Hunger und Tod im Gazastreifen

UNO übt scharfe Kritik an Israels Gaza-Politik: „Neues Ausmaß der Verzweiflung“

Die humanitäre Lage der Menschen im Gazastreifen ist katastrophal. Bei der Verteilung von Lebensmitteln wurden bereits Hunderte getötet.
© imago/Anadolu

Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen üben scharfe Kritik an Israels Vorgehen im Gazastreifen. Neue Offensive der Armee im Zentrum Gazas.

Gaza – UNO-Hilfsorganisationen üben scharfe Kritik am jüngsten Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen und der sich dort verschärfenden humanitären Lage. Die „Hungerkrise“ in Gaza habe „ein neues Ausmaß an Verzweiflung“ erreicht, beklagte das Welternährungsprogramm (WFP) auf X. Die Armee habe am Sonntag auf eine große Menschenmenge nahe eines WFP-Hilfskonvois geschossen, zahlreiche Menschen seien getötet worden.

Nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde in Gaza wurden am Sonntag mindestens 93 Palästinenser in dem abgeriegelten Küstenstreifen getötet. Die meisten davon bei einem Vorfall im Norden. Laut dem WFP hatte sich eine Menschenmenge einem Konvoi aus 25 Lkw genähert, als dieser den Grenzübergang Zikim überquerte. Daraufhin sei die Menge unter israelischen Beschuss geraten.

Um die Verteilung von Lebensmitteln kümmert sich in weiten Teilen Gazas die umstrittene Gaza Humanitarian Foundation (GHF). Israel hatte den neuen Verteilmechanismus eingeführt, um zu verhindern, dass die Hamas Hilfsgüter abzweigt. Die UNO kritisiert, dass die Stiftung zu wenige Verteilzentren im Gazastreifen betreibe und dass Menschen dort und auf dem Weg dahin großen Gefahren ausgesetzt seien.

Neue Offensive der Armee

Israels Armee kündigte unterdessen an, ihre Einsätze in Deir al-Balah im Zentrum Gazas auszuweiten, und rief die Menschen in mehreren Vierteln dazu auf, sich in den Südwesten zu begeben. Aus Sicht des UNO-Nothilfebüros OCHA ist dies ein weiterer Rückschlag für die humanitären Bemühungen. Nach ersten Schätzungen hätten sich zum Zeitpunkt der Anordnung bis zu 80.000 Menschen in dem betroffenen Gebiet aufgehalten, erklärte OCHA. In dem neu ausgewiesenen Einsatzgebiet befinden sich unter anderem mehrere Lagerhäuser für humanitäre Hilfe, vier Kliniken sowie ein Wasserreservoir. (TT, dpa)