US-Rapper Sean „Diddy" Combs teilweise schuldig gesprochen
Im Prozess gegen Sean „Diddy“ Combs wegen Sexualstraftaten haben die Geschworenen den früheren Rap-Superstar teilweise schuldig gesprochen. Dem Rapper droht nun eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren - und auch diese ist laut Experten unwahrscheinlich.
Im Prozess gegen Sean „Diddy“ Combs wegen Sexualstraftaten haben die Geschworenen den früheren Rap-Superstar am Mittwoch in New York teilweise schuldig gesprochen. Das teilte die Jury dem Gericht übereinstimmenden US-Medienberichten zufolge mit. Konkret erfolgte ein Schuldspruch in den Anklagepunkten zur Prostitution, in den schwerwiegendsten Punkten gab es aber Freisprüche. Combs hatte in dem Prozess häusliche Gewalttaten eingeräumt, die anderen Anklagepunkte aber zurückgewiesen.
Die Staatsanwaltschaft warf Combs vor, Frauen und Männer sexuell missbraucht und mit Drohungen und Gewalt zur Teilnahme an Drogen- und Sex-Partys genötigt zu haben. Verurteilt wurde er letztlich wegen der Prostitution von Frauen, im schwerwiegendsten Punkt – der Bildung einer kriminellen Vereinigung – wurde seine Schuld jedoch verneint. Auch vom Sexhandel in zwei Fällen wurde er freigesprochen.
Strafmaß zu einem späteren Zeitpunkt
Dem Rapper droht nun eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren – und auch diese ist laut Experten unwahrscheinlich. Der ehemalige Bundesstaatsanwalt Mitchell Epner sagte der New York Post, dass der Rapper nach den Bundesrichtlinien wahrscheinlich eine viel geringere Strafe erhalten werde als die mögliche Höchststrafe von 20 Jahren.
„Der Ausgangspunkt nach den geltenden US-Richtlinien für einen Schuldspruch wegen 'Transport über Staatsgrenzen zum Zweck der Prostitution' wird ein Strafrahmen von 15 bis 21 Monaten sein“, so der Anwalt. Seit der Verhaftung am 16. September 2024 hat Combs bereits knapp zehn Monate im Gefängnis verbracht, je nach Urteil könnte er nach kurzer Zeit wieder freigelassen werden.
Das Strafmaß für den seit September in Untersuchungshaft sitzenden Combs soll wie üblich zu einem späteren Zeitpunkt von Richter Arun Subramanian bekannt gegeben werden. Ob Combs bis zur Strafmaßverkündung auf freiem Fuß bleiben kann, wollte das Gericht noch am Mittwoch entscheiden.
Zeugen fordern weitere Inhaftierung: „Stellt Bedrohung dar!“
Rechtsanwalt Doug Wigdor, der die Hauptzeugin und Ex-Freundin Cassie Ventura vertritt, forderte das Gericht in einem Schreiben auf, Combs' Freilassung abzulehnen.
In dem Schreiben begründete Wigdor, dass Ventura „glaubt, dass Mr. Combs wahrscheinlich eine Gefahr für die Opfer, die in diesem Fall ausgesagt haben, einschließlich ihrer selbst, sowie für die Gemeinschaft darstellt“.
Auch der ehemalige Stylist Deonte Nash forderte den Richter auf, Combs in Haft zu behalten, „da er immer noch eine ernsthafte und unmittelbare Bedrohung für die Opfer, Zeugen und die Allgemeinheit darstellt“, berichtet NBC.
Nash, der aussagte, dass er Zeuge war, wie Combs Cassie Ventura körperlich misshandelte, schlug sich auf die Seite der Staatsanwaltschaft und forderte, dass der Angeklagte bis zur Urteilsverkündung in Haft bleiben solle.
„Viele von uns wissen aus erster Hand, welche Angst er den Menschen in seiner Umgebung einflößt“, sagte Nash in einem heute von der Staatsanwaltschaft eingereichten Schreiben. „Ich kann ohne zu zögern sagen, dass er eine ernsthafte und unmittelbare Bedrohung für Opfer, Zeugen und die Allgemeinheit darstellt. Seine Gewalttätigkeit – insbesondere im Zusammenhang mit dem Menschenhandel zum Zwecke der Prostitution – und sein unkontrollierter Drogenmissbrauch machen deutlich, dass er nicht in der Lage ist, sich wieder sicher und verantwortungsbewusst in die Gesellschaft einzufügen.“
Weiter heißt es in dem Schreiben: „Selbst wenn die Inhaftierung hier nicht obligatorisch wäre, was sie ist, kann der Angeklagte seiner Beweislast nicht gerecht werden, indem er eindeutig und überzeugend nachweist, dass er wahrscheinlich nicht fliehen oder eine Gefahr für andere Personen oder die Gemeinschaft darstellen wird.“
Combs nahm das Urteil im Beisein seiner Mutter und seiner Schwester im Gerichtssaal entgegen. Nach der Verkündung schlug Combs Medienberichten zufolge die Hände zusammen, legte sie dann kurz über sein Gesicht und atmete aus. Dann lächelte er, schüttelte einem seiner Anwälte die Hand, blickte zu seiner Familie, legte dann seine Hände dankend zusammen und bedankte sich leise flüsternd bei den Geschworenen.
Combs hatte auf „nicht schuldig“ plädiert
Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte dem Rapper vorgeworfen, über Jahre hinweg Frauen missbraucht, bedroht und genötigt zu haben, seine sexuellen Wünsche zu erfüllen. Er habe ein „kriminelles Unternehmen“ mit Helfern geführt. Mehrere Frauen hatten in dem mehrwöchigen Prozess von jahrelangen schweren sexuellen und körperlichen Misshandlungen berichtet. Combs hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen und auf „nicht schuldig“ plädiert.
Der Anklagepunkt der Verschwörung zur organisierten Kriminalität war ursprünglich für Bandenkriminalität wie jene der Mafia geschaffen worden. Dieser Vorwurf wurde schon bei dem Prozess gegen Sänger R. Kelly erfolgreich eingesetzt, um eine systematische Struktur von sexuellem Missbrauch offenzulegen. Dieser Anklagepunkt gegen Combs wog schwer – doch die Staatsanwaltschaft konnte die Juroren nicht überzeugen, dass der Angeklagte seine Handlungen zusammen mit einem Netz Eingeweihter betrieben hat. Das setzt ein Wissen aller Beteiligten voraus, dass das Verhalten strafbar ist.
Intime Sex-Details öffentlich ausgebreitet
Wegen zahlreicher schlüpfriger Aspekte war der Prozess auch ein Clickbait- und Boulevard-Fest. Millionen Amerikaner und Menschen weltweit verfolgten den Prozess in den Medien, die intimen und auch verstörenden Details zu dem Fall wurden Teil des täglichen Klatsches und Tratsches vieler Leute.
Das Verfahren weckte Erinnerungen an ähnliche Prozesse wegen Sexualstraftaten gegen Ex-Superstars in den vergangenen Jahren – unter anderem gegen den Musiker R. Kelly, den Comedian Bill Cosby oder den Produzenten Harvey Weinstein. Die Vorwürfe gegen Weinstein hatten die weltweite MeToo-Bewegung angestoßen.
Zahlreiche weitere Anschuldigungen gegen Combs
Neben der Anklage der New Yorker Staatsanwaltschaft gibt es auch noch zahlreiche Zivilklagen gegen Combs. Unter anderem vertritt eine Anwaltskanzlei im texanischen Houston eigenen Angaben zufolge rund 120 Menschen mit Vorwürfen gegen den Rapper. Der 1969 im New Yorker Stadtteil Harlem geborene Combs gehörte mit Hits wie „I'll Be Missing You“ und „Bad Boy For Life“ in den vergangenen Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Rappern der Welt.
Der Musiker, der dreimal verheiratet war und sieben Kinder hat, gründete auch ein eigenes Label und war mit einer Modemarke erfolgreich. Unter anderem seine Familie und der Rapper Kanye West hatten im Gerichtssaal ihre Unterstützung für Combs gezeigt. (APA/dpa)
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