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Barockoper ist jetzt!

Maestro Rousset erweckt mit Les Talens Lyriques Traettas „Ifigenia in Tauride“ zum Leben.
© ERIC LARRAYADIEU

Eine Frau zwischen Opfer und Heldin, zwischen antikem Mythos und brennender Aktualität: Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik stellen mit einem außergewöhnlichen Doppelprogramm die Figur der Ifigenia ins Zentrum – und damit eine Geschichte, die zeitloser kaum sein könnte.

Wie in einer modernen Mini-serie wird Ifigenias Leben in zwei Teilen als Vorgeschichte und Fortsetzung erzählt und es entsteht ein faszinierender Bogen zwischen zwei Opern, die den Weg einer Frau zur Selbstermächtigung nachzeichnen. Wer hält die Fäden in der Hand? – Diese Leitfrage der Festwochen 2025 könnte nicht treffender sein. Denn Ifigenia, zunächst den Mächtigen ihrer Zeit unterworfen, nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und wird zur Gestalterin ihrer eigenen Geschichte. In einer Zeit, in der Fragen nach Selbstbestimmung gesellschaftlich so relevant sind wie selten zuvor, erweist sich dieser antike Stoff als überraschend modern.

Diese Brücke zwischen den Zeiten erklärt Eva-Maria Sens, Künstlerische Direktorin der Festwochen, folgendermaßen: „Gerade weil Barock­oper historisch so weit entfernt scheint, bietet sie eine Bühne für neue Perspektiven, für Gegenwartsdeutungen und künstlerische Experimente. Ihre Kraft liegt im Menschlichen und im Möglichkeitsraum, den sie eröffnet. Sie erzählt uns manchmal mehr über uns selbst, als wir erwarten würden.“

Besonders spannend wird das Programm durch die Wiederentdeckung eines lange übersehenen Meisters: Tommaso Traetta, dessen Oper „Ifigenia in Tauride“ von dem Traetta-Experten Christophe Rousset musikalisch geleitet wird. Mit seinem Ensemble Les Talens Lyriques – Koryphäen der Alte-Musik-Szene – verspricht diese Produktion ein Erlebnis von außergewöhnlicher Qualität zu werden.

Zwei Stunden Rückzug in die Welt der Musik

Treten Sie ein und lassen Sie die Welt vor den Türen des Spanischen Saals. Hier erwartet Sie reiner Klang.
© Veronika Lercher

Kunst kann einen Rückzugsort für den Geist darstellen – einen Moment der Ruhe, in dem die Welt aus Klang und Schönheit jene Zeit aussperrt, die uns derzeit manchmal zu überfordern droht. Die Konzerte der Festwochen bieten diese Möglichkeit des Durchatmens mit erleuchteten Bühnen und melodischen Klängen.

Aufrührende Zeiten gab es häufig und an allen Orten. Das Konzert „Im Verborgenen“ am 26.7. bringt Musik auf die Bühne, wie sie vor Jahrhunderten gespielt wurde, als sie verboten war und nur im intimen Kreise erklang.

„The Queen’s Lover“ am 2.8. im Spanischen Saal zeigt die Musiktraditionen verschiedenster europäischer Höfe im 17. Jhd. auf – ein Konzert mit vielfältiger Musik von Holland bis Spanien, von Italien bis England.

Den Beweis dafür, dass auch Mächtige immer schon kritisiert wurden, liefern die Figuren von Shakespeare, die am 15.8. bei „Shakespeare’s Songbook“ musikalisch die Bühne von St. Bartlmä betreten.

Wie Natur uns aus dem Alltag aussteigen lässt, schafft dies das Konzert „Harmonie“ am 18.8. in der Christuskirche, das Händels Naturverehrung in den Mittelpunkt stellt. In seinen „Neun Deutsche Arien“ vertonte er Gedichte, die sich einzig um die Schönheit der Natur drehen.

Festliche Energie, wie die Festwochen sie in Innsbruck verbreiten, aber auch Musik, die zwischen Licht und Dunkelheit pendelt, gibt es bei „Tag & Nacht“ am 24.8. im Riesensaal der Hofburg.

Das Konzert „Salonmusik“ im Spanischen Saal am 28.8. nimmt mit in einen Berliner Salon des 17. Jahrhunderts: Die Akademie für Alte Musik Berlin und die Sopranistin Jiayu Jin, die auch bei der Barockoper:Jung auf der Bühne stehen wird, machen Erinnerungen an vergangene Abende hörbar.

Natürlich gibt es auch Konzerte, in denen Kunst weniger zum Fluchtpunkt wird, als vielmehr zum Widerstand aufruft, Fragen stellt oder einfach Genuss verbreitet. Alle diese Formen sind bei vielen weiteren Veranstaltungen der Festwochen erfahrbar.

Ambraser Schlossfest

Das Schlossfest am 15. August ist ein buntes Spektakel mit Musik und Spielen.
© Pissarek

Gemeinsam mit dem Schloss Ambras veranstalten die Festwochen seit 30 Jahren das Schlossfest. Auch dieses Jahr gibt es am 15. August wieder Gaukler*innen, Musik und Märchen. Wie jedes Jahr finden sich auf der IKB-Spielwiese Spiel und Spaß für die ganze Familie.

Infos & Tickets

Informationen zu allen Veranstaltungen finden Sie unter altemusik.at