Hohe Kosten, mehr Pleiten, weniger Jobs: Handel weiter unter Druck
Österreichs Handel kann heuer kaum Umsatzwachstum erwarten. Die Konsument:innen halten ihr Geld weiterhin zusammen. 2026 könnte die Lage etwas besser werden. Die Konjunktur im Land bleibt schwach.
Wien – Die Stimmung im heimischen Handel ist gedämpft. Während die Konsument:innen zuletzt etwas optimistischer geworden sind, stagniert die Lageeinschätzung der Betriebe auf niedrigem Niveau. Das geht aus einer Studie hervor, die das Wifo im Auftrag des Handelsverbands erstellte.
Demnach dürften die privaten Konsumausgaben 2025 real nur minimal um 0,4 Prozent wachsen und die Sparquote mit 10,8 Prozent hoch bleiben. „Vor diesem Hintergrund wird die reale Wertschöpfung im Handel im Jahr 2025 voraussichtlich um 0,2 Prozent zurückgehen – erst 2026 ist wieder mit einer höheren Ausgabenbereitschaft der privaten Haushalte auf breiterer Basis zu rechnen“, erwartet der Wifo-Ökonom Jürgen Bierbaumer.
Kräftiges Umsatzplus im Juni
Das kräftige reale Umsatzplus im heurigen Juni von 3,6 Prozent im Einzelhandel (ohne Kfz) stimmte – nach einem Mini-Plus im Mai – kurzfristig positiv. Insgesamt bleibe die Konsumdynamik aber schwach. Daher werde weiterhin nur mit „einem leichten preisbereinigten Wachstum“ gerechnet. „Immerhin hat sich die Stimmung der heimischen Konsument:innen in den letzten Monaten schrittweise verbessert“, betonte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will am Freitag. Der Handelsverband beklagt aber nach wie vor bestehende „strukturelle Herausforderungen“ wie steigende Energie- und Personalkosten bis hin zu hohen Rohstoffpreisen auf den Weltmärkten.
Die steigende Inflation bereitet Sorgen. Mit 3,7 Prozent war die Teuerung im Juli fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Euroraum-Länder. Auch die Zahl der Insolvenzen im Handel sei im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,9 Prozent auf 185 rapide nach oben gegangen. Parallel dazu ist die Beschäftigung im Einzelhandel rückläufig.
Handel im ersten Halbjahr knapp im Plus
Laut einem jüngsten Konjunkturbericht der Bank Austria lag der Handel im ersten Halbjahr knapp im Plus, belastet von negativen Ergebnissen des Großhandels. Preisbereinigt werden auch die Einzelhandels- und KFZ-Handelsumsätze heuer nur wenig zulegen. Generell bleibt die Konjunktur in Österreich demnach schwach, aber stabil mit uneinheitlichen Branchentrends.
Es gebe eine verbesserte Konjunkturstimmung in allen Wirtschaftssektoren, doch sie bleibe weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Industrie überraschte mit Wachstum in der ersten Jahreshälfte, aber gesunkene Wettbewerbsfähigkeit und US-Zölle werden Dynamik dämpfen. Dennoch sollte die Industrieproduktion 2025 um rund 1,5 Prozent real zulegen können, nach zwei Jahren mit Rückgängen. Die Stagnation am Bau hält voraussichtlich an, belastet von anhaltendem Tief im Hochbau. Der Dienstleistungssektor bleibt der Wachstumsträger der heimischen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte mit guter Chance auf etwas mehr Zugkraft. (TT, APA)
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