Tirols drei „Betonschätze“: Greenpeace vergibt Negativpreis für „Bausünden“
Versiegelte Flächen, an denen sich die Bevölkerung mehr Grün und Natur wünscht, sind für die Umweltschutzorganisation ein No-Go. Greenpeace ruft nun zur Online-Abstimmung auf. Drei „Betonschätze“ stehen in Tirol zur Auswahl.
„Österreichs 9 Betonschätze“ – was an den Titel einer beliebten ORF-Sendung erinnert, hat einen ganz anderen Hintergrund. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace vergibt diesen Negativpreis an „asphaltierte Plätze, überdimensionierte Betonwüsten und trostlose Parkplätze“.
„Bausünden“ sollen damit vor den Vorhang geholt werden, die Bevölkerung und die politischen Entscheidungsträger darauf aufmerksam gemacht werden. In Tirol stehen beim Voting, bei dem bis Dienstag jeder mitmachen kann, drei Plätze zur Auswahl.
Betonierter Landhausplatz
Der Eduard-Wallnöfer-Platz, besser bekannt als Landhausplatz, ist einer der größten Plätze in Innsbruck und für den öffentlichen Raum bedeutend. Er sei „jedoch vollständig aus Beton, ohne Schatten, Begrünung oder ökologischen Mehrwert“, kritisiert Greenpeace. 8000 Quadratmeter Fläche seien versiegelt worden.
Seit der Fertigstellung im Jahr 2010 stand der Platz immer wieder in den Schlagzeilen: Große Rostflecken traten regelmäßig auf den rund 80 Betonplatten auf, nach jeder Reparatur kommen sie wieder. Der Landhausplatz zählt zu den am häufigsten von der Bevölkerung eingereichten Flächen, so Greenpeace.
Marktplatz „vertane Chance“
Als weiterer „Betonschatz“ wird der „nahezu vollständig asphaltierte“ Marktplatz in Innsbruck genannt. „Trotz einer kürzlich erfolgten Umgestaltung fehlen dauerhafte Begrünungsmaßnahmen. Die Fläche bleibt grau, versiegelt und ohne ökologischen Mehrwert“, heißt es von Greenpeace. In Bezug auf die dringend nötige urbane Klimawandelanpassung sei das eine vertane Chance.
Mit dem Projekt „Innsbrucker Stadtblüten“ wurde der Marktplatz im Frühjahr – initiiert vom Innsbruck Tourismus – umgestaltet. Holzmodule, die Sitz- und Liegeflächen anbieten, sollen den Platz attraktiver machen – ebenso Bodenbemalungen, Tischtennistische und ein Schachspiel. Langfristiger Plan der Stadt ist die Umsetzung des „Marktviertels“, bei dem der Platz und die Uferpromenade großzügig umgebaut werden sollen. Bislang scheitert es allerdings am Geld.
Parkplatz im Zillertal im Sommer leer
Von der Landeshauptstadt ins Zillertal: Der dritte „Betonschatz“ ist für Greenpeace der Parkplatz des Skizentrums Hochzillertal in Kaltenbach. Rund 25.000 Quadratmeter Fläche seien dort laut der Umweltschutzorganisation durch Asphaltierung versiegelt worden. Der Parkplatz werde hauptsächlich in der Wintersaison verwendet, über weite Teile des Jahres bliebe die Fläche ungenutzt.
Der Parkplatz ist in der Skihauptsaison oft überbelegt, es kam immer wieder zu Problemen. Vergangenes Jahr wurde vom Gemeinderat ein weiteres Parkhaus mit rund 420 Stellplätzen genehmigt. Von Anrainern und mehreren Gemeinderäten hagelte es dafür heftige Kritik.
Bis Dienstag um 12 Uhr kann noch online abgestimmt werden. Durch das Voting und eine Fachjury verleiht Greenpeace dann im September den Negativpreis für jedes Bundesland. (TT.com)
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