Von der Kletterhalle in die Bergwelt

Griff für Griff in die Welt des Kletterns

Klettern ist längst ein Ganzjahressport geworden: In Tirol gibt es mehr als 30 Hallen, in denen man auch im Winter und bei schlechtem Wetter klettern kann wie hier in Wörgl.
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Ihren Weg in die Bergwelt starten immer mehr Menschen auf den bunten Routen und gesicherten Wänden heimischer Kletterhallen.

Langsam schiebt sich die junge Frau über die etwa 15 Meter hohe, senkrechte Wand nach oben. Sie spannt ihren Körper an, hält inne, schüttelt ihre rechte Hand, weißer Staub flimmert gen Boden. Ihr rechter Fuß ist an eine schwarze Ausbuchtung gedrückt, das linke Bein lang durchgestreckt, sie greift nach oben und zieht sich mit einer kräftigen, geschmeidigen Bewegung weiter und erreicht den letzten Griff, bevor sie sich in das Seil sinken lässt und entspannt an der künstlichen Wand im Außenbereich der Kletterhalle in Telfs nach unten gleitet. Währenddessen probieren auf einer niederen Wand daneben drei Männer an der immer wieder gleichen Stelle ihre Kletterkünste aus. Am Boden sind dicke Matten ausgelegt, die sie bei einem Sturz weich auffangen.

Tobias begann vor eineinhalb Jahren mit dem Klettern. Und ist begeistert von der Sportart, bei der auch die mentale Komponente eine große Rolle spielt.
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Ein ähnliches Bild zeigt sich im Innenbereich. Immer wieder versuchen sich einige junge Kletterer an der gleichen, nicht ganz so einfach zu bewältigenden Stelle. Sie lachen dabei und haben offensichtlich auch im Scheitern ihren Spaß. Einer der jungen Kletterer ist Tobias. Er begann erstaunlicherweise erst vor knapp eineinhalb Jahren gemeinsam mit zwei Freunden mit dem Klettern. „Wir haben nach einem neuen Hobby gesucht, und da wir gerne in den Bergen sind, war es naheliegend, mit dem Klettern zu beginnen“, erzählt der junge Mann begeistert. Sie sind daraufhin einfach in die Kletterhalle gegangen und haben dort beim Bouldern die ersten Schritte gemacht. Unterstützt von erfahreneren Besuchern der Halle. Erst später haben sie den Umgang mit Seil, Knoten, Sichern und Kommandos gelernt und sich im freien Gelände an die Wände gewagt.

Kletterjargon für Anfänger

Bouldern: Klettern ohne Seil, in Absprunghöhe, meist an Wänden bis etwa vier Meter. Dicke Matten am Boden schützen vor Verletzungen.

Toprope: einsteigerfreundliches Seilklettern: Das Seil ist bereits oben befestigt, die Sicherung erfolgt von unten. Man kann praktisch nicht „weit“ stürzen.

Vorstieg: Das Seil wird beim Hochklettern Stück für Stück in Zwischensicherungen eingehängt. Erfordert Technik, Mut und aufmerksames Sichern.

Gurt: wird um Hüfte und Beine getragen und ist über das Seil mit dem Sicherungssystem verbunden. Pflicht beim Seilklettern.

Sicherungsgerät: Hilfsmittel, mit dem der Kletterpartner oder die -partnerin das Seil kontrolliert, zum Ein- und Ausgeben von Seil und zum Halten im Falle eines Sturzes.

Karabiner: ovaler oder D-förmiger Metallhaken mit Schnapper. Verbindet Gurt, Seil, Sicherungsgerät und Zwischensicherungen.

Crashpad: weiche Matte zum Schutz beim Bouldern, meist tragbar und zusammenklappbar, besonders wichtig beim Klettern im Freien

Route/Linie: eine bestimmte Abfolge von Griffen, oft farblich markiert. Die Schwierigkeit ergibt sich aus der Griffart, dem Winkel und der Bewegungstechnik.

Schrauber: umgangssprachlich für die Person, die in der Halle Routen „schraubt“, also Griffe montiert und neue Linien baut

Begeistert sind Tobias und seine Freunde genauso wie am ersten Tag vom Klettern. Dabei sind es nicht nur die speziellen körperlichen Anforderungen, die das Klettern von anderen Sportarten unterscheidet. Es sind mentale Aspekte, die diese Sportart besonders spannend machen. Für Tobias gewinnt die Sportart ihren besonderen Reiz auch dadurch, dass man seine Ängste überwinden muss, Vertrauen braucht, sich gegenseitig unterstützen und zusammenhalten muss. Beim Klettern geht es eindeutig nicht nur um Muskelarbeit, sondern auch um den Kopf. Man lernt sich selbst kennen und über sich hinauszuwachsen. Auch das ist einer der Gründe, warum sich Klettern immer mehr von einer Randsportart zum Breitensport entwickelte.

Sicherheit, die sitzt: Ob in der Halle oder am Fels, beim Klettern kommt dem richtigen Material eine entscheidende Rolle zu.
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Die Halle in Telfs eröffnete vor zirka neun Jahren. Emanuel Soraperra, einer der Mitgründer und Betreiber der Halle in Telfs, die sich sinnigerweise Bergstation nennt, kennt die Kletterszene seit vielen Jahren. „Seit wir die Halle in Telfs haben, hat sich die Mitgliederzahl des ÖAV Telfs fast verdreifacht“, erzählt Soraperra. Der Kletterboom, der längst kein Boom mehr ist, sorgte beim Alpenverein in ganz Österreich für eine Explosion der Mitgliederzahlen. Inzwischen ist der ÖAV mit fast 730.000 Mitgliedern der bei Weitem größte Verband Österreichs. Man glaubt es kaum, aber der ÖFB kann da längst nicht mehr mithalten.

Beim Klettern bleibt niemand alleine: Die Szene ist bekannt für ihre Offenheit und Hilfsbereitschaft.
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„Klettern ist schon lange kein Boom mehr, es ist eine der beliebtesten Sportarten des Landes“, betont Soraperra deshalb auch zu Recht. Einer der Gründe dafür sind die Kletterhallen. In Tirol gibt es inzwischen etwa 30 Hallen, die garantieren, dass man den Sport auch bei schlechtem Wetter und im Winter ganz problemlos ausüben kann. Und mit ihren vielen Kursen für Kinder und Erwachsene sorgen sie dafür, dass es nicht an Nachwuchs mangelt. Viele Kletterer sind überdurchschnittlich engagiert und helfen gerne. Dementsprechend können die Kletterzentren mit einem einzigartigen Kursangebot aufwarten. Wer das erste Mal in eine Halle kommt, braucht weder Vorkenntnisse noch eigenes Material. Ein Schnupperkurs oder betreutes Bouldern reicht für den Anfang – und schon hängt man am Seil, den Blick nach oben in die Berge gerichtet.

So fällt der Anfang leicht: Top-Kletterhallen in Tirol

Kletterzentrum Innsbruck („Das KI“): eine der größten und modernsten Hallen Europas, viele Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene

Boulder- und Kletterzentrum Bergstation, Telfs: rund 1300 m² Fläche, Klettertreffs für Jugendliche ab 15 Jahre und diverse Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene

Kletterzentrum Imst: Mit seiner beeindruckenden überdachten Kletteranlage bietet es mit 1312 m² eine der größten überdachten Außenanlagen weltweit.

Kletterhalle Wörgl: familiär, mit Kursen und spontanem Klettertreff (z. B. donnerstags), gut für Einsteiger, die Anschluss suchen. Therapeutisches Klettern!

Kletterhalle Ehrwald: wechselndes Routenangebot für Anfänger und Fortgeschrittene, Kurse für Einsteiger

Boulderhalle St. Johann: Szenetreff um den Wilden Kaiser, viele Kurse für Einsteiger (mit günstigen Tarifen, auch für Familien)