Skaten im besten Park des Planeten
Der spektakuläre Skatepark „The Cradle“ im Tiroler Unterland ist ein Treffpunkt für Skate-Begeisterte aller Alters- und Könnensstufen.
„Kemmbs lei eina und tobts eich aus.“ Das lässt sich eine neugierige Gruppe von Nachwuchs-Skatern nicht zwei Mal sagen – und stürzt sich hochmotiviert in den Bowl von „The Cradle“. Den Mitgliedern des Skate & Board Club 31 ist es wichtig, dass die zu den spektakulärsten Skateparks Europas zählende Anlage für alle zugänglich ist. Es kommen nicht nur Skateboarder. Auch BMXler, Rollschuh- und Scooterfahrer dürfen „The Cradle“ nutzen. Das Publikum ist bunt gemischt. Zwischen 5 und 50 sind die meisten „Cradle“-Besucher. Auch viele Mädels haben das Skaten inzwischen für sich entdeckt. „Da hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert“, registriert man im Verein. Auch Profi-Skaterin Alisa Fessl trainiert hier, wenn sie zwischen den internationalen Contests mal wieder zuhause ist.
Europas „skate town“
„The Cradle“ zwischen Rattenberg und Brixlegg erlangte in der Skateboard-Szene schnell Weltruf. Als die Parkanlage vor rund 25 Jahren gebaut wurde, gab es nichts Vergleichbares. Damals wurden sogar die amerikanischen Kult-Parkbauer „Dreamland Skateparks“ aus den Staaten eingeflogen. Es war ihr erstes Projekt außerhalb der USA. Mit dem „besten Park des Planeten“ (Mark Scott/Dreamland Skateparks) wollten sie zur Jahrtausendwende in Europa ein Statement setzen. Die namensgebende Betonhalbkugel „The Cradle“ wurde rasch zur Sensation. In den Folgejahren gaben sich hier Szene-Superstars bei großen Contests die Klinke bzw. das Brettl in die Hand – von Trujillo bis Hassan.
Mehr als ein Sport
Obwohl es seither in „The Cradle“ etwas ruhiger geworden ist, kommen immer noch Skater aus aller Herren Länder. Das 3,8 Meter tiefe „deep end“ und die beiden massiven „hips“ sind neben der „Cradle“ ebenso spektakulär wie herausfordernd. Beim Skaten geht es darum, immer schwierigere Tricks fehlerfrei zu meistern. „Auch als Anfänger hat man schnell Erfolgserlebnisse“, erklärt einer der Brettkünstler. Nach langem, manchmal schmerzhaftem Üben einen neuen Trick endlich zu stehen, sei ein Wahnsinnsgefühl. Für viele Skater ist ihre Leidenschaft aber auch mehr als ein Sport. Skaten ist eine Lebenseinstellung, ein Lebensgefühl und auch Lifestyle. An bestimmte Kleidungsstile oder Musikrichtungen ist Skateboarden heute allerdings nicht mehr gebunden. Es gibt offensichtlich nicht mehr nur das eine Skater-Stereotyp, Skaten ist gesellschaftlich in die Breite gegangen. Auch vom Image der rauhen Party-Szene hat man sich bei „The Cradle“ lösen können. „Es ist jetzt eine neue Generation, und auch wir als die alte Garde haben mit den Jungen neu angefangen. Und das ist auch gut so“, ist man im Verein überzeugt.
Der Betrieb von „The Cradle“ läuft nur durch das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder. Unzählige Stunden unbezahlter Arbeit und hektoliterweise Herzblut stecken im Skatepark, der in Eigenregie betrieben, gewartet, geschliffen und erweitert wird. Über die Jahre hat man sich viel Know-how im Parkbau erarbeitet, das bereits sowohl bei anderen Tiroler Skateparks als auch bei Projekten im Ausland zum Einsatz gekommen ist. Den eigenen Skatepark hat der Verein 2020 um einen weiteren Bowl ergänzt. Die neue, im Eigenbau entstandene Anlage ist für Anfänger, aber auch für ältere Semester gedacht. Der Bowl hat feinere Radien und ist leichter zum Üben. Der große gilt als sehr anspruchsvoll und herausfordernd – auch nach heutigen Maßstäben.
Just drop in and skate
Wer neugierig geworden ist, braucht keine Berührungsängste zu haben. Wenn jemand vom Verein zu den Öffnungszeiten da ist, wird gerne weitergeholfen. Auch wenn man sich mit bestimmten Tricks schwertut, ist man bei den arrivierten Skatern in „The Cradle“ gut aufgehoben. Denn ohne Unterstützung ist man am Anfang oft aufgeschmissen – das wissen ältere Skater aus Erfahrung. „Früher hat einem niemand etwas gezeigt. Man hat versucht nachzumachen, was man in Videos gesehen hat“, sagt einer der erfahrenen Skater. „Da hat man schon für einen ‚Ollie‘ zwei Monate gebraucht.“ Mit ein paar praktischen Tipps gelingt dieser Sprung meist nach ein paar Tagen. Auch für Nicht-Skater gibt es immer wieder Gelegenheiten, „The Cradle“ und seine „Bewohner“ kennen zu lernen. Der Verein verbindet regelmäßig sportliche Bewerbe und kulturelle Events. Der Bowl wird dabei auch ab und zu als Konzertbühne oder Besucherraum genutzt. Der Verein will sich dadurch noch weiter öffnen und die Menschen einladen, den Skatepark zu besuchen. Wer dagegen Skateboard-Sport auf höchstem Niveau erleben will, kommt zum „Bowl Masters“ (s. Infokasten unten). Hier werden die besten Skater der Region und weit darüber hinaus ihre Skills zeigen.
Bowl Masters
Im September 2025 treffen sich Top-Skater zum „Bowl Masters“ im Skatepark „The Cradle“.
Nähere Infos folgen auf: www.facebook.com/thecradleskatepark