So ein „Schas“: Innsbruck verliert ESC-Rennen, Song Contest erneut in Wien
Auch im zweiten Anlauf muss Innsbruck Wien beim Eurovision Song Contest den Vortritt lassen. Der ORF hat den Zuschlag für die ESC-Austragung am 16. Mai 2026 der Bundeshauptstadt erteilt. In der Tiroler Landeshauptstadt heißt es nun: Und was jetzt?
Innsbruck – Letztlich bleibt einem nur eine Abwandlung von Andi Knolls legendärem ESC-Zitat: „Jetzt haben die uns den Schas wieder nicht g‘holt.“ Der Inzinger Knoll, langjähriger Ö3-Moderator und ESC-Kommentator, hat den Song-Contest-Sieg von Conchita aus dem Jahre 2014 spontan und launig mit dem bekannten „Schas“-Sager begleitet. Seit Mittwochfrüh hat Innsbruck nun den „Schas“ wieder vergeigt.
Revanche für 2015 misslungen
Der ORF gab via Ö3 um 8.15 Uhr bekannt, dass die Landeshauptstadt sich im innerösterreichischen Wettbieten um die nächstjährige Austragung des ESC gegenüber Wien nicht durchgesetzt hat. Eine Niederlage mit Ansage. Denn 2015 war Innsbruck bereits Wien im ESC-Rennen unterlegen.
Nun müssen Bürgermeister Johannes Anzengruber und Olympiaworld-Chef Matthias Schipflinger erneut Gründe für das Scheitern finden. Den ESC zurück nach Österreich geholt hat „JJ“ mit seinem Sieg bei der heurigen ESC-Austragung in Basel.
📽️ Video | Die Verkündung in Innsbruck
Allseits war ein Zuschlag für Wien erwartet worden. Weil Wien dem Vernehmen nach ein besseres, weil kostenmäßig höheres Gesamtpaket am Küniglberg abgegeben haben soll. Zu verifizieren ist das nicht, weil der ORF den Kandidatinnen ein strenges Geheimhaltungskorsett aufgedrängt hat. Innsbrucks Package ist mit 21,7 Millionen Euro geschnürt. 6,5 Millionen Euro will die Stadt trotz angespannter Budgetlage stemmen, sechs Millionen soll Innsbruck Tourismus beisteuern, vier Millionen Euro der Landes-Tourismusfonds. Den Rest von 5,2 Millionen Euro sollen Sachleistungen und Ticketerlöse decken. So der Plan. Ein Plan, der nicht aufgegangen ist.
„Nach eingehender Prüfung und auf Basis einer einstimmigen Jury-Beurteilung ist der ORF zum Schluss gekommen, dass das Angebot von Wien nicht nur infrastrukturell und logistisch, sondern auch wirtschaftlich das attraktivste ist“, wurde ORF-Generaldirektor Roland Weißmann nach der Entscheidung in einer Aussendung zitiert. Der Senderchef bedankte sich zugleich für die Bewerbung der Stadt Innsbruck, „die sich mit großem Engagement und einem beeindruckenden Konzept“ beworben habe.
Anzengruber wünscht Wien „alles Gute“
Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber zeigt sich in einer ersten Stellungnahme naturgemäß enttäuscht, gibt sich aber als fairer Verlierer. Er wünsche Wien „alles Gute“ und bot seine Unterstützung, damit Europa ein „unvergessliches Musikfest erlebt“. „Dass wir uns bis zum Schluss mit Wien auf Augenhöhe gemessen haben, ist ein starkes Signal für Innsbruck und Tirol“, betonte Anzengruber. Schon die Bewerbung selbst habe die Tiroler Landeshauptstadt „international ins Rampenlicht gerückt und unsere Position als Austragungsort für internationale Großereignisse nachhaltig gestärkt.“
📽️ Video | Anzengruber zur Niederlage
ESC abhaken und Event-Suche fortsetzen
Und nun? Innsbruck braucht neue Events. Das hat Anzengruber in den vergangenen Monaten mehrmals öffentlich bekundet. Der ESC ist vorerst wieder Geschichte. Krönchen richten und weiter geht‘s: Das muss nun das Motto sein.
Events mit einem Millionenpublikum gibt es zwar nicht wie Sand am Meer. Dennoch muss Innsbruck, muss die Olympiaworld und auch das Stadtmarketing die Fühler nach Neuem ausstrecken. Die öffentliche Trauer ob der heutigen ESC-Niederlage dürfte sich indes in Grenzen halten. Gefühlt schlug die Stimmung hierzulande ohnedies nie wirklich Pro-ESC um. (TT)