500 Mitarbeiter sind betroffen

Kundgebung in Reutte gegen zwei Werksschließungen von Plansee in Deutschland

Rund 120 Beschäftigte aus Deutschland demonstrierten im Außerfern.
© Helmut Mittermayr

Freitag übergab der Betriebsrat der Ceratizit Empfingen ein Positionspapier zur bevorstehenden Standortschließung an den Vorstand der Plansee Holding AG. Im Anschluss fand eine Kundgebung in Reutte statt. Die Verhandlungen zur Ausarbeitung eines Sozialplans laufen bereits.

Breitenwang – Das Wetter war so trüb wie die Stimmung. Da konnten auch Trillerpfeifen, Sirenen und Ratschen nichts daran ändern, die dem Treffen zusätzliches Gehörtwerden verleihen sollten. 120 Mitarbeiter und IG-Metall-Vertreter waren aus Empfingen im Schwarzwald mit drei Bussen ins Plansee-Headquarter gekommen. Sie forderten, die angekündigten Schließungen zweier Werke in Baden-Württemberg mit 31. Dezember 2026 zurückzunehmen oder zumindest beim gerade verhandelten Sozialplan stark nachzubessern.

Die Autozulieferer in Baden-Württemberg erleben schwere Zeiten. Mehrere Unternehmen wurden schon geschlossen, Ende Dezember 2026 kommen zwei Werke von Ceratizit (Plansee Group) dazu. Freitagvormittag hat der Betriebsrat des Ceratizit-Standorts Empfingen ein Positionspapier zur bevorstehenden Schließung an Andreas Schwenninger, Vorstandsmitglied der Plansee Holding AG, übergeben. Auch Michael Graf, Head of Human Resources und Melissa Albeck, Vorständin von Ceratizit, stellten sich den Demonstranten.

Der Betriebsrat des Ceratizit-Standorts Empfingen hat ein Positionspapier an Personalchef Michael Graf (l.), Andreas Schwenninger, Vorstandsmitglied der Plansee Holding AG und Ceratizit-Vorständin Melissa Albeck (r.) übergeben.
© Helmut Mittermayr

Im Anschluss marschierten die deutschen Beschäftigten vom Werkstor des Plansee-Headquarters in Breitenwang zum Isserplatz nach Reutte. Dort fand eine von der BH Reutte genehmigte Kundgebung der IG Metall statt. Danach ging es wieder dreieinhalb Stunden zurück.

„Sozialer Verantwortung bewusst“

Die Vorverhandlungen zur angekündigten Werksschließung sind bereits abgeschlossen. Die Mitarbeiter wurden im März informiert. Es geht um zwei Werke in Empfingen und Besigheim, 500 Arbeitsplätze gehen verloren. Aktuell finden Verhandlungen zwischen den Geschäftsführungen der Standorte und den Arbeitnehmervertretern zur Erarbeitung eines Sozialplans statt.

Die Planseeführung hieß die Demonstranten am Werkseingang willkommen und zeigte sich gesprächsbereit. Wenn auch ohne gute Nachrichten. „Die Entscheidung zu den Schließungen ist eine schmerzhafte, aber notwendige Konsequenz der aktuellen globalen Rahmenbedingungen. Nach intensiver Prüfung aller Alternativen stellt sie die einzige wirtschaftlich tragfähige Lösung dar. Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst und setzen deshalb alles daran, in den Gesprächen gute und faire Lösungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden“, bekräftigt Andreas Schwenninger.

Bilder von der Demo

© Helmut Mittermayr

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Im März hatte der Vorstand der Ceratizit aufgrund des anhaltend hohen Kostendrucks und der auf absehbare Zeit herausfordernden Auftragslage vor allem in der Automobilindustrie angekündigt, sein internationales Produktionsnetzwerk neu auszurichten. In diesem Zuge werden die deutschen Standorte Besigheim und Empfingen im Laufe des Jahres 2026 zugesperrt. Die bislang an den beiden Standorten gefertigten Produkte werden künftig an anderen Standorten in Luxemburg und Italien hergestellt.

📽️ Video | Kundgebung in Reutte

„Popeliges Angebot“

Schwenninger betonte im Gespräch mit einer Abordnung der Demonstranten, dass man es sich nicht einfach gemacht habe. Das deutsche Werk habe bereits Verluste geschrieben. Auch die Langzeitrendite von unter fünf Prozent sei schon lange so gering, dass auch nur leichte Schwankungen im Markt rote Zahlen brächten.

Ein Sprecher der Demonstranten erklärte, dass man mit „dem Nachteilsangebot nicht zufrieden“ sei. Also Plansee beim Sozialplan nachbessern solle. „Wir lassen uns mit dem popeligen Angebot nicht abspeisen“, rief ein Mann aus der Menge.