Wölfe töten für Almschutz

Tierschützer gegen Reinhold Messners Abschuss-Aufruf: „Beseitigung von Wölfen ist absurd“

Reinhold Messner sprach sich für den Abschuss des Wolfes aus. Dafür steht er jetzt bei italienischen Tierschützern in der Kritik.
© APA/EXPA/Johann Groder/Canva

In einem Interview sagte Extrembergsteiger Reinhold Messner, man solle Wölfe in den Alpen „töten oder sterilisieren“. Eine italienische Tierschutzorganisation kritisierte jetzt die Aussage und warf Messner Widersprüchlichkeit vor.

„Die Natur kann sich am besten selbst regeln“, erklärte der italienische Tierschutzverband „Lndc Animal Protection“ mit Blick auf den Wolf. Mit dem Statement reagierten die Tierschützer auf eine Aussage, welche die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner zuvor in der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ getroffen hatte. „Ich bin nicht gegen Wölfe, aber ich sage, dass man sie töten oder vielleicht sterilisieren muss, um ein Gleichgewicht zu finden“, sagte der 80-Jährige im Interview.

Ich bin nicht gegen Wölfe, aber ich sage, dass man sie töten oder vielleicht sterilisieren muss, um ein Gleichgewicht zu finden.
Reinhold Messner, Extrembergsteiger

Tierschützer sehen Widerspruch

„Es ist paradox, dass ein Mann, der vorgibt, die Berge zu lieben und zu respektieren, eine ihrer symbolträchtigsten Arten ausrotten will“, so der Tierschutzverband. Der Wolf sei nämlich kein Feind, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Bergökosystems. „Ihn als Hauptbedrohung darzustellen, ist völlig falsch und irreführend.“

„Lndc Animal Protection“ wies darauf hin, dass das Zusammenleben mit dem Wolf nicht nur möglich, sondern in vielen Regionen Italiens bereits Realität sei. „Dank Zäunen, Herdenschutzhunden und schneller Entschädigung können Viehzüchter und Wölfe nebeneinander existieren“, so der Verband. Dazu müsse die Weidewirtschaft nicht aufgegeben werden.

Es ist paradox, dass ein Mann, der vorgibt, die Berge zu lieben, eine ihrer symbolträchtigsten Arten ausrotten will.
Lndc Animal Protection, Tierschutzverband

An Messners Aussagen störte die Tierschützer vor allem die „Widersprüchlichkeit“. „Er sagt, er liebe die Berge wegen ihrer unberührten Landschaften, aber gleichzeitig behauptet er, dass diese ohne menschliches Eingreifen verfallen würden.“ Menschliche Aktivitäten sollten nicht immer Vorrang vor der Natur haben, so die Tierschützer.

Messner für niedrige Wolf-Population

Messner kämpft dafür, den Wolf in den Alpen unter weniger Schutz zu stellen. „Die Population muss niedrig gehalten werden. Denn ich kenne zum Beispiel viele Bauern, die wegen der Risse sagen, sie lassen es“, sagte er der Tiroler Tageszeitung im Juni. Das bedeute jedoch nicht, dass er wolle, dass die Wölfe ausgerottet werden. Die Population der Wölfe solle die Almwirtschaft aber nicht gefährden.

Ein Wolf im Innsbrucker Alpenzoo. Wild lebende Wölfe sehen viele als Bedrohung, während Tierschützer betonen, dass Wölfe selbst zu den bedrohten Arten zählen.
© Rita Falk/Tiroler Tageszeitung

Wölfe auch in Tirol kontroverses Thema

Auch in Tirol sorgen Wolfsrudel immer wieder für Aufsehen. Die Sorge um die Sicherheit der Weidetiere ist ständig präsent, gleichzeitig gehören Wölfe in Österreich zu den geschützten Tierarten. Immer wieder kommt die Frage auf, ob Wölfe, die Nutztiere reißen, geschossen werden dürfen. Erst am Donnerstag erlegten Jäger im Bezirk Landeck einen sogenannten „Schadwolf“. (TT.com, APA)

Mehr zum Thema

undefined

Vom Vinschgau nach Sexten

Reinhold Messner über sein neues Haus und warum er für den Abschuss von Wölfen ist

undefined

Nach mehreren Rissen

Jäger erlegten Wolf im Bezirk Landeck, weitere Abschussverordnung im Unterland

undefined

Heuer 17. Verordnung

Zwei verletzte Rinder in Kirchberg entdeckt: Land gibt Wolf zum Abschuss frei