Genussreise

Von Spitz bis Hainburg der Donau entlang

Blick von der Ried Klaus auf Weissenkirchen in der Wachau.
© Peter Weirather

Die Donau ist nicht nur eine wichtige Lebensader, sondern beeinflusst auch maßgeblich den Weinbau. Von der Wachau bis zur slowenischen Grenze liegen an den Ufern Weingärten mit höchst unterschiedlichen Sorten.

Die Wachau ist zweifellos das Gebiet, das schon sehr früh weit über Österreichs Grenzen hinaus für seine Weine bekannt war. Die Aufnahme als Weltkulturerbe trägt auch zur Popularität des Gebiets bei. Die Weinterrassen mit ihren Natursteinmauern prägen die Landschaft in einem besonderen Maße.

Dazu kommt die Geologie. Die Urgesteinsböden, die letztlich doch markante Unterschiede je nach Lage aufweisen, da und dort mit einer Lössauflage, anderswo ganz karg, da Amphibolit, dort Gföhler Gneis oder Paragneis. Und schließlich der zunehmende pannonische Klimaeinfluss, je weiter man Richtung Osten kommt. All das führt zu den spannenden Unterschieden, die Weine von den berühmten Lagen, wie Singerriedel, Kellerberg und Achleiten auszeichnen. Grüner Veltliner und Riesling sind die Sorten, die am gefragtesten sind.

Federspiel und Smaragd

Bekannt wurde die Wachau mit den Qualitätsstufen Steinfeder, Federspiel und Smaragd. Inzwischen ist die Wachau aber auch ein DAC-Gebiet, mit der klassischen Hierarchie Gebietswein, Ortswein und Riedenwein.

An die Wachau schließt das Kremstal an. Einerseits findet die Wachau ganz im Osten am linken Ufer geologisch ihre Fortsetzung, doch im Osten stehen die Rebstöcke auf tiefgründigen Lössböden.

Deshalb sind die Weine hier in der Regel etwas breitschultriger und auch Rot ist ein Thema. Der Zweigelt findet hier sehr gute Bedingungen und liegt flächenmäßig mit dem Riesling gleichauf. Aber für Kremstal DAC sind nur Grüner Veltliner und Riesling zugelassen.

Der nördliche Teil des Traisentales, das weit Richtung Süden reicht, wird auch noch von der Donau beeinflusst und natürlich der Traisen. Namhafte Winzer bestätigen das Potenzial dieses Gebiets mit eleganten Rieslingen und Grünen Veltlinern.

Auf der nördlichen Seite schließt das Kamptal an das Kremstal an. Vor allem mit der Lage Heiligenstein hat das Kamptal Berühmtheit erlangt. Die Mischung aus verwittertem Sandstein und Konglomeraten mit vulkanischem Ursprung ist ein einzigartiger Boden, auf dem besonders langlebige Weine entstehen.

Kühler Einfluss von Norden

Dazu kommt ein spezielles Klima, das aus dem Spannungsverhältnis zweier konträrer Einflüsse besteht. Primär macht sich das trockene, warme pannonische Klima bemerkbar. Doch von Norden kommt, vor allem nachts, die kühle Luft aus dem Waldviertel. Zusammen mit den großartigen Winzern, die sich hier in den letzten Jahrzehnten einen Namen gemacht haben, entstehen hier sehr kompakte Weine mit großem Lagerpotenzial. Waren es ursprünglich nur Grüner Veltliner und Riesling, die für Kamptal DAC zugelassen waren, gilt dies nun auch für die weißen Burgundersorten –Weiß- und Grauburgunder – sowie Chardonnay. Auch der Zweigelt hat hier eine nennenswerte Verbreitung und man findet einige hervorragende Pinot Noirs.

Blick vom Nussberg auf Wien.
© OeWM/WSNA

Östlich schließt der Wagram an, der sich am rechten Ufer bis vor die Tore Wiens erstreckt. Der Wagram ist geprägt von mächtigen Lössterrassen. Am Wagram regiert in den Weingärten die Vielfalt. Natürlich wachsen auch hier Grüner Veltliner und Riesling, aber auch der Rote Veltliner hat hier sein Zuhause und schließlich spielen die roten Sorten eine wichtige Rolle. Von Zweigelt, der hier einen Anteil von 12 Prozent erreicht und an zweiter Stelle liegt, über Merlot bis hin zu Cabernet Sauvignon wachsen hier viele Sorten. Kein Wunder, dass für den Gebietswein Wagram DAC nicht weniger als 13 Sorten zugelassen sind. Bei den Riedenweinen sind es dann allerdings nur noch Grüner Veltliner, Riesling und Roter Veltliner.

Am linken Ufer, also an der Nordseite, grenzt das Weinviertel mit seinen südlichsten Ausläufern an die Donau. Das Zentrum des Grünen Veltliners ist zum Großteil aber weiter nördlich.

Fährt man mit dem Schiff die Donau hinunter, wird man an der Wiener Stadtgrenze von den Weingärten am Bisamberg (auf der linken Seite) und jenen vom Nussberg begrüßt. Etwas, was Wien so einzigartig macht, ist ja der Weinbau in einer Bundeshauptstadt. Vor allem die Qualitätsentwicklung der letzten Jahre kann sich sehen lassen. Heutzutage kann man überall einen Wiener Gemischten Satz DAC bestellen und bekommt anständige Qualitäten. Einige davon sind sogar außergewöhnlich. Zudem ist es den Wiener Winzern gelungen, ihre Weingartenflächen vor Bauspekulanten zu sichern. Ein Gesetz schiebt dem einen Riegel vor. Die Zukunft dieses Kulturgutes ist also gesichert.

Der mächtige Braunsberg bei Hainburg.
© OeWM/WSNA

Spitzerberg – Höchstwertung

Bevor die Donau die Slowakei erreicht, streift sie erstmals ein Weinbaugebiet, das von roten Sorten dominiert wird, Carnuntum. Hier findet der Zweigelt beste Bedingungen vor und ist die wichtigste Sorte des Gebiets. Bereits 1992 wurde die Marke Rubin Carnuntum gegründet, mit dem Ziel, dem Gebiet eine erkennbare Identität zu geben. Die Stilistik hat sich verändert: Die Rubine bestehen heute ausschließlich aus Zweigelt und zeigen sich eleganter, weniger mächtig und meistens mit weniger Holz als in den Anfangsjahren.

In Carnuntum sticht der Spitzerberg hervor, denn dort entstehen große Blaufränkisch-Weine. Spitzerberg – Obere Spitzer 2022 von Dorli Muhr wurde heuer mit 98 Parker Punkten bewertet, so viel gab es noch nie für einen österreichischen Rotwein. Auch der Kalkboden am Braunsberg bietet Blaufränkisch-Weinen beste Bedingungen.