„Schulweg bedeutet Bewegung im Alltag“: Wissenschafterin Elisabeth Happ im Interview
Der Schulweg fördert Kinder körperlich und geistig, zeigen Studien von Elisabeth Happ, Sportwissenschafterin am Institut für Sportwissenschaft an der Universität Innsbruck.
Warum sollten Kids den Schulweg alleine meistern?
Elisabeth Happ: Wenn Kinder ihren Schulweg aktiv gestalten, sei es zu Fuß, mit dem Roller oder Fahrrad, sammeln sie bereits den ersten wichtigen Bewegungsbaustein in ihrem Alltag. Bewegung umfasst nicht nur sportliche Aktivitäten, sondern auch das aktive Spielen in Innen- und Außenbereichen sowie die aktive Mobilität (das Zu-Fuß-Gehen, Radfahren oder Rollerfahren, um von A nach B zu gelangen).
Jeder einzelne Bewegungsbaustein, den ein Kind am Tag sammelt, ist wertvoll für die Entwicklung. Studien belegen außerdem, dass die soziale Komponente beim Schulweg eine bedeutende Rolle spielt: Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen und im Alltag kleine Hürden selbst zu meistern.
Auch das soziale Miteinander mit anderen Kindern gehört dazu – und das prägt fürs Leben. Wenn Kinder bereits im Alltag, beispielsweise auf dem Schulweg, viele Strecken aktiv zurücklegen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie dieses Verhalten auch im Erwachsenenalter beibehalten. Werden Kinder hingegen regelmäßig mit dem Auto gebracht, gehen ihnen wichtige Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten verloren.
Wenn der Schulweg aber gefährlich ist?
Wenn Kinder ihren Schulweg aktiv bewältigen und nicht von den Eltern mit dem Auto gebracht werden, überwiegen die positiven Aspekte – ungeachtet möglicher Gefahrenstellen wie Ampeln, fehlende Gehwege oder gefährliche Kreuzungen.
Es gibt Initiativen, die gemeinsam mit den Kindern das sichere Bewältigen der Strecke erlernen: Projekte wie der „Pedibus“ zeigen, wie Erwachsene Kinder auf dem Schulweg begleiten können, bis sie sicher genug sind, den Weg eigenständig zu meistern. Auch größere Kinder können mit Begleitung gut auf das Rad steigen.
Mit Penal und Pedalen
Radlobby gibt Tipps für den Schulweg auf dem Fahrrad
Durch Radfahrgemeinschaften wie den „Bicibus“ in Wien lernen Kinder bereits früh, in einem sicheren Umfeld mit dem Rad zur Schule zu fahren. Solche Angebote fördern Bewegung, Gemeinschaft und Selbstvertrauen und machen zugleich deutlich: Kinder brauchen Raum im Straßenverkehr, um selbstständig und aktiv mobil zu sein. Dabei ist es auch wichtig, die Gemeinden einzubinden, um potenzielle Gefahrenstellen am Schulweg gezielt zu entschärfen.
Was ist heute anders als früher?
Früher hieß es zum Beispiel „Steig nicht bei Fremden ins Auto.“ Heute können elektronische Geräte wie das Smartphone oder die Smartwatch eine Gefahr darstellen, und zur größten Ablenkung werden – der Blick wandert aufs Display, statt auf die Straße oder aufgrund des Tragens von Kopfhörern wird die Umgebung nur peripher wahrgenommen. Hier ist auch das Umfeld der Kinder gefordert, diese Gefahren zu thematisieren. Dabei zeigen Studien, dass es ein Dreieck gibt, das beim Schulweg und Kindern eine Rolle spielt, nämlich
- die Infrastruktur am Schulweg,
- das soziale Umfeld (Familie, Gemeinde) und
- das Kind selbst mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Jeder Faktor des Dreiecks spielt eine tragende Rolle.
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