Venenschwäche und Epstein-Brief

Brisante Enthüllungen: Warum es für Donald Trump gerade nicht so gut läuft

Zu größerer Transparenz genötigt: US-Präsident Donald Trump und seine Pressesprecherin Karoline Leavitt vor dem Weißen Haus.
© AFP/Watson

Der US-Präsident musste erstmals ein altersbedingtes Gebrechen einräumen. Und er gibt jetzt doch Akten im Fall Epstein frei, den er eigentlich hinter sich lassen wollte. Das war womöglich erst der Anfang einer Reihe von peinlichen bis brisanten Enthüllungen.

Washington – US-Präsident Donald Trump mag politische Erfolge feiern, weil die Republikaner im Kongress selbst seine umstrittensten Entscheidungen durchwinken. Aber was das persönliche Image betrifft, hat der Egomane gleich zwei Rückschläge binnen weniger Stunden hinnehmen müssen.

Das Weiße Haus enthüllte am Donnerstag, dass der Präsident an einer chronischen Venenschwäche leidet. Diese sei unter älteren Männern – Trump ist 79 – recht häufig, und der Präsident erfreue sich weiterhin „bester Gesundheit“, versicherte seine Sprecherin Karoline Leavitt.

Geschwollene Fußgelenke

Doch für Trump ist so eine Mitteilung alles andere als selbstverständlich. Er inszeniert sich gern als Superman von überragender körperlicher und mentaler Fitness – und attackierte im Wahlkampf das Alter seines Kontrahenten Joe Biden. Er würde kaum freiwillig ein altersbedingtes Gebrechen eingestehen.

Dass das Weiße Haus nun doch damit an die Öffentlichkeit gegangen ist, hängt wohl mit Spekulationen über Trumps Gesundheit zusammen. Auf Fotos und Videos waren in letzter Zeit geschwollene Fußgelenke sowie blaue Flecken auf den Händen zu erkennen, die mit Schminke überdeckt waren.

Was kommt als Nächstes?

Die Erklärung, die Leavitt jetzt angeboten hat, wirft aber neue Fragen auf. Denn Trump hatte erst im April seine jährliche Gesundenuntersuchung. Damals war noch nicht von einer Venenschwäche die Rede. Hat der Präsident also über seine Gesundheit gelogen? Räumt er nur das ein, was sich nicht mehr leugnen lässt? Und welches Eingeständnis könnte als Nächstes kommen?

Fast zeitgleich sah sich Trump am Donnerstag auch in einem anderen Bereich zu mehr Transparenz genötigt, als ihm lieb war.

Schimpfe für die eigenen Anhänger

Es geht um den früheren Investment-Banker, Society-Löwen und mutmaßlichen Sexualverbrecher Jeffrey Epstein, der sich in der U-Haft das Leben genommen hat. Unter öffentlichem Druck ordnete der Präsident am Donnerstag an, dass die Akten der Grand Jury freigegeben werden, die Epstein 2019 angeklagt hatte.

Viele Amerikaner verdächtigen die Regierung, Informationen zurückzuhalten, um die Elite zu schützen, die mit Epstein verkehrte. Dazu zählte auch der heutige Präsident. Trump versuchte in den vergangenen Tagen vergeblich, die politischen Flutmauern hochzuziehen. Er beschimpfte sogar die eigenen Anhänger als „Schwächlinge“, die auf einen „linksradikalen“ Schwindel hereinfallen würden.

Schlüpfrige Wünsche für Epstein

Dass er der Öffentlichkeit nun doch mehr Einblick in den Fall gewährt, mag mit zwei Gründen zusammenhängen.

Erstens berichtete das Wall Street Journal über einen Geburtstagsbrief, den Trump im Jahr 2003 an Epstein geschrieben haben soll. Der Brief soll die Zeichnung einer nackten Frau sowie zweideutigen Text enthalten haben. Unter anderem heiße es in dem Brief, dass Trump und Epstein gewisse Dinge gemeinsam hätten – gefolgt von einem Wunsch: „Möge jeder Tag ein weiteres wunderbares Geheimnis sein.“ Vor dem Hintergrund, dass Epstein minderjährige Prostituierte vermittelt haben soll, wäre ein solcher Brief aus heutiger Sicht für den Präsidenten peinlich bis brisant.

Rebellion im Repräsentantenhaus

Trump dementierte heftig, den Brief verfasst zu haben, und kündigte an, gegen das Wall Street Journal und dessen Eigentümer Rupert Murdoch vor Gericht zu ziehen. Selbst Vizepräsident JD Vance mischte sich ein; auf der Plattform X nannte er den Bericht „absoluter Bullshit“. Jene, die die Regierung einer Vertuschung verdächtigen, dürfte das allerdings kaum besänftigen – eher im Gegenteil.

Der zweite Grund für die Offenlegung einiger Unterlagen dürfte sein, dass Trump die erste Niederlage im Kongress drohte. Die Republikaner haben zwar seine Politik und Personalwünsche bisher abgenickt, aber im Fall Epstein drohte eine offene Rebellion der Abgeordneten, die wiederum unter dem Druck ihrer Wähler stehen. Laut New York Times zeichnete sich eine Mehrheit für eine – nicht bindende – Resolution ab, die vom Justizministerium die Veröffentlichung aller Akten fordert.