Podcast „Wirtschaft im Gespräch“

Tyrler-Geschäftsführer: Diese Bettwäsche zerfällt binnen 35 Tagen zu Erde

Die Tyrler-Geschäftsführer Karl Gostner (l.) und Stefan Grabher führen ein Bettwäsche- und Heimtextilien-Geschäft. Von diesen gibt es nur noch ganz wenige in Österreich.
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Die beiden Geschäftsführer des Bettwäsche-Geschäfts Tyrler in Innsbruck, Karl Gostner und Stefan Grabher sprechen über Auswirkungen von Krisen.

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Tyrler in der Innsbrucker Altstadt feiert heuer seinen 200. Geburtstag. Herr Gostner, Ihre Familie führt dieses Fachgeschäft für Bettwäsche und Heimtextilien schon sehr lange, wie hat denn alles begonnen?

Karl Gostner: 1825 gründete Peter Tyrler die Firma, er benannte sie nach seiner Tochter Notburga Tyrler. Das sogenannte Tyrler Burgele war jahrzehntelang die Chefin des Geschäfts. Nachdem ihre beiden Nichten es nicht übernehmen wollten, hat sie es verkauft. Danach wechselte das Geschäft einige Male den Besitzer. Im Jahr 1886 hat mein Urgroßonkel Franz Gostner die Firma gekauft, seitdem ist sie im Besitz der Familie Gostner. Ich führe das Geschäft in vierter Generation.

Anfang der 2000er-Jahre haben Sie Stefan Grabher an Tyrler beteiligt, warum?

Gostner: Früher war das Ladenlokal von Tyrler viel kleiner, als wir die großen Flächen hier am Marktgraben übernommen haben, habe ich Stefan ins Boot geholt. Er hat damals zur selben Zeit in Dornbirn in Vorarlberg ein Heimtextilien- und Bettwäsche-Geschäft aufgebaut. Das war und ist eine ideale Konstellation.

Karl Gostner.
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Herr Grabher, Sie sind seit etwa 45 Jahren in der Branche tätig. Wie hat sie sich verändert?

Stefan Grabher: Meine berufliche Laufbahn habe ich als Vertreter begonnen. Wir betreuten damals rund 270 dieser klassischen Bettwäschehändler in Österreich. Jetzt würde ich schätzen, sind gerade einmal zwei Hände voll übrig. Das liegt nicht nur am Internet oder großen Ketten, sondern hat viele weitere Gründe: die Nachfolgeproblematik, das Finanzierungsthema, die Städte haben sich verändert ebenso wie das Kaufverhalten. Trotzdem haben wir als einer der Übriggebliebenen eine ganz große Chance. Wir merken das am Geschäftsgang und Vertrauen, das uns die Kunden schenken.

Sie sind auch Produzent der Wäschelinie Mary Rose. Was ist das Besondere an ihr?

Grabher: Wir betrachten ihren Lebenszyklus gesamtheitlich: Das geht los bei der Produktion. Wie sind die Arbeitsbedingungen der Menschen? Woher kommt die Rohware, ist sie biozertifiziert? Der dritte Bereich ist der Einsatz von chemischen Mitteln. Man kann nicht alles pflanzlich färben. Chemie ist ja an sich nicht schlecht, es kommt nur darauf an, was für eine Chemie ich einsetze. Die mehrfach wegen ihrer Nachhaltigkeit zertifizierte und ausgezeichnete Bettwäsche ist auch voll kompostierbar. Ein Projekt mit der Universität Innsbruck hat gezeigt, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus binnen 35 Tagen zu Erde zerfällt. Das ist Kreislaufwirtschaft.

Stefan Grabher.
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Derzeit schauen die Menschen beim Einkaufen aufs Geld. Merken Sie das bei Tyrler?

Gostner: In meiner über 40-jährigen Geschäftstätigkeit habe ich einige Krisen miterlebt. In solchen Zeiten besinnen sich die Menschen darauf, dass sie zum Schlafen und Wohnen etwas Gescheites brauchen. Wir spüren die Krise im klassischen Bettwäsche-Bereich nicht. Durch unsere saisonalen Produkte und Neuheiten finden die Menschen immer wieder etwas Nettes bei uns. Es gibt derzeit für Tyrler keinen Grund, über die Umsätze zu jammern.

Grabher: Aber etwas fällt auf: Es verändert sich die Wertigkeit von Dingen. Früher hat Bettwäsche aus Vorarlberger Textilproduktion 1000 Schilling gekostet, das sind heute 70 bis 75 Euro. Heutzutage kostet sie ähnlich viel. Für meine Großmutter waren die 1000 Schilling ein wertiges Investment. Wenn jemand heutzutage vor mir steht und meint, die Bettwäsche wäre teuer und hält ein Handy im Wert von mehr als 1500 Euro in der Hand, dann ist das ein Zeichen dafür, dass sich die Wertigkeiten verschoben haben.

Die beiden Geschäftsführer im Gespräch mit Frank Tschoner.
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