Brände toben in Südeuropa

Schwerster Waldbrand des Sommers in Frankreich, Hotels in Spanien evakuiert

In Südfrankreich breiten sich die Feuer rasant aus.
© LIONEL BONAVENTURE

In Südeuropa wüten Waldbrände, sowohl Südspanien als auch Südfrankreich sind betroffen. Bereits mehr als 10.000 Hektar Land sind in Frankreich den Flammen zum Opfer gefallen. In Südspanien mussten zahlreiche Hotels evakuiert werden.

Mindestens ein Todesopfer und neun Verletzte, Straßensperrungen und Evakuierungen: Hunderte Feuerwehrleute kämpfen in Südfrankreich gegen den bisher größten Waldbrand dieses Sommers. Mehr als 1800 Feuerwehrleute waren am Mittwoch im Einsatz gegen die Flammen, sämtliche Löschflugzeuge des Landes wurden in das Gebiet zwischen Narbonne und Carcassonne entsandt. Die Küstenautobahn zwischen Frankreich und Spanien wurde gesperrt, zwei Campingplätze und viele Wohnhäuser evakuiert.

Das am Dienstagnachmittag ausgebrochene Feuer breitete sich rasend schnell aus und vernichtete bis Mittwochmittag 12.000 Hektar Vegetation im Corbières-Massiv nahe der Mittelmeerküste. Starker Wind und Hitze fachten die Flammen in dem ausgedörrten Gebiet an. Am Mittwochabend vermeldete die Präfektur, dass über 16.000 Hektar Land betroffen sein. „Seit 1949 ist dies zweifellos das Feuer, das die meisten Hektar Land zerstört hat“, sagte Frankreichs Innenminister Bruno Retailleau am Einsatzort.

Premier sieht Region vom Klimawandel herausgefordert

Binnen weniger Stunden hätten die Flammen so viel Fläche betroffen wie zuvor sämtliche Brände jeweils im Jahr 2019, 2020 und 2021. Frankreichs Premier François Bayrou sagte, der Klimawandel zwinge die Region, sich grundlegende Gedanken über die Zukunft zu machen. Dabei gehe es um die Gestaltung der Dörfer und der Natur, die Frage, welche Kulturen die Landwirte anbauten und wie die Wälder unterhalten werden müssten.

Frau tot in ihrem Haus gefunden

Im Dorf Saint-Laurent-de-la-Cabrerisse wurde eine ältere Frau tot in ihrem niedergebrannten Haus gefunden. Ein weiterer Bewohner des Dorfes wurde vermisst, wie Behördensprecher Rémi Recio berichtete. Laut Recio erlitt ein Bewohner lebensgefährliche Verbrennungen, acht weitere Menschen wurden leicht verletzt, darunter sieben Feuerwehrleute, die Rauchgasvergiftungen erlitten.

Menschen am Strand von Banyuls-sur-Mer – am Horizont türmen sich Rauchwolken.
© OLIVIER CHASSIGNOLE

Mindestens 25 Wohnhäuser wurden von den Flammen vernichtet oder beschädigt. Die Küstenautobahn A9 zwischen Frankreich und Spanien wurde zwischen Narbonne und Perpignan vollständig gesperrt, ebenso zahlreiche Landstraßen in dem Gebiet. Zwei Campingplätze wurden evakuiert, hunderte Bewohner mussten ihre Häuser verlassen.

Bisher 9000 Waldbrände im Sommer

Der Waldbrand ist der bisher größte in Frankreich in diesem Sommer. Insgesamt brachen entlang der französischen Mittelmeerküste zwischen Sommeranfang und Ende Juli bereits rund 9000 Waldbrände aus und vernichteten mehr als 15.000 Hektar Vegetation. Besonders betroffen ist das Département Aude zwischen Narbonne und Carcassonne.

Verbrannte Autos in Saint- Laurent-de-la-Cabrerisse.
© IDRISS BIGOU-GILLES

„All' diese Brände – es ist dramatisch“, sagte Aude Damesin aus dem Dorf Fabrezan im Brandgebiet. „Das ist furchtbar für die Tierwelt, für die Pflanzenwelt, für die Menschen, die alles verlieren.“

📽️ Video | Waldbrand tobt in Südfrankreich

Hotels in Spanien evakuiert

Auch nahe demspanischen Urlaubsort Tarifa haben Feuerwehrleute am Mittwoch weiter gegen einen schweren Waldbrand gekämpft. Löschtrupps konnten Bereiche rund um mehrere Hotels und Touristenunterkünfte zwar zunächst sichern, insgesamt war das Feuer jedoch weiter außer Kontrolle, wie der Innenminister der Region Andalusien, António Sanz, berichtete. Der Brand war am Dienstagnachmittag in einem Waldgebiet nahe einem Strand der Surfer-Hochburg Tarifa im Süden des Landes ausgebrochen.

Auch Südspanien ist von Waldbränden betroffen.
© IMAGO/Nono Rico (Europa Press)

Sieben Hotels und zwei Campingplätze wurden evakuiert, mehr als 1.500 Menschen mussten sich in Sicherheit bringen. Löschtrupps arbeiteten laut Innenminister Sanz die ganze Nacht hindurch, um ein Übergreifen der Flammen auf bewohntes Gebiet zu verhindern. Die Evakuierungsanordnung für Urlauber und Bewohner blieb jedoch auch am Mittwoch weiter bestehen.

📽️ Video | Hotels in Tarifa geräumt

Feuer brach an Wohnmobil aus

Dem Fernsehsender TVE war das Feuer an einem Wohnmobil auf einem Campingplatz ausgebrochen und hatte sich durch starken Wind rasch ausgebreitet. Spanien leidet derzeit unter einer Hitzewelle mit Temperaturen um 40 Grad Celsius und extremer Waldbrandgefahr in weiten Teilen des Landes. (APA/AFP, TT.com)