Warnung vor Hungersnot in Gaza wird immer lauter: „Menschen siechen dahin“
111 Hilfsorganisationen warnen vor einer „Massenhungersnot“ im Gazastreifen. Die Weltgesundheitsorganisation beklagt „systematische Zerstörungen“ von Gesundheitseinrichtungen.
Gaza – Die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen spitzt sich immer weiter zu, auch angesichts einer neuen Offensive der israelischen Armee. Wegen der verheerenden Lage im abgeriegelten Küstenstreifen haben nun mehr als 100 Hilfsorganisationen vor der Ausbreitung einer „Massenhungersnot“ gewarnt.
In einer am Mittwoch veröffentlichten und von 111 Organisationen unterzeichneten Erklärung hieß es, dass „unsere Kollegen und die Menschen, denen wir helfen, dahinsiechen“. Zu den Unterzeichnern gehören Ärzte ohne Grenzen (MSF), Save the Children und Oxfam.
UNO soll wieder zentrale Rolle übernehmen
Die Organisationen forderten sofortige Verhandlungen über eine Waffenruhe, die Öffnung aller Grenzübergänge, die Rückkehr zu von der UNO kontrollierten Hilfsstrukturen und den ungehinderten Fluss von Hilfsgütern.
Die UNO hatte am Dienstag mitgeteilt, dass israelische Soldaten seit Beginn der Arbeit der von den USA und Israel unterstützten umstrittenen Hilfsorganisation GHF Ende Mai mehr als 1000 Palästinenser getötet hätten, während diese versuchten, sich Nahrungsmittel zu verschaffen. Einen anderen Hilfsmechanismus als die GHF lässt Israel nicht zu. Vor der GHF hatte Israel wochenlang jede Hilfe blockiert.
Auch die WHO warnt eindringlich
„Die 2,1 Millionen Menschen, die im Kriegsgebiet Gaza gefangen sind, sehen sich neben Bomben und Kugeln mit einem weiteren Killer konfrontiert: dem Hungertod“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf. „Wir erleben täglich einen Anstieg der Todesfälle aufgrund von Unterernährung“, warnte der WHO-Direktor. Seit Mitte Juli seien die Zentren überfüllt, die Kinder mit akuter Unterernährung aufnehmen.
Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) lebt inzwischen ein Viertel der Bevölkerung „unter hungersnotähnlichen Bedingungen“. Die WHO verurteilte den Angriff von Israels Armee auf das WHO-Hauptlager in Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens scharf: Er sei „Teil einer systematischen Zerstörung von Gesundheitsanlagen“, teilte die Organisation auf X mit. Auch UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich schockiert.
EU-Chefdiplomatin appelliert an Israel
Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte Israels Vorgehen scharf. Die „Tötung von Zivilisten“, die bei den Verteilzentren der GHF Hilfe suchten, sei „nicht zu rechtfertigen“, schrieb sie auf X. Im Gespräch mit Israels Außenminister Gideon Saar habe sie betont, dass die israelische Armee aufhören müsse, Menschen an Verteilungspunkten für Hilfe zu töten.
Sollten Zusagen nicht eingehalten werden, blieben „alle Optionen auf dem Tisch“. Deutschlands Kanzler Friedrich Merz – Deutschland unterzeichnete die Erklärung von 27 Außenministern, die ein sofortiges Ende des Gaza-Krieges verlangen, nicht – bezeichnete die Situation als „nicht länger hinnehmbar“.
USA hoffen auf Waffenruhe
Die Verhandlungen in Katar über eine 60-tägige Waffenruhe im Gazastreifen kommen weiter nicht vom Fleck. US-Sondergesandter Steve Witkoff will nun Druck machen. Er erklärte, einen Deal bis Ende dieser Woche erreichen zu wollen. (TT, APA, dpa, AFP)
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