Kraftvoll und vollelektrisch: Ford hat den Capri völlig neu gedacht
Einst war der Capri ein kultiger Sportwagen für die Massen. Ford hat die Idee vollelektrisch in die Gegenwart transferiert. Ein sportlicher Viertürer kam heraus.
Gerade vor zwei Wochen bekräftigte das Ford-Management, am europäischen Markt festzuhalten und dort Milliarden für die Entwicklung neuer Modelle zu investieren. Im reinen Elektrosegment können die Kölner aber schon jetzt mit gleich vier klingenden Namen aufwarten. Dem Puma Gen-E sowie den Modellen Explorer, Capri und Mustang.
Die Wiederbelebung der Modellbezeichnung Capri erweckte in Europa zweifellos das größte Aufsehen – schließlich war der Name über Jahrzehnte Kult und Synonym für einen leistbaren Sportwagen. Da sich die Vorlieben der Käufer jedoch grundlegend geändert haben (ein sportlich angehauchter Zweitürer gilt heute als unverkäuflich) entwickelte Ford unter dem Projektnamen Capri einen dynamischen Crossover mit vier Türen. Da der Mustang in einer anderen Preis- und Leistungsliga spielt, tätigte Ford für Capri und Explorer einen klugen Schachzug und bediente sich im Rahmen der bestehenden Zusammenarbeit bei der bewährten und topaktuellen MEB-Plattform des Volkswagen-Konzerns.
Ähnlichkeiten mit einem VW, Cupra oder Skoda sind aber trotzdem keine auszumachen. So gefällt der neue Capri als schnittig gezeichnete Viertürer-Limousine mit riesiger Heckklappe, dem kultigen Vier-Augen-Gesicht an der Front und dem schönen Ur-Capri-Schwung im Bereich der C-Säule. Der TT-Testwagen wirkte dabei in strahlendem Gelb besonders attraktiv, dieses „Vivid Yellow“ passt besonders gut zum Capri.
Weiter geht es in einen cool gestylten Innenraum, der mittels Löchern in der Lenkradspeiche an den seligen Capri RS erinnert. Sonst glücklicherweise nichts. So ist das Raumangebot vorne und hinten geradezu opulent. Vorne nimmt man auf abgesteppten Sitzen Platz und genießt den Blick auf einen übersichtlich gestalteten Zentralbildschirm, der nicht nur in der Neigung verstellbar ist, sondern dahinter noch ein Staufach bietet. Wie immer bei Ford ist das Multimedia-System bestens bedienbar. Oberhalb des Armaturenbretts thront wiederum ein Soundboard der B&O-Hifi-Anlage. Alles sehr stylisch – hätte sich aber bei manchem Detail eine etwas bessere Materialqualität verdient.
Liebe zur Detailabstimmung zeigten die Ford-Ingenieure indes bei der Abstimmung des Capri - seit jeher eine Kernkompetenz der Kölner. So fährt sich der Ford wunderbar handlich und gefühlt sportlicher, als einige seiner Plattformbrüder. Der Komfort blieb trotzdem erhalten. Im Test bewegten wir den Extended Range mit 286 PS und 77 kWh-Akku, erhältlich sind weiters eine 170-PS-Version und die Allradvariante mit 340 PS. Wie schon beim Fahrwerk, scheint Ford beim E-Motor am Ansprechverhalten getüftelt zu haben, so mächtig und spontan der Capri „abgeht“. Von null auf 100 km/h braucht es gerade 6,4 Sekunden. Sportwagenwerte, die der wiederbelebten Namen neben dem Top-Fahrwerk eindeutig Berechtigung geben.
Schön, dass die bekannte Sparsamkeit dieses E-Antriebspakets erhalten blieb. Mit Testverbräuchen rund um die 19 kWh ließ sich 400 Kilometer Reichweite erzielen.
Richtig sportlich sieht man bei Ford derzeit auch den Wettbewerb: So fährt man Capri (170 PS, 52 kWh) dank Aktion schon ab 29.990 Euro oder 209 Euro im Leasing. Unser Testwagen mit 286 PS und großem Akku wäre derzeit im Aktionsangebot ab 41.552 Euro zu haben. Da geht nicht nur auf Capri die Sonne auf.
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