Flughafen Innsbruck vertröstet

EU ermöglicht künftig mehr Flüssigkeit im Flugzeug-Handgepäck

In Zukunft könnten Kontrollen an europäischen Flughafen schneller gehen: Die EU hat Scanner zugelassen, die flüssigen Sprengstoff erkennen können. Die flächendeckende Umrüstung dürfte allerdings Jahre dauern.
© Canva

Die Europäische Union hat neue Scanner zugelassen, die flüssige Sprengstoffe verlässlich erkennen können. Ein Ende der 100-Milliliter-Regelung für Flüssigkeiten im Handgepäck wird allerdings noch dauern: Bis auf Wien-Schwechat warten Österreichs übrige Flughäfen wegen der hohen Anschaffungskosten noch ab, darunter der Flughafen Innsbruck.

Brüssel– In der EU ist der Weg für ein Ende der Flüssigkeitsmengen-Begrenzung bei Flugreisen frei. Die Europäische Union hat Scanner zugelassen, die flüssige Sprengstoffe zuverlässig erkennen können und größere Flaschen im Handgepäck theoretisch erlauben, wie eine Sprecherin der EU-Kommission sagte. Alles Weitere sei nun Sache der Flughäfen.

Für Österreich bedeutet dies, dass in Wien-Schwechat die neuen Scanner schon bald – ab 2026 – ihren Betrieb aufnehmen werden. Auf den anderen heimischen Flughäfen wartet man eher ab, wie ein Rundruf der APA am Freitag ergab. Dabei wurde vielfach auf die für die neuen Scanner notwendigen Umbauarbeiten verwiesen, was auch erhebliche Investitionen mit sich bringe.

Beschaffungsprozess in Wien-Schwechat läuft

Auf dem Flughafen Wien in Schwechat läuft nach Angaben vom Freitag der Beschaffungsprozess für CT-Scanner, die flächendeckende Ausrollung in allen Terminals soll schrittweise im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. In die Umstellung werden 25 Millionen Euro investiert.

Dank der neuen Technologie müssen Flüssigkeiten und elektronische Geräte künftig nicht mehr aus dem Handgepäck genommen werden. „Welche Flüssigkeitsmengen im Handgepäck erlaubt sind, regelt weiterhin die EU“, teilte der Flughafen Wien mit.

Innsbruck: große Investitionen notwendig

Beim Flughafen Innsbruck gab man sich vorerst noch etwas bedeckt. „Es ist noch viel zu früh, dazu etwas zu sagen“, erklärte Sprecherin Nicole Kehle gegenüber der APA. Sollte das Ganze aber wirklich zu einer dauerhaften Regelung werden, werde dies auch in Innsbruck „jedenfalls Thema sein.“

Kehle verwies darauf, dass große Flughäfen solche Scanner zwar schon hätten, diese aber auch dort „nicht flächendeckend“ zum Einsatz kommen würden, etwa in München. In diesem Zusammenhang spielte die Sprecherin auch auf die dafür nötigen „großen Investitionen“ an, die die Anschaffung solcher Scanner mit sich bringen würden.

Der Flughafen Innsbruck gibt sich bei der Lockerung der gültigen Regeln für Flüssigkeiten abwartend. Dafür seien große Investitionen notwendig, heißt es.
© Axel Springer

Bitte warten in Deutschland

Auch in Deutschland dürfte das Ende der 100-Milliliter-Behälter-Regel noch etwas auf sich warten lassen, obwohl entsprechende Scanner längst vorhanden sind. Grund ist, dass es weiter auch alte Geräte gibt und Reisende bisher nicht im Voraus darüber informiert werden können, an welchem Scanner sie die Sicherheitskontrolle durchlaufen werden. Zudem fehlt an manchen neuen Geräten die richtige Software.

Damit wird dort vorerst weiter gelten, dass Fluggäste Flüssigkeiten nur in Behältern mit einem Volumen von bis zu 100 Millilitern mitnehmen dürfen – und diese in einem wiederverschließbaren transparenten Plastikbeutel mit einem maximalen Fassungsvolumen von bis zu einem Liter verpackt sein müssen.

In Salzburg kommt Umrüstung wohl mit Terminal-Neubau

Der Flughafen Salzburg wird die neuen Scanner zunächst nicht einführen. Grund dafür ist ein anstehendes Großprojekt: „Wir sind mitten in den Planungen für den Neubau des Terminals, der 2027 starten soll“, sagte Flughafensprecher Alexander Klaus zur APA. „Es macht keinen Sinn, vor dem Umbau Platz für die Scanner zu schaffen.“

Die Geräte seien zu groß, um später einfach von A nach B umgestellt zu werden. Die Einführung werde darum mit der Fertigstellung des neuen Terminals – geplant ist 2030 – passieren. Nachsatz: „Wir kennen bis jetzt weder die genauen Vorgaben der EU noch etwaige Übergangsfristen. Das müssen wir natürlich berücksichtigen.“ Zugleich stelle sich auch die Frage, wie rasch die Hersteller die Bedürfnisse bedienen können. Allein in Europa gebe es rund 1.000 Flughäfen.

Grazer Flughafen evaluiert

Am Flughafen in Graz wird der Einsatz des Scanners evaluiert, allerdings sei bereits klar, dass dafür größere bauliche Maßnahmen bei der Sicherheitskontrolle getroffen werden müssten, sagte Geschäftsführer Jürgen Löschnig im APA-Gespräch am Freitag. Diese wären auch mit Kosten verbunden. Graz gilt im internationalen Vergleich als kleiner Flughafen. Daher seien die Check-in-Zeiten ohnehin sehr kurz, unterstrich Löschnig. Bis auf Weiteres gelte daher am Flughafen in Graz die 100-Milliliter-Regel.

Linzer Airport wartet auf Erfahrungswerte aus Wien-Schwechat

In Linz seien die neuartigen Scanner zwar ein Thema, man wolle aber als Regionalflughafen erst einmal abwarten, ob und welche Erfahrungen der Airport Wien mache und dann entscheiden, hieß es beim Flughafen Linz. Die Anschaffung der Geräte sei nicht nur teuer, sondern die großen Scanner würden auch bauliche Veränderungen bedeuten. Auch dort gelte daher vorerst die 100-Milliliter-Grenze für Flüssigkeiten im Handgepäck.

Klagenfurt will mittelfristig umrüsten

Mittelfristig sei eine diesbezügliche Umrüstung auch am Flughafen Klagenfurt vorgesehen. Das teilte eine Flughafensprecherin auf APA-Anfrage mit.

Technik aus der Medizin bekannt

Die Technik für sogenannte CT-Scanner ist aus der Bildgebung in der Medizin wohlbekannt. Sie basieren auf der Computer-Tomographie. Passagiere, die selbst schon in einem CT gelegen sind, müssen aber keine Angst haben, dass die Sicherheitskontrolle pro Gepäckstück nun zehn Minuten oder noch länger dauert.

Die 3D-Bildgebung ermöglicht durch das Auftreffen der Röntgenstrahlen aus vielen verschiedenen Winkeln auf das zu untersuchende Objekt nun sehr rasche Analysen von Geräten und Flüssigkeiten, die gegenüber den herkömmlichen 2D-Verfahren um vieles genauer sind.

Für Passagiere bedeutet dies: Elektronische Geräte müssen nicht mehr aus ihren Behältnissen entnommen werden, die 100-Milliliter-Regel ist außerdem zumindest in der Theorie hinfällig. Darüber hinaus würden die CT-Scanner zu einer deutlichen Kapazitätserhöhung führen. Insgesamt sollten sich die Wartezeiten für Flugreisende verringern. (APA/dpa)

Mehr zum Thema:

gutzuwissen
undefined

Teils strenge Regeln

Wie viel Duschgel darf in den Rucksack? Die größten Irrtümer beim Handgepäck im Flugzeug

undefined

Reisegepäck-Guide

Kofferkunde für den Urlaub: Was darf ins Aufgabe- und Handgepäck und wie viel kostet es?

undefined

Von Chikungunya bis Gelbfieber

Reiseimpfungen: Was vor dem Urlaub alle wissen sollten

gutzuwissen
undefined

Gut zu wissen

Wenn das Gepäck auf Reisen geht: Das ist auf Koffer-Suche zu tun

undefined

Hoffen auf Frankfurt-Flüge

Flughafen Innsbruck zieht Bilanz: Mit weniger Passagieren doppelt so viel verdient