Plädoyer für Zwei-Staaten-Lösung

Hunger im Gazastreifen: Weltweiter Druck auf Israel steigt

Bewohner des Gazastreifens stürmen einen mit Hilfsgütern beladenen Lastwagen.
© AFP/Al-Quattaa

In Europa und auch den USA wird die Kritik am Vorgehen Israels im Gazastreifen immer lauter. Auch prominente Israelis fordern Sanktionen.

Gaza, Jerusalem, London – Israel sieht sich wegen der katastrophalen Zustände im umkämpften Gazastreifen einem immer stärkeren internationalen Druck zum Handeln ausgesetzt. Laut internationalen Experten für Ernährungssicherheit zeichnet sich in dem Küstengebiet „das schlimmste Szenario einer Hungersnot“ ab. Sollte die israelische Regierung nicht wesentliche Schritte unternehmen, diese entsetzliche Situation zu beenden und sich zu einem langfristigen, nachhaltigen Frieden bekennen, werde Großbritannien den Staat Palästina anerkennen, erklärte der britische Premier Keir Starmer.

Israels Premier Benjamin Netanjahu reagierte empört. Starmers Entscheidung „belohne den monströsen Terrorismus der Hamas und bestrafe ihre Opfer“. Er fügte auf X hinzu: „Jihadistischer Staat an der Grenze Israels heute wird Großbritannien morgen bedrohen“.

Zwei-Staaten-Lösung

Die britische Regierung weist Kritik an ihren Plänen zur Anerkennung eines palästinensischen Staats entschieden zurück. „Die Hamas ist eine abscheuliche Terrororganisation, die entsetzliche Gräueltaten begangen hat. Hier geht es um das palästinensische Volk. Es geht um die Kinder, die wir in Gaza sehen und die verhungern“, verteidigte die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander die Pläne ihres Landes.

Saudi-Arabien und Frankreich präsentierten unterdessen als Ergebnis einer von ihnen ausgerichteten internationalen Konferenz am Sitz der Vereinten Nationen in New York eine siebenseitige Erklärung. Darin werden „konkrete, zeitgebundene und unumkehrbare Schritte“ zur Umsetzung einer Zwei-Staaten-Lösung vorgeschlagen. Neben der Beendigung des Kriegs zwischen Israel und der Hamas wird in dem Dokument unter anderem auch gefordert, dass die Palästinensische Autonomiebehörde die Verwaltung im Gazastreifen übernimmt. Die USA und Israel haben die Konferenz boykottiert.

Ein israelischer Panzer im Einsatz.
© AFP/Guez

Trump verschärft Ton

US-Präsident Donald Trump verschärft unterdessen den Ton gegenüber Israel und forderte den Verbündeten mit Nachdruck auf, die hungernde Bevölkerung in Gaza mit mehr Lebensmitteln zu versorgen. „Ob man nun von Aushungern spricht oder nicht – das sind Kinder, die hungern“, sagte er auf dem Rückflug aus Schottland. „Ich denke, jeder – es sei denn, er ist ziemlich kaltherzig oder noch schlimmer: verrückt – kann nichts anderes sagen, als dass es schrecklich ist, diese Kinder zu sehen.“ Man werde ihnen die nötige Nahrung bringen.

Israelis fordern Sanktionen

In Israel forderte unterdessen eine Reihe von Prominenten die Welt auf, das israelische Verhalten im Gazastreifen nicht tatenlos hinzunehmen. „Die internationale Gemeinschaft muss Israel mit einschneidenden Sanktionen belegen, bis es diese brutale Kampagne beendet und einen dauerhaften Waffenstillstand umsetzt“, heißt es laut Kathpress in einem Schreiben an die britische Zeitung The Guardian.

Israel hungere die Menschen in Gaza zu Tode und erwäge die Zwangsumsiedlung von Millionen Palästinensern aus dem Gazastreifen, so die Unterzeichner, die sich selbst als „Israelis, die sich für eine friedliche Zukunft für unser Land und unsere palästinensischen Nachbarn einsetzen“, beschreiben. Der Aufruf erfolge aus „tiefer Scham, Wut und Schmerz“. Unterzeichnet wurde der Brief von rund 30 prominenten Israelis, darunter Oscar-Preisträger Yuval Abraham, der ehemalige Generalstaatsanwalt Michael Ben-Yair sowie der frühere Parlamentssprecher und Leiter der Jewish Agency, Avraham Burg.

EU-Reaktion ungewiss

Der von der EU-Kommission am Montag vorgeschlagene teilweise Ausschluss Israels aus dem EU-Forschungsprogramm Horizon wurde bisher nicht von den EU-Botschaftern abgesegnet. Eine Abstimmung über den Vorschlag, der eine Reaktion auf die katastrophale humanitäre Lage im Gazastreifen ist, wurde laut EU-Diplomaten wegen unterschiedlicher Meinungen der EU-Staaten vertagt. Österreich und weitere Delegationen stünden der Aussetzung sehr kritisch gegenüber.

Unterdessen weist Israels Außenminister Gideon Saar jede Schuld Israels von sich. Die Welt übt laut Saar Druck auf die falsche Kriegspartei aus. Nicht sein Land, sondern die Hamas sei für Krieg und Leid im Gazastreifen verantwortlich. Der internationale Druck auf Israel untergrabe die Chancen auf ein Abkommen mit der Hamas und heize die militärische Eskalation an. International werde versucht, „Israel einen palästinensischen Terrorstaat aufzuzwingen“, so Saar. (APA, Reuters, TT)