein DNA-Gutachten und die Ergebnisse einer Handy-Auswertung belasten ihn aber.
Lange Haftstrafe droht
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Brandstiftung und schwere Sachbeschädigung als Mittel nationalsozialistischer Betätigung vor. Er kommt vor ein Schwurgericht. Im Fall eines Schuldspruchs droht ihm eine hohe Haftstrafe. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest. Der Beschuldigte ist auf freiem Fuß.
Mutmaßlicher Mittäter bisher nicht ausgeforscht
Vermutlich gab es bei dem Brandanschlag einen Mittäter. Darauf lässt jedenfalls eine am Tatort zurückgelassene Flasche schließen, an der sich die genetischen Merkmale eines weiteren Mannes nachweisen ließen.
Der jüdische Friedhof am Tor IV des Wiener Zentralfriedhofs ist mit mehr als 241.000 Quadratmetern eine der größten jüdischen Ruhestätten Mitteleuropas. Er wurde ab 1916 belegt, nachdem die frühere jüdische Abteilung in einem anderen Teil des Zentralfriedhofs zu klein geworden war. (APA, TT)