Wachstum durch Migration

Viertel der Bevölkerung ist zugewandert: Plakolm mahnt Bereitschaft zur Integration ein

Claudia Plakolm am Mittwoch bei der Vorstellung der Migrationszahlen. Diese stammen von der Statistik Austria.
© APA/Langwieser

In Österreich Geborene sehen das Zusammenleben zwischen Österreichern und Migranten kritisch. Integrationsministerin Plakolm warnt vor Parallelgesellschaften.

Wien – „Migration ist ein zentraler Punkt für die Bevölkerungsentwicklung in Österreich – diese wächst seit vielen Jahren ausschließlich durch Migration“, sagte Stephan Marik-Lebeck bei der Präsentation des Berichts der Statistik Austria. Das heißt? Österreich würde schrumpfen. Langfristig auf das Niveau der 1950er-Jahre. Denn derzeit gebe es in Österreich „etwas mehr Sterbefälle als Geburten“.

Insgesamt hatte 2024 mehr als ein Viertel der Bevölkerung Migrationshintergrund. Doch wie ist es um das Zugehörigkeitsgefühl bestellt? Auch damit beschäftigte sich die Statistik Austria. Wie funktioniert das Zusammenleben zwischen Österreichern und Menschen mit Migrationshintergrund? Dabei zeigt sich, dass die Kritik unter den in Österreich Geborenen seit 2022 stark angewachsen ist: Während damals nur 25,1 Prozent diesen Punkt als „eher schlecht/sehr schlecht“ bewerteten, sahen dies 2025 bereits 46,2 Prozent so kritisch. Nur 20,9 Prozent bewerteten das Zusammenleben zuletzt als „sehr gut/eher gut“.

Auf den ersten Blick ein gutes Ergebnis. Es gehört aber mehr dazu, als sich zugehörig zu fühlen. Es gehört dazu, dass man etwas leistet.
Claudia Plakolm (Integrationsministerin)

Deutlich besser schätzen Zugewanderte das Miteinander zwischen ÖsterreicherInnen und MigrantInnen ein. 57,9 Prozent sehen es als „sehr gut“ oder „eher gut“, nur 13,7 Prozent als „eher schlecht/sehr schlecht“.

Integrationsministerin Claudia Plakolm (ÖVP) sagte dazu: „Es gehört mehr dazu, als sich zugehörig zu fühlen. Es gehört dazu, dass man auch etwas leistet. Das bedeutet, dass man die Sprache lernt, sich um den Job kümmert, die Familie selbst erhält, sich an Werte zu halten“ – und keine Parallelgesellschaften aufzubauen. „Wer dauerhaft auf Distanz bleiben möchte und in Parallelgesellschaften lebt, der kann nicht Teil der Gesellschaft sein“, forderte die Ministerin einmal mehr Integrationsbereitschaft ein.

Integration müsse gelingen, „sonst schwindet der Rückhalt in der Bevölkerung“, sagte sie zu der erhobenen kritischen Sicht der in Österreich Geborenen auf das Zusammenleben. Plakolm verwies auch auf die von der Regierung gesetzten bzw. geplanten Schritte wie etwa Wertekurse und die Sanktionsmöglichkeit bei Nichterfüllung von entsprechenden Integrationszielen.

Zahl der Asylanträge gesunken

Die Zahl der Asylanträge ist vom hohen Stand 2022 deutlich gesunken – von 112.272 auf 25.360 im Jahr 2024. Gegenüber den Jahren davor liegt die Zahl freilich noch immer höher: 2018 bis 2019 gab es demnach zwischen 12.886 und 14.775 Anträge. Ministerin Plakolm zeigte sich über das Sinken erfreut, der Trend würde sich auch heuer fortsetzen. „Diese Entwicklung verschafft uns auch die dringend notwendige Luft, damit Integration auch gelingen kann“, sagte sie.

Betrachtet man die Personengruppe mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft (1,85 Millionen im Jänner 2025), so kommt die größte Gruppe aus Deutschland (239.500), gefolgt von rumänischen (155.700) sowie türkischen (124.800) und serbischen (122.500) Staatsbürgerinnen und -bürgern. Seit Jahresbeginn 2020 gab es in absoluten Zahlen die stärksten Zuwächse bei Personen mit ukrainischer (+76.300), syrischer (+53.300), deutscher (+39.500), rumänischer (+32.300) und kroatischer Staatsbürgerschaft (+25.800).

Erhoben wurde auch der Sprachgebrauch in verschiedenen Situationen. 45,1 Prozent der Zugewanderten gaben dabei an, zu Hause überwiegend oder ausschließlich in ihrer Herkunftssprache zu kommunizieren. (TT, APA)