Land ehrt Wasserbeobachter

Ungewöhnliches Ehrenamt: Seit 60 Jahren meldet Familie Baldemair Daten von Sill und Navisbach

Markus Baldemair (r.) im Gespräch mit LHStv. Josef Geisler (oben), links Klaus Niedertscheider (Leiter Sachgebiet Hydrographie und Hydrologie/Land Tirol), rechts Anita Hilber, Partnerin von Baldemair.
© Land Tirol/Reiter

Rund 170 Tiroler sammeln Daten für Hochwasserprognosen – Markus Baldemair aus Steinach ist einer davon.

Innsbruck – Über eine besondere Anerkennung konnte sich vor Kurzem Markus Baldemair freuen: Er wurde vom Land Tirol für die über 60-jährige ehrenamtliche Tätigkeit seiner Familie als hydrographische Beobachterfamilie ausgezeichnet.

„Über 60 Jahre im Dienst der Allgemeinheit, bei jedem Wetter und an 365 Tagen im Jahr – das ist ein außergewöhnliches Engagement, das nicht hoch genug geschätzt werden kann“, betonte VP-LHStv. Josef Geisler, der den Steinacher persönlich aufsuchte. Mit ihrer Arbeit hätte die Familie Baldemair einen wertvollen Beitrag zur Erfassung des Wasserkreislaufs und zur Sicherheit geleistet.

Seit 2002 im Einsatz

Doch ein Blick zurück: Seit 1965 erfolgt die Betreuung der hydrographischen Messstellen durch die Familie Baldemair offiziell als hydrographische Beobachter in Steinach am Brenner. Zu bestimmten Zeiten werden demnach an den Pegelstellen Puig/Sill und Mühlen/Navisbach Messungen des Wasserstandes und der -temperatur durchgeführt, seit 2002 durch Markus Baldemair. Zuvor taten dies sein Vater Franz sowie seine Mutter Theresia.

Eine der Messstellen, die von Baldemair aufgesucht wird.
© Land Tirol/Reiter

Die langjährige Betreuung der Messstelle liefert nicht nur aktuelle Werte, sondern stellt auch eine Datengrundlage für wissenschaftliche Auswertungen dar. Standortbezogene Langzeitbeobachtungen ermöglichen Rückschlüsse auf hydrologische Veränderungen und Witterungsentwicklungen. „Die Daten fließen u. a. in Hochwasserprognosen ein und tragen dazu bei, frühzeitig vor Gefahren zu warnen. Trotz aller Fortschritte bleibt das Engagement der Beobachter unverzichtbar, insbesondere für die kontinuierliche Datengewinnung“, sagt Klaus Niedertscheider, Leiter des Sachgebiets Hydrographie und Hydrologie beim Land.

170 Ehrenamtliche Beobachter

Als besonderes Ereignis ist Markus Baldemair das Hochwasser an der Sill im Jahr 2023 in Erinnerung geblieben. „Auch große Schneefallmengen führen zu erschwerten Ablesungen.“ Der Hydrographische Dienst Tirol betreibt über 1000 Messstellen in Tirol u.a. im Bereich Wasserstände an Oberflächengewässern sowie Wassertemperatur, davon 650 landeseigene. Rund 170 ehrenamtliche Beobachter unterstützen die tägliche Erhebung von hydrologischen Daten – eine Aufgabe, die Erfahrung, Verlässlichkeit und Engagement erfordert. (TT)