Genussneuheiten

Typisch und mitunter rar: Autochthone Rebsorten

In der Thermenregion ist Platz für Raritäten.
© OeWM/WSNA

In den letzten zwei Jahrzehnten sind international die autochthonen Rebsorten ins Rampenlicht gerückt. Auch Österreich hat da einiges zu bieten, vom bekannten Grünen Veltliner bis hin zu Neuburger und Zierfandler.

Von Peter Weirather

Chardonnay, Merlot und Cabernet Sauvignon sind Rebsorten, die auf der ganzen Welt vertreten sind und aus denen einige der besten Weine der Welt gemacht werden. Doch daneben gibt es Sorten, die nur in bestimmten Regionen vertreten sind. Manche davon bringen großartige Weine hervor, wie etwa Agiorgitiko in Griechenland oder Tempranillo in Spanien.

Auch Österreichs wichtigste Rebsorte, der Grüne Veltliner, ist so eine Spezialität. Das Geheimnis dieser erfolgreichen Rebsorte ist die große Bandbreite bei den Weinen. Das Ergebnis passt sowohl bei einer frühen Lese als auch bis hin zu sehr späten Lesen. Das können nicht viele Rebsorten. Das komplette Gegenteil ist etwa ein Pinot Noir, der ziemlich exakt gelesen werden muss, weil der Wein sonst entweder zu wenig Gehalt hat oder zu breit ist und zu wenig Säure hat.

Der Erfolg des Grünen Veltliner begann beim Heurigen. Denn als Jungwein wirkt er frisch und spritzig mit schöner Frucht und feiner Würze. Erst zur Jahrtausendwende wurde die internationale Weinwelt auf unseren Grünen Veltliner aufmerksam, als bei einer internationalen Blindprobe gehaltvolle Grüne Veltliner mit Chardonnays aus aller Welt verkostet wurden. Heute ist er unser internationaler Exportschlager. Der Klimawandel macht Österreichs Paradesorte allerdings Probleme, denn sie reagiert empfindlich auf Trockenstress.

Der Rote Veltliner ist eine Stammsorte der Veltliner Familie, aber keine Variante vom Grünen Veltliner. Seine Abstammung ist unbekannt. Es handelt sich aber um einen natürlichen Kreuzungspartner von weiteren heimischen Spezialitäten, nämlich Neuburger, Rotgipfler und Zierfandler.

Veltlinerfamilie

Der Rote Veltliner kann einiges, hat aber nicht die Bandbreite des Grünen Veltliners. Weil sie sehr anspruchsvoll hinsichtlich der Lage und anfällig für Pilzkrankheiten ist, verlor die Sorte an Bedeutung. Heute ist sie eine Rarität (rund 200 Hektar), deren Schwerpunkt am Wagram liegt.

Grüner Veltliner
© Peter Weirather

Der Frührote Veltliner, eine natürliche Kreuzung aus Roter Veltliner und Sylvaner, ist eine sehr alte österreichische Sorte. Die Weine erreichen nicht die Qualitäten von Rotem Veltliner. Die Sorte hat nur noch eine geringe Bedeutung. Mit einer Verbreitung von nur noch knapp 62 Hektar ist der Zierfandler eine echte Rarität, obwohl die Sorte im besten Fall großartige Weißweine hervorbringt. Allerdings ist die Sorte im Weingarten schwierig und erfordert von den Winzern viel Arbeit, was sie nicht sehr beliebt gemacht hat. Erst in den letzten Jahren steigen die Bemühungen wieder an. Aber auch wenn es Zuwächse geben sollte, große Mengen wird es nicht mehr geben. Zierfandler, auch Spätrot genannt, weil sich die Beeren gegen Ende hin rötlich verfärben, ist eine Spezialität der Thermenregion, ebenso wie der Rotgipfler. Für den gilt das Gleiche.

Der hat aber im Gegensatz zum Zierfandler tendenziell weniger Säure. Meist wurden die beiden Sorten miteinander verschnitten. Rotgipfler ist eine natürliche Kreuzung aus Traminer und Rotem Veltliner. Auch der Zierfandler stammt vom Roten Veltliner ab, der zweite Elternteil ist unbekannt. Weine von Rotgipfler und Zierfandler sind ausgezeichnete Speisenbegleiter.

Auch der Neuburger ist in der Thermenregion vertreten, zudem im Burgenland am Leithaberg. Die Sorte kommt aber aus der Wachau. Die Sorte liefert ausgezeichnete Weinqualitäten, ist aber sehr krankheitsanfällig und verliert deshalb an Bedeutung.

Beste Qualitäten

Bei den roten Sorten sticht vor allem der St. Laurent hervor. Woher die Sorte stammt, ist ungewiss, der Name geht auf den Lorenzitag zurück, denn rund um den 10. August beginnen sich die Trauben zu verfärben. Die Winzer waren nicht unbedingt begeistert von der Sorte, sie ist schwierig im Weingarten, sehr empfindlich und verlangt viel Aufwand. Zudem liefert sie unregelmäßige Erträge. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zudem hat die Sorte den Vorteil, dass sie am Ende ihrer Reifezeit nicht noch mehr Zucker einlagert und auch in der Säure einigermaßen stabil bleibt.

St. Laurent
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Die besten Weine sind großartig, sie sind kräftig, von einem Sauerkirscharoma geprägt, haben eine elegante Säurestruktur und hohes Lagerpotenzial. Vor allem in der Thermenregion, rund um Tattendorf, findet die St. Laurent optimale Bedingungen vor.

Der Schilcher

Eine andere rote Sortenspezialität Österreichs ist der Blaue Wildbacher. Allerdings ist das Ergebnis in der Regel kein Rotwein, sondern der berühmte Schilcher, ein Roséwein. Der Blaue Wildbacher wird fast ausschließlich in der West-

steiermark gepflegt. Der Schilcher hatte seit jeher eine Fangemeinde, doch in den letzten Jahren sind die Qualitäten deutlich gestiegen und das Interesse wächst.