ÖSV stellt klare Forderungen an den Weltverband: Machtkämpfe in der FIS spitzen sich zu
Die Fronten sind verhärtet: Die neue Rolle von Urs Lehmann als CEO des Ski-Weltverbandes FIS wirkt auch wie ein Schulterschluss ohne ÖSV. Dort ist man verwundert. Und gespannt.
Innsbruck – Nach der gelungenen Heim-WM in Saalbach wäre der Sommer perfekt gewesen, um das Kriegsbeil im letzten Frühjahrs-Schnee zu begraben. Doch das wird jetzt vorerst nichts mehr: Von Einstimmigkeit sind Österreichs Skiverband (ÖSV) und der Weltverband (FIS) weit weg.
Viel Öl ins Feuer gießt jetzt die Bestellung des Schweizer Ex-Verbands-Präsidenten Urs Lehmann zum CEO, kurz für Chief Executive Officer. Und was genau der in der FIS macht? „Das wissen wir nicht. Und es ist auch dem Vorstand nicht bekannt“, sagt Christian Scherer. Kurios. Dabei sollte es der ÖSV-Geschäftsführer doch wissen, ist ja kaum ein Verband mit so viel Macht im Wintersport ausgestattet wie der österreichische.
Doch weil die FIS unter dem umstrittenen Präsidenten Johan Eliasch oft ohne vorherige Kommunikation eigene Wege geht, kommt es scheinbar zu Vorstößen ohne Abstimmung mit den Betroffenen. Jüngst mit der Zentralvermarktung, mit der die FIS die Hoheit über alle Medienrechte bekommen wollte. Ein Vorgehen, dem der ÖSV nicht zustimmte – und als einziger „Big Player“ weiter alles selbst vermarktet.
„Auf uns hat das keinen Einfluss“
Dass nun der frühere Swiss-Ski-Vorstand Lehmann mit Eliasch nach anfänglichen Unstimmigkeiten gemeinsame Sache macht, wirkt auch wie ein Schulterschluss gegen den ÖSV, zumal die Schweizer der größte sportliche Rivale sind und der Streit mit der FIS sogar vor Gericht führte. Nun „zaubert“ die FIS quasi einen CEO aus dem Hut, was für viele überraschend kommt. Für Scherer nicht: „Wir wurden früher informiert, das war uns schon lange bewusst.“
Dennoch ist es ein Vorstoß, der auch für Ärger sorgt. Zumal das Ganze kein Fundament haben und nicht geregelt sein soll. „Einen CEO gibt es in der Satzung nicht. Um die zu ändern, braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit“, sagt Scherer und schickt wie eine Drohung nach: „Es ist noch nicht absehbar, ob das geschehen wird. Die Stimme des ÖSV hat mit seinen befreundeten Verbänden immer Gewicht gehabt. Wir sind sehr entspannt und freuen uns darauf, wie sie das angehen. Auf uns hat es keinen Einfluss.“
Bringt der CEO aber einen Mehrwert, steht man dem auch im ÖSV offen gegenüber. Doch die Forderungen formuliert Scherer klar: „Die FIS muss wieder in der Lage sein, eine schwarze Null zu schreiben. Man muss die Ausschüttungen an die Verbände beibehalten. Es gibt ja Gerüchte, wonach es Einschnitte geben könnte.“
Also viel Säbelrasseln wie so oft in der Vergangenheit oder doch eine neue FIS-Ära? Wer Urs Lehmann kennt, der weiß, dass der Abfahrts-Weltmeister von 1993 ein Macher ist und vielerorts ein gutes Standing hat.
Unter dem 56-Jährigen wuchs der Schweizer Verband wieder zur Großmacht heran – lange wollte er selbst FIS-Präsident werden, wurde dann aber 2021 von Eliasch ausgebremst. Die Schuld gab er auch Ex-ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der spät Eliasch befürwortete.
Nun ist Lehmann also doch an der FIS-Spitze. Zumindest an der sportlichen. „Der Präsident bleibt oben. Der CEO ist als Posten neu geschaffen worden für alles, was mit dem Sport zu tun hat“, beschreibt er im Blick seinen Job.
Ob das mit zwei so großen Alphatieren nebeneinander wirklich gut geht? „Urs kann das, das wissen wir“, sagt Scherer. „Aber am Anfang einer Beziehung ist ja immer die Honeymoon-Phase. Die Frage wird nur sein, wie lange das Duo harmoniert.“
Kommentare